0
Einmal New York und zurück: Sebastian Borek ist CEO der Founders Foundation. Er entwickelt und begleitet Start-up-Unternehmen. „Vielleicht mache ich das deshalb so gern, weil ich nie einen beruflichen Mentor hatte", sagt er. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern wohnt er in Bielefeld.  - © Founders Foundation
Einmal New York und zurück: Sebastian Borek ist CEO der Founders Foundation. Er entwickelt und begleitet Start-up-Unternehmen. „Vielleicht mache ich das deshalb so gern, weil ich nie einen beruflichen Mentor hatte", sagt er. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern wohnt er in Bielefeld.  | © Founders Foundation

Porträt Sebastian Borek: „Deutsche sind Weltmeister der Gemütlichkeit“

Sebastian Borek ist Chef der Founders Foundation. Er lebte einige Jahre in New York und war „schon mit einem Bein Amerikaner“. Er erklärt, was wir vom Gründungsspirit des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten lernen können.

Monika Dütmeyer
03.02.2020 | Stand 03.02.2020, 17:38 Uhr

Hits wie „Beat it" dröhnen aus den Kopfhörern der ultramodernen Walkmans. Pfälzer Saumagen wird als Leibgericht des Neu-Kanzlers bald bundesweit bekannt sein. Und der Sohn einer traditionsreichen Unternehmerfamilie aus Braunschweig soll als Vertreter der siebten Generation ein Internat besuchen. Am Bodensee, rund 600 Kilometer weit weg, liegt die weiterführende Schule. Nach anfänglicher Skepsis entdeckt der Zehnjährige Mitte der achtziger Jahre dort ein Fleckchen Erde, das ihn überzeugt.

„Dort gab es einen Hüttenbauplatz. Etwas aufzubauen, macht mir Spaß", sagt Sebastian Borek, der sich mit den Hashtags #Passion, #Ideas und #Makethingshappen beschreibt. Er grüßt wie Barack Obama lässig via „Ghettofaust" und stellt sofort klar, dass man Sebastian und „du" sagen darf. Junge Unternehmen aufzubauen, so genannte Start-ups, ist als Kopf der Founders Foundation heute sein Vollzeit-Job. Sein Unternehmergeist ist quasi genetisch, ins Leere zu arbeiten, sei er als ältestes von sieben Geschwistern gewohnt. Und dass innovative Start-up-Unternehmer auch mal für verrückt erklärt werden, beeindruckt ihn nicht. Schließlich ging es ihm selbst so, als er seine beruflichen Pläne für die Zeit nach dem Abi vorstellte.

Sebastian trinkt Ende der 1990er Jahre doch viele Jägermeister

Er wollte die Freiheitsstatue mit eigenen Augen sehen. In der Stadt, die niemals schläft. „Für mich war New York die Plattform für Inspiration und Kreativität. Deshalb wollte ich unbedingt dort hin." Das vorläufige Ergebnis seiner Verhandlungen: Wenn er dort einen Job vorweisen kann, machen seine Eltern das Geld für den Flug locker.

Einige Briefe und Telefonate später trinkt Sebastian Ende der 1990er Jahre viele Jägermeister – damals das Kult-Getränk in New York. „Ich hatte tatsächlich ein Praktikum bekommen." Frei nach dem Motto „Ein Internatsschüler kennt keinen Platzmangel" lebt er in einem Mini-Zimmer mit einem Bett, was unter der Decke hängt, in Manhattan. Trifft viele Leute. Darunter Musiker, mit denen er als Schlagzeuger zusammenspielt. „Für ein paar Dollar kann man einen ausgestatteten Proberaum mieten." Für ihn ein Beispiel für vorbildliche Infrastruktur, die Talent buchstäblich Raum gibt. „Diese Stadt gibt jedem eine Chance, der wirklich will." Sebastian ergreift in New York sogar die Chance zu studieren – obwohl er das eigentlich nicht wollte.

„Ich war total im Arbeitsmodus, wollte Geld verdienen und unabhängig sein." Doch immer wieder hört er von einer „Schule ohne Mauern"; der Gallatin School der New York University. „Das war ein Studium wie eine Lieblingspizza. Was man mag, konnte man belegen." Hier trifft er „geniale Typen", die sich beispielsweise für die Kombi aus Programmieren und Operngesang entschieden hatten. Sebastian studiert „Interaktive Telekommunikation". Und fängt Feuer für etwas, wofür er bis heute brennt.

