Weder das Magazin Compact noch die AfD machen einen Hehl aus ihrer Verbindung zueinander. - © picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Weder das Magazin Compact noch die AfD machen einen Hehl aus ihrer Verbindung zueinander. | © picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Bielefeld Rewe wegen Auslage des rechten Magazins Compact in der Kritik

Die Supermarktkette bezieht sich auf die Pressefreiheit, die nunmal für alle Bereiche gelte

Bielefeld. Die Supermarktkette Rewe steht wegen ihres Zeitschriftenangebots in der Kritik. Ein Twitternutzer bemerkte beim Einkauf in einem der Märkte, dass dort das Compact-Magazin erhältlich ist, das dem Rechtspopulismus zugeordnet wird. Dabei hat das Unternehmen laut Pressesprecher Thomas Bonrath selbst keinen Einfluss auf die Bestückung der Regale: "Und auch kein Rewemarkt-Verantwortlicher." Denn Rewe stellt dem sogenannten Grossisten lediglich die Regalmeter zur Verfügung. Was ist ein Grossist? Der Grossist, so nennt man den Unternehmer im Pressegroßhandel, ist die Schnittstelle zwischen den Verlagen und den Einzelhändlern. Im Schnitt beliefert ein Grossist 1.800 Verkaufsstellen. In Deutschland gilt dafür ein spezielles Vertriebssystem, dass dem jeweiligen Unternehmer ein bestimmtes Gebiet zuteilt. Die Wahl welchen Grossisten ein Unternehmen wie Rewe nimmt, gibt es also nicht. Davon gibt es in der Bundesrepublik 79. Sie werden von 66 Grossisten beliefert. Der Gesetzgeber erwartet vom Grossisten die Gewährleistung von Pressefreiheit und - vielfalt. Das heißt: Er soll neutral sein und sicherstellen, dass möglichst viele verschiedene Presseerzeugnisse zu möglichst jeder Zeit überall erhältlich sind. Pressefreiheit - egal ob links oder rechts "Das basiert auf den Erfahrungen vom zweiten Weltkrieg und der Nazizeit, in der die Pressefreiheit eingeschränkt war. Heute soll jede Form von Presseveröffentlichungen zur Verfügung stehen - egal ob politisch links oder rechts", so Bonrath. Sagen Sie mal, @REWE_Supermarkt, warum verkaufen Sie rechtsextreme Propaganda in Ihren Läden? Eine Beantwortung noch 2018 wäre gut, damit Demokratie und Rechtsstaat bevorzugende Konsumenten 2019 ihr Einkaufsverhalten entsprechend umstellen können. pic.twitter.com/WF0Zlm30wo — jensbest (@jensbest) 29. Dezember 2018 Twitter-Nutzer können die Haltung von Rewe dazu nicht verstehen und rufen zum Boykott der Supermarktkette auf. Ihrer Meinung nach könne der Konzern sehr wohl auf den Verkauf der Zeitschrift verzichten. Ein Nutzer kritisiert die Haltung Rewes, keinen Einfluss auf das Sortiment zu haben und stellt dem widerrum einen Artikel entgegen, die Personen in Doppelfunktionen darstellen. "Rewe nimmt an Treffen teil, bei denen Grosso, VDZ, EH an einem Tisch sitzen. Und der Leiter des Bereichs EH-Services im Bundesverband Presse-Grosso e.V. - Norbert Wallrafen - verantwortet das Rewe Vollsortiment. Kein Einfluss?", fragt ein Nutzer. Das bestreitet das Unternehmen. Selbst wenn Rewe die Bestückung nicht gefiele, könne das Unternehmen nicht eingreifen. Denn das erwirtschaftete Geld aus dem Verkauf der Zeitungen und Zeitschriften fließt nicht etwa in die Rewe-Kasse, sondern in die des Grossisten. "Und daher entscheidet er die Bestückung der Regale auch danach, dass das Geschäft für ihn opportun ist", erklärt der Rewe-Sprecher. Nur wenige Reaktionen darauf Wo genau in Deutschland die Grossisten das Magazin Compact auslegen, kann Bonrath nicht beantworten. Dass Rewe keinen Einfluss darauf hat, versucht er auch den Kunden zu erklären, die sich empört bei dem Kundendienst melden. "Es haben sich bislang nur wenige gemeldet. Aber die meisten von ihnen verstehen das auch." Bei Twitter wurde der Originalpost bereitsmehr als 200  Mal kommentiert. Das Compact Magazin ist eine monatlich erscheinende politische Zeitschrift. Es wird als "Querfront-Magazin" bezeichnet und dem rechten politischen Rand zugeordnet. Laut der Redaktion sieht sich das Magazin als Gegenpol zu der angeblich freiwillig "gleichgeschalteten" Medienlandschaft der Lügenpresse. Als Grunde für diese Gleichschaltung sehen die Macher von Compact die angebliche Hegemonie der USA in Europa und die ebenfalls angeblich fehlende Souveränität Deutschlands als unabhängiger Staat. Das Magazin Compact und seine Nähe zur AfD Bekannt wurde das Magazin seitdem es von dessen Chefredakteur Jürgen Elsässer auf den Parteitagen der AfD verteilt wurde. Seit 2015 ist es zudem offiziell nach einem Entschluss Elsässers das Parteiblatt der AfD und wirbt als solches regelmäßig für deren Politiker und Positionen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2016 machte Elsässer seine Nähe zu AfD deutlich, indem er zunächst eine Live-Konferenz mit dem AfD-Spitzenkandidaten veranstaltete auf der er sich mit dessen Zielen und Darstellungen identifizierte. Er stellte fest, dass sein Magazin die Stimme der angeblich schweigenden Mehrheit sei und die AfD die dazugehörige Partei.

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