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Anthony Aristodemou fühlt sich in seinem Alltag regelmäßig von Fahrradfahrern genötigt. - © Anthea Moschner
Anthony Aristodemou fühlt sich in seinem Alltag regelmäßig von Fahrradfahrern genötigt. | © Anthea Moschner

Löhne Löhner Rollstuhlfahrer ist genervt von rücksichtslosen Fahrradfahrern

Anthony Aristodemou gerät immer wieder mit Fahrradfahrern aneinander, die ihn schnell überholen. Besonders schlimm sollen E-Bikes sein. Ein Experte erklärt, warum Radfahrer sich so verhalten.

Anthea Moschner
13.07.2019 | Stand 12.07.2019, 21:48 Uhr

Löhne. E-Bikes werden immer beliebter. Sie sind schnell und erlauben es auch Personen, die in ihrer Kraft beeinträchtigt sind, die Freuden des Radfahrens zu genießen. Dem Löhner Anthony Aristodemou sind sie allerdings ein Dorn im Auge - natürlich nicht alle, aber viele. Denn immer wieder fühlt sich der Rollstuhlfahrer in seinem Alltag von Radlern, oft vor allem von E-Bike-Nutzern, bedrängt. "Sie sind teilweise sehr rücksichtslos", findet Aristodemou, der seit einem Autounfall vor 30 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. Besonders genötigt fühle er sich, wenn die Radler extrem dicht und mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeirasen. "Diese anderthalb Meter Abstand, die Radfahrer immer einfordern, die hätte ich auch gerne." Noch ernster wird die Situation für den Löhner zudem durch ein zusätzliches Problem. "Dazu kommt noch, dass ich den Lenker dann auf Kopfhöhe habe. Da geht es nicht um Spaß." Situation durch E-Bikes noch verschlimmert Seitdem E-Bikes im Trend seien, habe sich das Ganze noch verschlimmert. Aristodemou ist der Meinung, dass manche E-Bike-Nutzer mit der Schnelligkeit der motorisierten Räder überhaupt nicht umgehen können. "Durch die Geschwindigkeit wird es dann noch gefährlicher." Georg Hofemann, Löhner Ortsgruppensprecher des ADFC, sagt: "Pedelec-Fahrer fahren schneller, weil es eben leichter geht." Dabei, wie gut andere Verkehrsteilnehmer mitbekommen, dass sich ein Radler von hinten nähert, gebe es zwischen gewöhnlichen Fahrrädern und E-Bikes aber keine großen Unterschiede. Denn Anthony Aristodemou ärgert vor allem, dass sich viele Radfahrer zudem nicht bemerkbar machen, bevor sie ihn überholen. "Sie kommen von hinten angerast und klingeln meist gar nicht", sagt der 64-Jährige. Er erschrecke sich dabei immer wieder. "Sie können doch nicht einschätzen, ob ich mich gerade umdrehen oder den Arm ausstrecken möchte." Und auch die Radfahrer, die mit ihrer Fahrradklingel auf sich aufmerksam machen würden, täten dies meistens erst unmittelbar, bevor sie schon an ihm vorbeihuschten. "So schnell kann ich nicht reagieren." Oft ist Unsicherheit bei Radfahrern schuld Georg Hofemann vom ADFC bricht eine Lanze für die Radler. Er glaubt, dass sich viele oft unsicher sind, ob sie klingeln sollten oder nicht. Er selbst stehe auch beim Überholen von Fußgängern oder Joggern öfter vor diesem Problem. "Ich überlege das auch immer von Fall zu Fall neu. Viele erschrecken sich ja auch, wenn man klingelt", sagt er. Laut dem Fahrradexperten sollte man sich - egal, ob man mit dem herkömmlichen Drahtesel oder mit dem E-Bike unterwegs ist - langsam und vorsichtig annähern, wenn man andere Verkehrsteilnehmer überholen möchte. In Fällen, in denen man sich nicht sicher ist, empfiehlt Hofemann: "Besser ein Mal zu viel klingeln als ein Mal zu wenig." "In gegenseitiger Rücksichtnahme unterwegs sein" Wenn Aristodemou die Radfahrer darauf hinweise, dass sie doch klingeln könnten, bekomme er oft nur unfreundliche Antworten und die Vorwürfe zu hören, er würde mitten im Weg fahren, erzählt er. Regelmäßig komme das zum Beispiel auf dem für Radfahrer und Fußgänger zugänglichen, geteerten Feldweg "An der Sporthalle" zwischen der Bergkirchener und der Lübbecker Straße vor, wo der 64-Jährige häufig mit seinem Assistenzhund Max unterwegs ist. "Der Weg ist nicht breit. Egal wo ich fahre, irgendwie bin ich immer in der Mitte", sagt er. Polizeisprecher Uwe Maser weist darauf hin, dass Fußgänger - zu denen auch Rollstuhlfahrer zählen - im Vergleich zu Radfahrern die verkehrsschwächere Gruppe sind. Auf kombinierten Geh- und Radwegen sei es deshalb besonders wichtig, dass Radler ihre Geschwindigkeit verringern und rücksichtsvoll und vorsichtig an den Fußgängern vorbeifahren. "Dazu gehört auch, sich rechtzeitig bemerkbar zu machen." Beide Gruppen sollten immer "in gegenseitiger Rücksichtnahme unterwegs sein", so Maser. Anzahl der Radunfälle hat zugenommen Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern habe zugenommen. Das Problem seien oft allerdings Geisterradler. "Die falsche Benutzung des Radweges ist eines der häufigsten Fehlverhalten bei Radfahrern", sagt Maser. Dadurch entstünden regelmäßig Gefahrensituationen. Fälle, in denen Radler mit Fußgängern aneinander geraten, weil sich diese genötigt fühlen, seien aber kaum polizeilich bekannt. Aristodemou ist der Ansicht, das Problem sei, dass sich nur noch wenige für ihre Mitmenschen interessieren würden. "Die Ellbogen-Mentalität ist stärker geworden und das Miteinander ist schlechter geworden", sagt der Rollstuhlfahrer. Er meint: "Wenn jeder ein bisschen mehr Rücksicht nehmen würde, dann würde auch alles besser laufen."

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