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Millimeterarbeit: Schon bei kaum messbaren Abweichungen machen Kunden Theater. - © picture alliance
Millimeterarbeit: Schon bei kaum messbaren Abweichungen machen Kunden Theater. | © picture alliance

Riedenburg Handwerker nimmt keine Aufträge von Besserwissern mehr an

"Sie wissen alles viel besser und zahlen schlecht", lautet seine Begründung. Das mache das Leben deutlich einfacher

11.01.2019 | Stand 11.01.2019, 14:48 Uhr

Riedenburg. Ein Handwerker aus Süddeutschland hat genug von der ewigen Besserwisserei seiner Kunden. Lieber will er künftig auf Aufträge verzichten. "... nicht mehr für Besserwisser" prangt auf der Homepage des Fliesenlegers in Riedenburg. Er arbeite nicht mehr für Ingenieure, Doktoranden, Professoren der Firmen Audi und Siemens. Diese seien einfach zu besserwisserisch. Michael Schmiedl schreibt auf seiner Internetseite weiter: "Wie jeder andere Handwerksbetrieb auch, haben wir in der Vergangenheit, was Zahlungsmoral und Problemkunden betrifft, unsere Erfahrungen gesammelt." Dazu gehören allem Anschein nach auch die aufgelisteten Berufsgruppen von Audi und Siemens. Sollte jemand zu oben genannten Personengruppen gehören, könne man sich auch gleich das Verfassen von Anfragen per E-Mail schenken. "Ausschluss bedeutet Ausschluss." Seit der Donaukuriers kürzlich über den Fall berichtete, bekommt Schmiedl viel Zuspruch, aber auch Gegenwind. Während Befürworter seiner Entscheidung, darunter offenbar auch Mitbewerber, dem Fliesenleger in der Kommentarspalte beipflichten und von ähnlichen Erlebnissen berichten, wittern Kritiker diskriminierendes Verhalten, das sich aus Vorurteilen speise. Schmiedl hält sich für einen umgänglichen Menschen Schmiedl selbst sagte dem Donaukurier, er halte sich eigentlich für einen umgänglichen Menschen und sei sich seines Handelns sehr wohl bewusst. Er habe aber keine andere Lösung mehr gesehen. "Viele andere Handwerker sehen das genauso, es traut sich nur keiner so offen auszusprechen wie ich." Darauf angesprochen, was ihn konkret am ausgeschlossenen Personenkreis störe, gab der Handwerker an, dass Audi-Ingenieure in einer ganz anderen, realitätsfremden Welt lebten. "Da geht es um Millimeter und Nanometer, wie es sich in der Praxis oft nicht umsetzen lässt. Die sagen dir: 'Wir machen das bei Audi so, also mach' du das auch so'. Aber das geht oft nicht." Lebhaftes Beispiel mit Audi-Ingenieur Für seinen täglichen Wahnsinn hat der Handwerker auch ein Beispiel parat: "Da sucht sich einer ein Fliesenmodell mit den Maßen 30 mal 60 Zentimeter für sein Bad aus. Als erstes misst er nach und wundert sich, dass er nur auf 29,5 mal 59,5 Zentimeter kommt. Das ist aber immer so, weil die Fuge bei der Maßangabe mitgerechnet wird. Der Mann wollte das aber nicht akzeptieren und hat ein Normengutachten in Auftrag gegeben." Schmiedl versichert, kaum noch Zahlungsausfälle zu haben, seit er Ingenieure von Audi ausschließt. Solche von Siemens empfinde er gar noch schlimmer, sagt er. Deshalb bleibt er bei seiner rigorosen Haltung: "Ich bekomme darauf viel Resonanz, so 10 bis 15 Mails am Tag, manchmal negative, aber auch sehr viele positive." Die erste Ausnahme steht an So rigoros der 36-Jährige mit seinem Ausschluss vorgeht - ab und an schwankt er doch und  erwägt eine kleine Ausnahme. Denn grundsätzlich habe ja nichts gegen Audi,  habe früher sogar schon für Vorstandsmitglieder privat gearbeitet. "Die waren komischerweise völlig in Ordnung." Jetzt habe er den Brief von den Eltern eines Audi-Ingenieurs auf dem Tisch. Der Mann finde einfach keinen Handwerker für seinen Hausbau. "Sie wollen für ihn bürgen, im Voraus bezahlen und versichern, dass der Sohn nicht auf der Baustelle erscheinen wird, bis alles fertig ist. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen", hofft er. Es sei denn, der Kunde klagt hinterher. "Aber vielleicht riskiere ich es nochmal, sonst hat der Mann echt ein Problem!"

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