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Geht ein Energieversorger pleite, erhalten die Verbraucher dennoch weiter Strom und Gas.   - © picture alliance/dpa
Geht ein Energieversorger pleite, erhalten die Verbraucher dennoch weiter Strom und Gas.   | © picture alliance/dpa

Energie Strom vom Energiediscounter - günstig, aber nicht immer ohne Risiko

Grundsätzlich gebe es „keine dauerhaft günstigen Tarife", sagt Verivox-Managerin Ginzel

Claus Haffert
05.02.2019 | Stand 05.02.2019, 18:59 Uhr

Essen (dpa). Der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters ist finanziell attraktiv - einige Hundert Euro kann eine Familie im Jahr sparen, wenn sie sich von einem Energiediscounter statt von Stadtwerken oder anderen etablierten Stromversorgern beliefern lässt. Doch so ein Wechsel ist nicht immer risikolos. Das mussten jetzt die rund 500.000 Kunden des Billiganbieters Bayerische Energieversorgung (BEV) erfahren, der in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet hat. Sie bekommen zwar weiter Strom und Gas geliefert, aber nicht mehr zu den günstigen BEV-Konditionen sondern zu den höheren Preisen ihres örtlichen Grundversorgers, der in solchen Fällen einspringen muss. Noch nicht ausgezahlte Boni, mit denen BEV Kunden angelockt hat, könnten verloren sein. Die Pleite ist nur das jüngste Beispiel unter den Billigstromanbietern Die BEV-Insolvenz hat eine Diskussion darüber ausgelöst, ob den Billiganbietern nicht genauer auf die Finger geschaut werden müsse, und wer das tun sollte. Denn die Pleite ist nur das jüngste Beispiel unter den Billigstromanbietern. Im Jahr 2017 hatte es etwa den Anbieter Care Energy aus Hamburg erwischt. Schon etwas länger zurück liegen die Insolvenzen von Flexstrom und Teldafax mit jeweils mehreren 100.000 betroffenen Kunden. Nach der BEV-Insolvenz sind die Vergleichsportale in die Kritik geraten. „Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten", hat Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, gefordert. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Portale „mit großer Sorgfalt und Transparenz informieren". Vergleichsportale sind nicht so unabhängig, wie sie vorgeben Die Vergleichsportale Verivox und Check.24 spielen auf dem Strommarkt eine immer wichtigere Rolle. „Fast jeder vierte Energieversorgungsvertrag von Haushaltskunden wird inzwischen über ein Vergleichsportal vermittelt", stellte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, vergangenes Jahr fest. Alleine kann sich ein Stromkunde kaum einen Überblick über die Angebotsvielfalt verschaffen, denn im Durchschnitt kann jeder Haushalt unter 124 Anbietern wählen, wie die Bundesnetzagentur errechnet hat. Die Portale bekommen für die Vermittlung neuer Kunden Provisionen von den Lieferanten. Deren Höhe habe aber keinen Einfluss auf das Ranking der Angebote, versichern sie. Verivox und Co. sehen ihre Rolle auch nicht als Kontrolleure der Stromlieferanten. „Wir sind als Vergleichsportal nicht die Wächter des Marktes, sondern können den Markt nur transparent widerspiegeln", sagte Verivox-Managerin Dagmar Ginzel. Ähnlich argumentiert Check24. „Wir haben keine umfassende Einsicht in die finanzielle Situation von Energieanbietern", teilte ein Sprecher mit. Kritik an der Bundesnetzagentur Es sei Aufgabe der Bundesnetzagentur, „eine möglichst sichere, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung mit Strom und Gas sicherzustellen", betonte Ginzel. Im Fall BEV wie bei früheren Anbieterinsolvenzen zeige sich aber, dass die Behörde „eher zu spät als zu früh eingreift". Was die Bonner Behörde anders sieht: In alle Fällen seien „stets die jeweils erforderlichen Aufsichtsmaßnahmen eingeleitet" worden, erklärte sie. Die Bundesnetzagentur wirbt dafür, den Wettbewerb zwischen den Anbietern zu nutzen, um sich gegen steigende Strompreise zu wappnen. Viele Haushaltskunden tun das. Fast 4,7 Millionen von ihnen haben im Jahr 2017 ihren Stromlieferanten gewechselt. Die Zahlen stagnierten im Vergleich zum Vorjahr, was Netzagentur-Chef Jochen Homann für „unverständlich" hält. Die Zahl der Profiwechsler steigt Unter denen, die einen neuen Stromanbieter suchen, sind aber immer mehr Profiwechsler, „die jedes Jahr eine neues günstiges Angebot finden", wie Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet hat. Die Billiganbieter geraten damit von zwei Seiten unter Druck. Weniger Kunden bleiben ihnen auch nach Auslaufen der Lockvogelangebote treu. Zugleich steigen ihre Beschaffungskosten. Denn der Preis an der Strombörse, wo sich viele Discounter kurzfristig eindecken, ist nach Zahlen der Bundesnetzagentur seit Anfang 2018 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Im Endeffekt, da sind sich Vergleichsportale und Netzagentur einig, muss der Verbraucher selbst aufpassen. Grundsätzlich gebe es „keine dauerhaft günstigen Tarife", betonte Verivox-Managerin Ginzel. „Ob ein Unternehmen über das erste Vertragsjahr hinaus dauerhaft günstige Tarife anbieten kann, ist ein Blick in die Glaskugel", hieß es bei Check.24. Und ein Sprecher der Netzagentur sagte: „Generell empfehlen wir Verbrauchern, auffallend günstige Angebote genau zu prüfen und sich der möglichen Risiken bewusst zu sein."

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