Ein Bild aus der Kathedrale einen Tag nach dem Brand. - © AFP
Ein Bild aus der Kathedrale einen Tag nach dem Brand. | © AFP

Großbrand in Paris Macron will Notre-Dame in fünf Jahren wiederaufbauen

In der historischen Kathedrale in Paris war am Montag ein großes Feuer ausgebrochen. Glocken sollen in ganz Frankreich läuten. Heiko Maas verspricht Hilfe beim Wiederaufbau

16.04.2019 | Stand 17.04.2019, 06:09 Uhr |

Paris (dpa/rtr/epd/kna). Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat einen ambitionierten Zeitrahmen zum Wiederaufbau der bei einem Brand verwüsteten Kathedrale Notre-Dame gesteckt. "Wir werden Notre-Dame noch schöner wiederaufbauen, und ich will, dass das in fünf Jahren abgeschlossen wird. Wir können das schaffen", sagte Macron am Dienstagabend in einer Fernsehansprache zur Hauptsendezeit. "Es liegt an uns, diese Katastrophe in eine Gelegenheit zu wandeln, um zusammenzukommen ... Es liegt an uns, den Faden unseres nationalen Projekts zu finden." Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sollen am Mittwochabend Kirchenglocken im ganzen Land läuten. „Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris ist ein Schock weit über die Katholiken unseres Landes hinaus", teilte die französische Bischofskonferenz mit. Die Glocken aller Kathedralen sollen um Punkt 18.50 Uhr läuten - zu diesem Zeitpunkt wurde der Brand in dem weltberühmten Wahrzeichen am Montagabend entdeckt. Alle Diözesen in Frankreich wollten so ihre Solidarität mit der Pariser Diözese zum Ausdruck bringen, hieß es weiter. Deutschland bietet Unterstützung an Derweil hat Außenminister Heiko Maas (SPD) den Franzosen Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt. „Freunde helfen, wo sie gebraucht werden und wo sie können", sagte er in Berlin. Bereits jetzt arbeiteten Spezialisten in Frankreich und Deutschland auf das Engste miteinander zusammen. „Wenn Frankreich auf dieses Netzwerk zurückgreifen möchte, stehen wir bereit", unterstrich Maas. Der Minister sagte, er schließe sich dem Unterstützungsaufruf des französischen Präsidenten Emmanuel Macron „aus ganzem Herzen an". Vor weniger als 200 Jahren habe eine Restaurierungskampagne die Kathedrale vor dem Abriss bewahrt, unterstützt von französischen Bürgern. „Heute steht ganz Europa mit Frankreich", sagte er. Auch Nordrhein-Westfalen hat Frankreich Unterstützung beim Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame zugesagt. "Notre-Dame berührt uns so, als wäre es eine Kirche in Deutschland", sagte Ministerpräsident Armin Laschet. Dies sei nicht eine Kirche in einem anderen Land, sondern in Europa. Die Kathedrale sei zudem einer der bedeutendsten Orte der Christenheit weltweit. Laschet rief Bürger, Verbände, Vereine und Stiftungen auf, für die Restaurierung der abgebrannten Kathedrale in Paris zu spenden. Dafür sei bei der Weltkulturorganisation Unesco in Bonn unter dem Stichwort "NRW für Notre Dame" ein Sonderkonto eingerichtet worden. Feuer komplett gelöscht Das Feuer in der Pariser Kathedrale ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Man müsse nun schauen, wie die Struktur des Gebäudes dem schweren Brand standhalten werde, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, am frühen Dienstagmorgen dem Sender BFM TV. Hundert Feuerwehrleute sind noch im Einsatz Experten und Architekten wollten am Morgen darüber beraten, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale stabil ist, so Nuñez. Rund hundert Feuerwehrwehrleute seien noch im Einsatz. Bei dem Brand sei ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. „Wir hatten großes Glück." Auch zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Staatsanwaltschaft ermittelt Das Feuer verwüstete den Sakralbau im Herzen der französischen Hauptstadt, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt. Das Feuer sorgte weltweit für Entsetzen. Es war am Montagabend ausgebrochen, über Stunden schlugen Flammen in den Himmel. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Ermittler befragen Bauarbeiter Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein - das heißt: von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Nach ergänzenden Medienberichten könnte der Brand mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen. Die Staatsanwaltschaft nahm zu solchen Berichten zunächst keine Stellung. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auf dem Dach hatten die Bauarbeiter ein Gerüst angebracht. Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche wurde aus der brennenden Kathedrale gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht. "Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich" Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem „fürchterlichen Brand". Der französische Premierminister Édouard Philippe schrieb: „Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich, aber wir kämpfen immer noch. An diesem Abend kämpfen die Feuerwehrleute heldenhaft gegen das Feuer." Macron sagte: „Notre-Dame von Paris, das ist unsere Geschichte." Notre-Dame ist eine der wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité. Vatikan reagierte bestürzt Der Vatikan reagierte bestürzt. „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen", erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti. Die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: „Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt." Die Unesco sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. „Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden." Es müssten rasch „strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden". Geschichte von Notre-Dame reicht ins 12. Jahrhundert zurück Macron sagte wegen des Brandes eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab und begab sich mit seiner Frau Brigitte zu der Kathedrale. Der Präsident hatte eigentlich über die Ergebnisse einer monatelangen Bürgerdebatte sprechen wollte. Der Präsident hatte die „Nationale Debatte" im Januar als Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten" gestartet - nun wollte er Zugeständnisse präsentieren. Einen neuen Termin dafür teilte der Élyséepalast zunächst nicht mit. Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur. Macron kündigte eine nationale Spendensammlung an, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine schaltete auf ihrer Internetseite bereits eine Spendenaktion frei: „Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf", schrieb die Stiftung. Und die Milliardärs-Familie Pinault versprach 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Das kündigte der Geschäftsmann François-Henri Pinault, Chef des Luxuskonzerns Kering, an. Zudem hat die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH angekündigt, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oreal und wollen insgesamt 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau spenden.

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