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Wie es in einem ausgestatteten Tiny House aussehen könnte, zeigten die Architekturstudentinnen Sarah Ullmayer (r) und Sophie Kany 2017 im Bauhaus Campus in Berlin. In NRW nimmt das Thema Minihäuser nun auch Fahrt auf. - © picture alliance / Monika Skolim
Wie es in einem ausgestatteten Tiny House aussehen könnte, zeigten die Architekturstudentinnen Sarah Ullmayer (r) und Sophie Kany 2017 im Bauhaus Campus in Berlin. In NRW nimmt das Thema Minihäuser nun auch Fahrt auf. | © picture alliance / Monika Skolim

Wohnen Tiny Houses: Wo die ersten Siedlungen in NRW entstehen sollen

Der Trend zum Minihaus nimmt weiter Fahrt auf. In einigen Städten sollen künftig Siedlungen für die kleinen Gebäude entstehen. Doch das ist nicht so einfach

Angela Wiese
07.05.2019 | Stand 16.05.2019, 16:54 Uhr

Bielefeld. Der Traum vom eigenen Haus im Grünen, verwirklicht auf weniger als 50 Quadratmetern. Was früher noch als Laube durchging, könnte künftig in Form von Tiny Houses Hauptwohnraum für Menschen werden. Auch in Nordrhein-Westfalen. Im münsterländischen Warendorf zum Beispiel hatte die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft bereits Ende 2018 einen Antrag für die Ausweisung eines Grundstücks in der Stadt gestellt. Ihm wurde stattgegeben. Nun wird nach einem passenden Grundstück gesucht, das baurechtlich die Errichtung einer Tiny-House-Siedlung zulässt. Erst einmal für 15 Gebäude. In Dortmund hat der Ausschuss für Wohnen im Februar 2019 die Durchführung der Kampagne "Tiny Einfamilienhäuser" beschlossen. Die Dortmunder Stadtverwaltung prüft nach Informationen eines Stadtsprechers gerade die Bereitstellung einer Fläche für eine Minihaus-Siedlung. Wer will so wohnen? Aber wer will eigentlich einziehen ins Tiny House? "Das ist mittlerweile eine kleine Bewegung", glaubt André Wenning von der Freien Wählergemeinschaft Warendorf. Aus seiner Sicht kommen für die Minihäuser mehrere Käufer infrage: Menschen, die nicht so viel Platz brauchen oder auch Menschen, die nicht so viel Geld für ein Eigenheim ausgeben können. Und: "Wer ein Tiny House mag, hat wahrscheinlich eine Camper-Seele", sagt Wenning. Mit oder ohne Räder Grundsätzlich können sich die Minihäuser in ihrer Ausführung sehr unterscheiden. Tiny Houses ohne Räder können 50 Quadratmeter groß sein. Solche mit Rädern dürfen eine Länge von 10,5 Metern nicht überschreiten, damit sie später mit Anhänger noch auf die Straße dürfen. "Unsere Häuser sind maximal 26 Quadratmeter groß", sagt Brendan Thomé, Mitbegründer des Detmolder Start-ups Tech Tiny House. Sein Unternehmen baut ausschließlich Minihäuser mit Rädern. "Die Kosten bewegen sich zwischen 40.000 und 60.000 Euro. Es kann aber auch deutlich günstiger oder teurer werden, das hängt sehr von den Kundenwünschen ab", betont Thomé. Wie Wenning stellt auch Thomé eine gestiegene Nachfrage nach den kleinen Wohngebäuden fest. "Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich. In der Regel handelt es sich aber um Menschen, deren Lebensumstände sich grundsätzlich ändern, zum Beispiel, weil sie erstmals regelmäßig Geld verdienen, geheiratet haben oder die Kinder ausgezogen sind", sagt Thomé. "Gewohnheiten anpassen" Er ist sich sicher, dass der Platz im Minihaus zum Wohnen ausreicht. "Sofern man nicht ohnehin den Anspruch hat, auf 200 Quadratmetern wohnen zu wollen, ist es bei einer baulich geschickten Umsetzung sehr gut möglich, auf 26 Quadratmetern zu wohnen. Vielleicht muss man ein paar Gewohnheiten anpassen. Schlafsofas zum Beispiel bieten Platz zum Schlafen und für Gäste. Fernseher können an einer Konsole an der Wand befestigt werden, sodass sie nur ausgezogen werden, wenn sie gebraucht werden. Wenn Fenster sich nach außen öffnen lassen, spart das ebenfalls viel Platz." Mit mehreren Kindern werde es allerdings eng. "Dafür bräuchte es ein weiteres Tiny House." "Braucht man wirklich eine große Sitzgarnitur?" Ähnlich erklärt es Ulrich Nether, Professor für Ergonomie und Produktdesign an der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der Technischen Hochschule OWL. "Baulich ist der wenige Platz so umsetzbar, dass man sich nicht eingeschränkt fühlt. Zum Beispiel durch die Mehrfachnutzung von Räumen als Wohn- und Schlafraum oder ausziehbare Tische. Braucht man wirklich eine große Sitzgarnitur? Letztlich ist das eine Sache von Organisation, Anordnung und Gewohnheiten." Unter anderem der Wunsch nach einem Eigenheim zu günstigen Kosten treibe das Interesse an, glaubt Nether. "Im Durchschnitt hat jeder einzelne Deutsche jetzt 45 Quadratmeter zum Wohnen zur Verfügung. Das ist viel." Keine Pläne in Bielefeld und Paderborn Tiny Houses sind funktionsfähige Häuser mit Dusche, Bett und Küche. Für sie gelten also die Regeln des Bauplanungs- und Bauordnungsrechts. Das Grundstück muss entsprechend ausgewiesen sein. "Eine Herausforderung beim Bau von Tiny Houses ist die Energiesparverordnung", sagt Nether. Nach dieser sollen Häuser so gebaut werden, dass sie möglichst wenig Energieverlust haben. Tiny Houses haben mit einem großen Raum viele Außenwände und verlieren viel Energie. Bei der Isolierung ergibt sich ein entsprechend großer Ressourcenverbrauch." Für die Verwirklichung von Siedlungen brauche es noch Zeit, glaubt er. In Bielefeld und Paderborn gibt es derzeit weder Anfragen noch Pläne für Tiny-House-Siedlungen. Für die Stadt Dortmund ist die Kampagne "Tiny Einfamilienhäuser" ein Baustein, die Nutzung von Flächen für Siedlungszwecke zu verringern. Und für André Wenning in Warendorf geht es auch um eine neue Form des Wohnens. Menschen, die diese gut finden, bräuchten nun noch den Platz. "Irgendeiner muss damit beginnen", sagt Wenning.

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