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Die E-Zigarette verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen Nikotin enthält. - © picture alliance / Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa
Die E-Zigarette verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen Nikotin enthält. | © picture alliance / Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa

Gesundheit Lobbyisten wollen Werbeverbot für E-Zigaretten noch vermeiden

Selbstverpflichtung für "verantwortungsbewusste" E-Zigarettenwerbung in Deutschland veröffentlicht.

Andrea Frühauf
16.05.2019 | Stand 16.05.2019, 15:29 Uhr

Berlin. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen des E-Zigaretten-Konsums sind noch umstritten. Zwar nehmen E-Dampfer wohl weniger Schadstoffe auf als gewöhnliche Tabakraucher. Ungefährlich sind sie aber keineswegs. So wurden in manchen E-Zigaretten bereits Gifte wie Nitrosamine, Diethylenglykol und Formaldehyd gefunden. Und auch der elektronisch erzeugte Dampf kann schädigende Wirkungen haben. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), forderte daher  kürzlich, auch E-Zigaretten und Tabakerhitzer in ein Werbeverbot aufzunehmen. In Europa ist nur noch in Deutschland Werbung für Tabakprodukte erlaubt. Doch auch hierzulande gibt es Bestrebungen, die Reklame weiter einzuschränken. So hat die Union bereits angekündigt, das internationale Abkommen der Weltgesundheits­orga­ni­sation (WHO) zum Tabakwerbeverbot umzusetzen. Es sieht ein Verbot von Pla­katwerbung und eine Einschränkung der Kinowerbung für Tabakprodukte vor. Verboten ist hierzulande bereits Tabakwerbung in Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. Keine Werbung für junge Menschen Mit einer Selbstverpflichtung wollen Lobbyverbände der E-Zigaretten-Branche nun einem drohenden Werbeverbot offenbar zuvorkommen. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) und der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) veröffentlichten einen "Werbekodex für verantwortungsbewusste E-Zigarettenwerbung in Deutschland". Die Lobbyverbände der E-Zigarettenhändler wollen nach eigenen Angaben "ein starkes Zeichen der Selbstverpflichtung" der Branche setzen, um damit offensichtlich die Politik vor einer Entscheidung noch zu beeinflussen. Laut der Selbstverpflichtung sollen junge Menschen als Adressaten der Werbung außen vor bleiben. Das Mindestalter der in E-Zigarettenwerbung vorkommenden Personen soll auf 30 Jahre festgelegt werden. Auf Veranstaltungen oder in Einrichtungen, die vor allem von Kindern und Jugendlichen besucht werden sowie in einem Umkreis von 100 Meter um Schulen, darf demnach nicht geworben werden. Zudem sollen in der Werbung für E-Zigaretten keine Zeichentrickfiguren oder andere fiktionale Charaktere vorkommen, "die das Interesse von Jugendlichen und Kindern wecken könnten". Auch sollten Bilder und Botschaften, die den Eindruck erwecken, dass E-Zigaretten gesundheitlich unbedenklich wären, untersagt werden. Ein unabhängiges Kontrollgremium soll die Einhaltung der Richtlinien überprüfen. Juul-Gerät überschreitet Nikotin-Grenzwerte der EU Dass die E-Zigarettenlobby ausschließlich erwachsene Raucher ansprechen will, hat nach einem Welt-Bericht allerdings einen besorgniserregenden Hintergrund. So habe die E-Zigarette namens Juul in anderen Ländern gerade bei Jugendlichen großen Erfolg. In den USA, wo der Hersteller des Juul-Gerätes sitzt, gelte es bei Jugendlichen als das "i-Phone unter den E-Zigaretten". Der Nikotingehalt von Juul ist aber demnach in den USA mehr als doppelt so hoch im Vergleich mit den in der EU zulässigen Höchstgrenzen. "Experten berichten von einem Nikotinschock bei ungeübten Juul-Rauchern", so das Blatt.

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