Unter Ärzten: Um Strukturen im Netzwerk aufzubauen, scheint es sinnvoll, dass es klar definierte Partner gibt. Das ist nur ein Ansatzpunkt von vielen, der beim Auftkatsymposium besprochen wurde. - © Malin Bornemann
Unter Ärzten: Um Strukturen im Netzwerk aufzubauen, scheint es sinnvoll, dass es klar definierte Partner gibt. Das ist nur ein Ansatzpunkt von vielen, der beim Auftkatsymposium besprochen wurde. | © Malin Bornemann

Gesundheit Ärzte für zurückhaltende Antibiotika-Verordnung

Diverse Akteure aus der Medizin haben unter dem Stichwort „Antibiotic Stewardship“ eine Empfehlung für das Verschreiben von Antibiotika erarbeitet. Bei einer Auftaktveranstaltung werden Ideen, Wünsche und Ziele formuliert

Bielefeld. Zu häufig stellen Mediziner ein Antibiotikarezept aus. Das „ABS-Netzwerk Bielefeld" will das ändern und entwickelt eine einheitliche Plattform für Praxen und Kliniken. ABS, das steht für „Antibiotic Stewardship" – verantwortlicher Umgang mit Antibiotika. 2016 gründete der Bielefelder Kinderarzt Roland Tillmann gemeinsam mit Kollegen das Projekt „Antibiotische Therapie in Bielefeld", kurz AnTiB. „Wir wollten die Bielefelder Kinderärzte und Vertreter der örtlichen Kinderklinik Bethel an einen Tisch bekommen, uns über die Verordnung von Antibiotika austauschen und am Ende gemeinsam Praxis-Empfehlungen entwickeln, die für alle verbindlich sind", so Tillmann. Aus AnTiB heraus wurde das „ABS-Netzwerk Bielefeld " gegründet. Es kooperieren ambulante Facharztgruppen wie Kinderärzte, Frauenärzte, Allgemeinmediziner mit Kliniken in OWL, Unterstützung kommt von der Kassenärztlichen Vereinigung und der Uni Bielefeld. Das Ziel: Ärzte in Praxen und Kliniken sollen sich bei der Verordnung möglichst an die gleichen Regeln halten und Antibiotika zurückhaltender einsetzen. Bisher sei diese Kooperation bundesweit einzigartig. Jetzt weitet das Netzwerk seine Aktivitäten auf ganz Ostwestfalen-Lippe aus und hat dazu Fachbesucher zu einem Auftaktsymposium eingeladen. Insgesamt 50 Ärzte, Apotheker und Mikrobiologen sind gekommen, um sich kennenzulernen, Ideen und Wünsche auszutauschen. Einer der Wünsche: Ärzte in Praxen und Kliniken sollen gegenseitig besser dokumentieren, welches Antibiotikum sie für welchen Zeitraum verschrieben haben. Wenn ein Patient dann etwa von der Klinik in die Praxis übergeben wird, kann das bei der weiteren Behandlung nützlich sein. Die Empfehlungen sollen sich bundesweit und fachlich ausweiten Auch überregionale Ziele haben die Akteure im Blick. Das ABS-Netzwerk soll bundesweiten Modellcharakter erhalten. "In Lübeck, Augsburg, Freiburg und Frankfurt haben Kinderärzte bereits unser Grundkonzept übernommen, weitere Orte sollen folgen", sagt Tillmann. Die Fachrichtungen sollen sich ebenfalls ausweiten. "Bei uns gibt es bereits Antibiotika-Empfehlungen für Kinder-, Frauen- und Hausärzte, die Urologen und Hals-,Nasen-, Ohrenärzte sollen in Kürze nachlegen", sagt Tillmann. Das ABS-Netzwerk lebt von Kommunikation Reinhard Bornemann, Klinikarzt und Dozent bei den Gesundheitswissenschaftlern der Uni Bielefeld, ist es besonders wichtig, dass eine langfristige Struktur entsteht: "Damit ein Netzwerk funktioniert und sich das ABS-Team weiter entwickelt, müssen alle regelmäßig miteinander kommunizieren". Deshalb soll sich das ABS-Netzwerk Bielefeld – Ostwestfalen-Lippe in Zukunft zwei mal im Jahr treffen, um aktuelle Themen zu besprechen.

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