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NRW Neues Modell zur Lehrerarbeitszeit in NRW

Der lange Weg zur Gerechtigkeit

VON BERNHARD HÄNEL
11.02.2010 | Stand 11.02.2010, 11:36 Uhr

Düsseldorf/Minden. In NRW soll die Arbeitszeit der Lehrer gerechter aufgeteilt werden. Dazu hat das Schulministerium ein "Jahresarbeitszeitmodell NRW" vorbereitet, das dieser Zeitung vorliegt. Ziel ist es, die höchst unterschiedliche Arbeitsbelastung vornehmlich von Lehrern mit oder ohne Korrekturfächer auszugleichen. Noch ist nicht entschieden, ob das Konzept zunächst weiter erprobt oder per Erlass verbindlich eingeführt wird. Die dafür notwendige Anhörung der Verbände im Landtag ist bislang noch nicht terminiert.

Seit beinahe 15 Jahren haben sich verschiedene Landesregierungen vergeblich bemüht, die durch verschiedene Gutachten nachgewiesene unterschiedliche Arbeitsbelastung der Pädagogen gerecht aufzuteilen. Der neue Anlauf der schwarz-gelben Koalition basiert auf dem sogenannten Mindener Modell, das am dortigen Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg entwickelt und von mehreren Schulen komplett oder abgewandelt übernommen wurde.

Grundlage der Berechnungen ist ein "Jahresarbeitszeitkonto" von 1.804 Zeitstunden für Vollzeitkräfte an Gymnasien. Je nach Fach, Schuljahr, unterrichteten Klassen, Grund- oder Leistungskursen wird ein Faktor zur Errechnung der Jahresarbeitszeit in Stunden vorgegeben. So wird etwa eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch in Klasse 5 wegen der Korrekturbelastungen mit dem Faktor 1,5 multipliziert, während die Sportstunde in derselben Klasse mit Faktor 1,25, die Kunststunde mit dem Faktor 1,3 bewertet wird.

Entsprechend werden dem Deutschlehrer für 38 Wochen Schulzeit pro Jahr 57 Stunden, dem Sportlehrer 47,5 und dem Kunstlehrer 49,4 Stunden auf seinem Jahresarbeitszeitkonto gutgeschrieben. Lehrer mit der Fächerkombination Deutsch und Englisch, die wegen der zwangsläufig anfallenden Korrekturen am stärksten belastet werden, unterrichten nach dem NRW-Modell statt bisher 25,5 nur noch 21 Stunden pro Woche, bei der zeitlich etwas weniger belastenden Fächerkombination Mathematik/Physik 22 und Lehrer mit Fächerkombinationen wie Religion/Kunst oder Sport/Erdkunde 27 Wochenstunden.

Die Gesamtarbeitszeit der Lehrer wird nach Unterrichts- und "Systemzeit" unterschieden. Unterricht, Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen umfassen, auf die jeweilige Schule bezogen, 75 Prozent der Jahresarbeitszeit. Auf die sogenannten Systemzeiten – dazu gehören Klassenleitungen, Fortbildungen, Konferenzen oder Klassenfahrten –  entfallen 25 Prozent der jährlichen Arbeitszeit aller an einer Schule unterrichtenden Lehrkräfte.

Die Vereinigung der Korrekturfachlehrer begrüßt das Modell, die Lehrergewerkschaften sehen es als reines Arbeitszeit-Verrechnungsmodell. Sie fordern unter anderem, dass bei zusätzlichen Aufgabenzuweisungen auch durch zusätzliche Lehrerstellen nachjustiert werden müsse. Der Philologenverband verabredete mit dem CDU-Bildungsexperten Klaus Kaiser die Ausarbeitung eines eigenen Arbeitszeitmodells.

Udo Beckmann, Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), sieht ein weiteres Problem. Die wachsende Zahl von Ganztagsschulen erfordere die Bereitstellung angemessener Lehrerarbeitsplätze in den Schulen. Die Nutzung leerer Klassenzimmer wäre eine Zumutung. "Der VBE fordert die Landesregierung auf, Arbeitsplätze an Ganztagsschulen zur Norm zu machen, nicht länger mit der Lehrergesundheit zu spielen und Vorteile für die pädagogische Schulentwicklung nicht zu verschenken", sagte Beckmann.