Der bulgarische Sattelzug ist von der Fahrbahn der B54 nahe Münster abgekommen.  - © WDR/Aktuelle Stunde
Der bulgarische Sattelzug ist von der Fahrbahn der B54 nahe Münster abgekommen.  | © WDR/Aktuelle Stunde

Steinfurt Nach Unfall: Trucker muss vier Tage lang neben der Straße im Lkw übernachten

Am Montagabend kam der Fernfahrer von der Straße ab. Seitdem harrt der Mann in dem Fahrzeug aus. Doch Rettung naht

David Knapp
28.03.2019 | Stand 28.03.2019, 18:14 Uhr

Bielefeld/Steinfurt. Seit vier Tagen harrt ein bulgarischer Fernfahrer am Rande der Bundesstraße 54 zwischen Steinfurt und Münster in seinem Truck aus. Laut der Kreispolizei Steinfurt kam der Lkw am Montagabend gegen Mitternacht von der Straße ab. Es handelt sich um einen "Alleinunfall", zu Schaden kam dabei niemand. Auf Bildern ist zu sehen, wie der weiße Lkw im Gebüsch schräg in der Böschung an der Bundesstraße hängt. Von der Straße führt eine Bremsspur die Schräge hinab. Spediteur ist in der Pflicht An dessen Ende steht der Laster nun seit Tagen, weil er aus eigenem Antrieb nicht mehr zurück auf die Straße kommt. "Der Laster stellt keine Gefahr für den Verkehr da", sagt ein Sprecher der Polizei. Deshalb habe die Polizei mit dem Fall im Prinzip nichts mehr zu tun. Die Verantwortung für die Bergung des Fahrzeugs liegt beim zuständigen Spediteur, der in Bulgarien ansässig sein soll. Straßen NRW zufolge sollte die Bergung eigentlich bereits erfolgt sein. Trucker muss sich gedulden Allerdings sei daraus aus ungeklärten Gründen nichts geworden. Möglicherweise gab es Abstimmungsschwierigkeiten. Dem Trucker bleibt aktuell also nichts anderes übrig, als am Straßenrand der B54 zu warten. Denn für die Unterbringung muss die Spedition oder der Fahrer selbst aufkommen. Allerdings ist wohl niemand bereit, die Kosten zu zahlen. Thomas Straub von Straßen NRW sieht allerdings eine nahende Rettung kommen. Am Freitagmorgen um 8 Uhr werde die Fahrbahn in Richtung Steinfurt voll gesperrt. Eine Stunde später soll dann ein Kran anrücken: "So wird der Lkw in die Luft gehoben und auf die Fahrbahn gestellt", erklärt Straub. Dadurch entstünden keine weiteren Flurschäden. Eine Nacht außerhalb des Trucks Für den Fahrer sollte der unbeabsichtigte, mehrtägige Aufenthalt am Rande der Bundesstraße damit ein Ende haben. Der Mann aus Bulgarien habe aber wohl nicht alle Nächte in seinem Fahrerhaus verbracht. "Ich habe mit ihm gesprochen und ihm eine ortsnahe Pension empfohlen, wo er wohl auch geschlafen hat", sagt Straub. So konnte der Fahrer zumindest eine Nacht außerhalb seines Lasters verbringen. Ironie der Geschichte: Eigentlich wollte das EU-Parlament in dieser Woche über ein Maßnahmenpaket abstimmen, das Lkw-Fahrern mehr Rechte einräumen soll. Unter anderem ist darin vorgesehen, dass Trucker ihre Ruhezeit künftig in Hotels verbringen dürfen. Doch die Abstimmung wurde verschoben.

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