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Protest in Berlin: Die Bielefelder Schüler Kilian von Schoenebeck (l.), Kassiopeia Beyer, Chantal Fox, Nadine Görzen, Linus Pahmeser und Simon Erichsen. - © Simon Erichsen
Protest in Berlin: Die Bielefelder Schüler Kilian von Schoenebeck (l.), Kassiopeia Beyer, Chantal Fox, Nadine Görzen, Linus Pahmeser und Simon Erichsen. | © Simon Erichsen

Großdemo in Berlin Bielefelder Schüler im Klimastreik: "Kohleausstieg ist wichtiger als Vokabeln zu pauken"

Tausende junge Leute versammeln sich vor dem Wirtschaftsministerium, um für einen schnellen Abschied von der Kohle zu kämpfen

Matthias Bungeroth
25.01.2019 | Stand 29.01.2019, 18:31 Uhr
Sigrun Müller-Gerbes

Bielefeld/Berlin. Zur womöglich entscheidenden Sitzung der Kohlekommission am Freitag in Berlin haben sich tausende streikende Schüler zu einer großem Demonstration für besseren Klimaschutz versammelt - darunter etliche aus Ostwestfalen-Lippe. Am Mittag hatten sich nach Auskunft des Aktionsnetzwerks "Fridays for Future" bereits 4.500 junge Menschen für den Zug zum Wirtschaftsministerium versammelt. Mitorganisator Simon Erichsen, Schüler am Bielefgelder Oberstufenkolleg, zeigte sich im Gespräch mit nw.de glücklich über die Beteiligung: "Wir haben immerhin zwei Busse aus dem Raum Bielefeld, Osnabrück, Münster und Hannover zusammenbekommen." Statt in der Schule zu sitzen, wolle man in Berlin deutlich machen, "dass der Kohleausstieg für den Klimaschutz endlich vorangehen muss". Für dieses Ziel auf die Straße zu gehen, sei "erheblich sinnvoler, als Englisch-Vokabeln zu büffeln", sagte Erichsen. Manche Schulen reagieren hart Das sähen allerdings nicht alle betroffenen Schulen so, berichtet der Bielefelder: "Manche Schulen machen sehr deutlich, dass die Schulpflicht gilt - und vermerken für die Streikenden unentschudligte Fehlstunden im Zeugnis." In etlichen Großstädten boykottierten wieder Schüler und Studenten ihre Schulen und Universitäten, um Unmut und Sorge über ausbleibende Klimaschutzmaßnahmen zu zeigen. In München waren es rund 3.000, wie die Organisatoren unter Berufung auf die Polizei erklärten. Eine Abordnung der streikenden Schüler traf im Wirtschaftsministerium mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zusammen. Dieses twitterte ein Foto der Zusammenkunft. Minister @peteraltmaier redet mit Schülern, die sich für einen schnellen #Kohleausstieg engagieren. 1000 weitere Schülerinnen und Schüler kommen vor dem Wirtschaftsministerium zusammen. Der Minister wird auch dazustoßen. pic.twitter.com/ieDAurATfi — BMWi Bund (@BMWi_Bund) 25. Januar 2019 Altmaier wollte auch vor das Ministerium kommen, um die dort versammelten Schüler zu treffen. Zudem wollten die Vertreter der jungen Menschen nach eigenen Angaben mit Mitgliedern der Kohlekommission zusammenkommen, die über die Zukunft der klimaschädlichen Kohleverstromung in Deutschland entscheiden soll.Die Schüler wollten einen offenen Brief übergeben, in der sie eindringlich zu einem schnellstmöglichen Kohleausstieg aufrufen. Darin fordern sie die Kohlekommission auf, die "historische einmalige Möglichkeit" für einen Kohleausstieg nicht verstreichen zu lassen. Es werde in Deutschland voraussichtlich keine vergleichbare Chance mehr geben, einen derart weitreichenden Beitrag zum Klimaschutz und damit zur Wahrung der Zukunft künftiger Generationen zu leisten. "Die Geschichte wird sie beurteilen", heißt es in dem Appell an die Kommission. Greta Thunberg (16): "Ich will, dass ihr in Panik geratet" Junge Menschen auf der ganzen Welt streiken derzeit einmal pro Woche für mehr Klimaschutz, inspiriert werden sie von der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg (16).Die trat am Freitag mit einem emotionalen Appell vor Top-Managern und Spitzenpolitikern in Davos auf:  „Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es", sagte die Schwedin  auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums. „Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure  Hoffnung nicht", so Thunberg. „Ich will, dass ihr in Panik  geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre." Inzwischen gibt es bereits hundert Ortsgruppen, die sich auf Greta berufen. An der ersten größeren Schulstreik-Aktion in Bielefeld beteiligten sich vergangene Woche 500 Bielefelder Schülerinnen und Schüler.

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