„Ich arbeitete während des Studiums als Freelancer in vielen Start-ups." Zum Beispiel lernt er dafür die sperrige Programmiersprache HTML; zu groß ist seine Leidenschaft, ein Business an den Start zu bringen. Insgesamt sechs Projekte entwickelt er in dieser Zeit. Das Spektrum reicht von Seifen aus Marokko über eine Online-Auktion für Kunst bis zu einem Online Event Planer, den es bis heute gibt. „Für einige Ideen war die Zeit noch nicht reif", sagt er und lacht. Aber statt es als Scheitern zu werten, verbucht ein Amerikaner so etwas als wertvolle Erfahrung. Und das ist nicht der einzige Unterschied beim Spirit.

„Das haben wir immer so gemacht" – dieser Satz ist ihm ein Graus

„In Amerika erfahren junge Gründer eine hohe Wertschätzung dafür, dass sie sich etwas trauen. Von Familie, Freunden und der Gesellschaft." Dass es normal ist, dass nicht immer alles auf Anhieb klappt, unterstreicht die Kalkulation von Investoren. „Wagniskapitalgeber rechnen damit, dass 30 Prozent ihrer Invests funktionieren." Sebastian hat selbst die Erfahrung gemacht, „dass die Menschen eher die Chancen sehen, statt sich in Ängsten zu verlieren". Auch die Geschichte spielt eine Rolle. „Amerika hat nicht so eine lange Tradition. Ich glaube, deshalb sind die Menschen freier, neue Dinge zu tun." Ein typisch deutscher Satz, bei dem er sich „vor Graus schütteln muss", lautet: Das haben wir immer so gemacht! „Wir Deutsche sind Weltmeister der Gemütlichkeit." Trotzdem ist Sebastian nach sechs Jahren ins Land der Gemütlichkeit zurückgekehrt.

Er hat beruflich in Hamburg zu tun. „Mal wieder ein ordentliches Brot zu essen, war ein Genuss", sagt der passionierte Hobbykoch. Dazu kommen familiäre Gründe. Der Gedanke, dass seine Kinder vielleicht nie mit den Großeltern in derselben Muttersprache reden können, beschäftigt ihn. Und der 11. September 2001 spielt ebenfalls eine Rolle. „Der Terror hat vieles verändert." Mit nach Hause genommen hat er eine große Mission, die er 2011 zunächst im Familienunternehmen Borek Media umsetzt: Er macht den Betrieb mit rund 300 Mitarbeitern fit für die digitale Transformation. Und eigentlich könnte man meinen, Sebastian sei mit Ende Dreißig wieder zu Hause angekommen. Aber das Bewahren ist unternehmerisch gesehen nicht sein Ding.

Dabei sein, wenn neue Möglichkeiten entstehen

„Ich bin im Neu statt im Alt zu Hause." Er folgt seiner Leidenschaft und setzt seine Mission schließlich mit der Founders Foundation fort. Sein Ziel: Aufbau einer Kaderschmiede für Startup-Unternehmer und Entwicklung eines flächendeckenden Ecosystems. „Die digitale Welt dreht sich extrem schnell." Konzerne wie Facebook, Google und Apple machen es vor. Sie reformieren mit ihren innovativen Geschäftsmodellen ganze Branchen, erfinden neue Welten. Wer nicht Schritt hält, gerät ins Hintertreffen. Jetzt geht es darum, dabei zu sein, wenn neue Möglichkeiten entstehen, und nicht nur zuzusehen, wie Etabliertes verschwindet.

„Wir haben mit der Digitalisierung eine ähnlich große Aufgabe zu bewältigen, wie Greenpeace mit dem Klimawandel." Die Geschäftsführung des elterlichen Betriebes hat übrigens sein jüngster Bruder übernommen, erzählt Sebastian. Legt dabei die rechte Hand auf die Brust. „In mir schlagen weiter zwei Herzen. Ich gebe alles für die Start-ups und die Wettbewerbsfähigkeit von traditionsreichen Unternehmen."

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
Newsletter abonnieren

NW Newsletter - die wichtigsten News

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

© Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co. KG