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Zahlreiche Rückmeldungen haben wir zu unserem Instagram-Post zur Bundestagswahl erhalten. Eine der drei Fragen, die wir ausgewählt haben beschäftigt sich mit der Situation in Kitas. - © Symbolbild Pixabay/Montage NW
Zahlreiche Rückmeldungen haben wir zu unserem Instagram-Post zur Bundestagswahl erhalten. Eine der drei Fragen, die wir ausgewählt haben beschäftigt sich mit der Situation in Kitas. | © Symbolbild Pixabay/Montage NW

Politik Wahl-Countdown: Instagram-User beunruhigt Personalsituation in Kitas

Wie soll der Fachkräftemangel behoben werden? Wir liefern Antworten auf Basis der Informationen von Parteien und Spitzenkandidaten.

Talin Dilsizyan
08.09.2021 | Stand 08.09.2021, 17:28 Uhr

Bielefeld. Es sind weniger als drei Wochen bis zum Wahlsonntag. Das erste Triell hat stattgefunden. Aber viele Themen, die Wähler beschäftigen, sind von Parteien und Spitzenkandidaten teils nur kurz skizziert oder gar nicht angesprochen worden. "Welche Frage zur künftigen Politik beschäftigt Euch am meisten?" Zahlreiche Rückmeldungen haben wir dazu auf dem NW-Instagram-Kanal @nw.de erhalten. Hier stellen wir die Lösungsvorschläge der Parteien vor, die eine Verbesserung der Personallage an Kindertagesstätten herbeiführen sollen.

"Wie soll dem Personalmangel in Kitas entgegengewirkt werden?"

CDU/CSU
Die CDU betont das Recht von Eltern und Kindern "auf eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die verlässlich und dem Bedarf angemessen ist". Sie will laut ihres Wahlprogramms "den Kita-Ausbau und die Weiterentwicklung der Qualität auch über 2022 hinaus weiter fördern." Teil des Koalitionsvertrags mit der SPD war es "die bestmögliche Betreuung für unsere Kinder und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf" sicherzustellen und jährlich laufende Mittel bereitzustellen.

Dem "Gute-Kita-Gesetz" entsprechend bekommen die Länder bis 2022 insgesamt 5,5 Milliarden Euro, um "die Qualität der Kitas zu verbessern und die Kita-Gebühren zu senken oder abzuschaffen". Aussagen des Verbandes Bildung und Erziehung zufolge hat sich der Personalmangel im vergangenen Jahr allerdings verschärft. Die bisherigen Maßnahmen werden als nicht ausreichend betrachtet.

SPD
Die SPD sieht es als ihren Verdienst an, dass in der Großen Koalition "mehr Geld für den Kita-Ausbau" zur Verfügung gestellt wurde. Explizit wird in ihrem "Zukunftsprogramm" der Personalmangel bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen angesprochen. "Mit gezielten Impulsen zur Fachkräftesicherung werden wir die Länder beim weiteren Ausbau von Kitas, Ganztagsbetreuung an Schulen und Jugendeinrichtungen unterstützen."

Ziel sei es, "die Zahl der Nachwuchskräfte in den erzieherischen Berufen bis 2030 bundesweit zu verdoppeln". Dies soll über "eine attraktive, vergütete und schulgeldfreie Ausbildung", "mehr Ausbildungskapazitäten an Fachschulen und in den Studiengängen zur sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik", "mehr Karriereoptionen für die Fachkräfte" gelingen. Ferner strebe man "Beschäftigungsverhältnisse an, die eine eigenständige Existenzsicherung ermöglichen".

Grüne
Die Grünen wollen "KiTas und Schulen, in die Kinder und Jugendliche, aber auch Erzieher*innen und Lehrer*innen gleichermaßen gerne gehen". Es sollen in diesem Bereich "die meisten Ressourcen fließen". Die Investitionen werden "deutlich" für Kitas und Primarbereich erhöht. Die Personalsituation in Kitas soll durch "Mindeststandards" gewährleistet werden. "Erzieher*innen und andere pädagogische Fachkräfte sollen sich um höchstens vier unter Dreijährige oder neun Kinder ab drei Jahren gleichzeitig kümmern".

Eine "wirkungsvolle Fachkräfteoffensive" soll für "faire Ausbildungsvergütungen, Weiterentwicklungsmöglichkeiten und gute Arbeitsbedingungen sorgen". Ferner sehen die Grünen vor, dass mehr Quereinsteiger gewonnen werden, um den "Mangel an pädagogischen Fach- und Lehrkräften zu bewältigen. Ein "Bund-Länder-Programm" soll eine "hochwertige Quereinstiegsbildung fördern, bestehende Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote stärken und gemeinsame Qualitätsstandards sichern".

FDP
Die Liberalen wollen "die Attraktivität des Erzieherberufs stärken". Die Ausbildung zur Fachkraft im Bereich der frühkindlichen Bildung solle "bundesweit nicht nur schulgeldfrei" erfolgen, sondern auch vergütet werden. Die Qualität an Schulen und Kitas will die FDP über ein Drei-Säulen-Modell bei der Finanzierung sicherstellen: "ein Sockelbetrag entsprechend der Größe der Einrichtung, Bildungsgutscheine, die pro Kind einen Zuschuss gewähren, und ein „German Dream"-Zuschuss für Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status".

Linke
Die Linke fordert, dass der Bund, "mehr Geld" zur Verfügung stellt, damit die Qualität von Kindertagesstätten gesichert werden kann und mehr Kitaplätze geschaffen werden. Ein "Kitaqualitätsgesetz" sei notwendig, "dass die Belange der Kinder und der Beschäftigten in den Mittelpunkt rückt". Festgelegt sein soll darin ein "bundesweit einheitlicher Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten von mindestens eine*r anwesenden Erzieher*in auf maximal drei Kinder im Alter bis zu drei Jahren und mindestens eine*r Erzieher*in auf maximal acht Kinder ab drei Jahren" geben. Auch, dass es "mehr Erzieherinnen für eine gute Bildung, Erziehung und Betreuung gibt".

Damit mehr Personal zur Verfügung steht, solle der Betreuungsschlüssel "an Personalstärke und Zeitkontingent angepasst werden". Die Ausbildung in der frühkindlichen Bildung soll "auf Hochschulniveau" angehoben werden - aber auch Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung sollen die Möglichkeit haben, Erzieher zu werden. "Für die derzeitige Ausbildung zur Erzieher*in wollen wir eine Vergütung und die Abschaffung des Schulgeldes, um den Beruf attraktiver zu machen." Die Linke sieht vor, dass Beschäftigte in der Kindertagespflege sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Sie sollen "aus prekären Beschäftigungslagen herausgeholt werden".

AfD
Die Frage des Personalmangels an Kitas wird im Programm der AfD nicht behandelt. Es findet sich aber die Forderung, dass "Betriebskindergärten stärker als bisher" gefördert werden sollen. Dadurch werde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfacht, Fahrtwege reduziert. Im Bezug zum "Gute-Kita-Gesetz", das von der damaligen Familienministerin Franziska Giffey auf den Weg gebracht wurde, hatte die AfD 2018 kritisiert, dass Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen wollten, vernachlässigt würden.

Information
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