Das schmelzende Eis an den Polen ist einer der Hinweise auf die Erderwärmung. - © picture alliance / Paul Goldstein/Cover Images
Das schmelzende Eis an den Polen ist einer der Hinweise auf die Erderwärmung. | © picture alliance / Paul Goldstein/Cover Images

Umwelt Klimawandel: Warum fällt es uns so schwer, Verantwortung für morgen zu übernehmen?

Leandra Kubiak

Bielefeld. Seit dem 19. Jahrhundert habe sich die Erde bereits durchschnittlich um 1,1 Grad erwärmt, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Was zunächst wenig klingt, hat weitreichende Folgen: Das Eis an den Polen schmilzt, der Meeresspiegel steigt, Naturkatastrophen nehmen zu. Die zunehmenden Treibhausgase behindern die Abstrahlung der Wärme ins All - das erkläre die globale Erwärmung. Und die sei in diesem Ausmaß auch schon vor über 40 Jahren vorhergesagt worden, sagt Rahmstorf. Darüber, dass der Klimawandel menschengemacht ist, ist sich die große Mehrheit der Klimaforscher einig. Die Bemühungen der Politik, diesen Prozess aufzuhalten, laufen eher schleppend. Das 2015 verabschiedete Pariser Klimaabkommen hat zwar das Ziel, die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten - allerdings sind die meisten Nationen längst nicht auf Kurs. Deutschland wird sein Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu drücken, ohne radikale Maßnahmen nicht erreichen. Schon 1979 hat sich der Philosoph Hans Jonas in seinem Werk "Das Prinzip Verantwortung" für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Erde stark gemacht. Angelehnt an Kants kategorischen Imperativ hat Jonas einen "ökologischen Imperativ" formuliert, der noch heute als bedeutsam gilt: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden." Wir vergleichen uns mit anderen, die es noch schlechter machen Warum fällt es uns aber offenbar so schwer, unser Handeln zu ändern und Verantwortung für die Zukunft unserer Erde zu übernehmen? "Alles, was nah an uns dran ist, uns unmittelbar betrifft, können wir uns einfacher vorstellen", sagt Dr. Jens Hellmann, Psychologe der Universität Münster. Wenn wir wissen, wie das Wetter morgen wird, können wir uns entsprechend darauf vorbereiten. Den meisten Menschen falle es aber schwer, sich vorzustellen, was das veränderte Klima in 30 Jahren konkret für sie bedeute. Verschiedene kognitive Mechanismen würden uns außerdem dabei helfen, uns nicht schlecht zu fühlen, weil wir beispielsweise nicht nachhaltig leben, erklärt der Wissenschaftler. Ein Mechanismus wäre zum Beispiel, sich mit anderen zu vergleichen und zu dem Schluss zu kommen, dass die sich in dieser Hinsicht noch schlechter verhalten. Das funktioniere auch auf globaler Ebene. Da würde man dann zum Beispiel auf China schauen und sich vor Augen führen, dass unsere Umwelt-Bilanz im Vergleich ja gar nicht so schlecht aussehe. Auch für gute Vorsätze, wie zum Beispiel, das Auto stehen zu lassen, würde man sich schnell Argumente einfallen lassen, die dagegen sprechen und sich so wieder aus der Verantwortung stehlen, erklärt Hellmann. Politik sollte deutlich machen, was der Klimawandel bedeutet In Bezug auf den Klimawandel hält Hellmann es deshalb seitens der Politik, aber beispielsweise auch der Medien für besonders wichtig, ganz konkret und verständlich aufzuzeigen, was der Klimawandel für jeden Einzelnen und die eigenen Nachkommen bedeuten könnte. Auch konkrete Handlungsvorschläge, was man tun kann, um im Sinne der Umwelt zu handeln, seien wichtig. Als Chancen, künftig bewusster mit unserer Umwelt umzugehen, sieht Jessica Harmening, Doktorandin der Philosophie an der Universität Paderborn, Ansätze der Tier- und der Lebensmittel-Ethik. Ein geringerer Fleischkonsum, der weniger Massentierhaltung, einen geringeren Bedarf an Tierfuttermitteln und weniger Transporte mit sich bringen würde, würde der Umwelt beispielsweise guttun. Auch ein bewussterer Umgang damit, was wir überhaupt essen, könnte zu einer nachhaltigeren und regionaleren Ernährungen führen. Diese Tendenzen zeichnen sich bereits ab. Mit Informationen der dpa.

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