Die Zeitumstellung macht vielen zu schaffen. Wird sie jetzt abgeschafft? - © pixabay
Die Zeitumstellung macht vielen zu schaffen. Wird sie jetzt abgeschafft? | © pixabay

Bielefeld Für immer Sommer- oder Winterzeit? Das sind die Auswirkungen

Dass die Zeitumstellung abgeschafft werden soll, ist fast beschlossene Sache. Doch ob danach nur Winter- oder Sommerzeit gelten soll, wird diskutiert.

Katharina Thiel
Melissa Petring

Bielefeld. Alle halbe Jahre drehen wir an der Uhr, um sie vor- oder zurückzustellen. Darauf haben viele keine Lust mehr. Das ist in der EU-weiten Umfrage herausgekommen. Die Abstimmung war nicht repräsentativ und auch nicht bindend. Doch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will dem folgen. „Die Menschen wollen das, wir machen das", sagte der Kommissionschef am Freitag im ZDF. Ein Großteil will, dass die Sommerzeit dauerhaft bleibt. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Und welche Auswirkungen hätte das? Wenn immer Sommerzeit wäre: Was viele an der Sommerzeit schätzen, ist die eine Stunde, die es abends länger hell bleibt. Perfekt für laue Sommerabende, die draußen in Gesellschaft verbracht werden können. Ein Lebensgefühl, das viele nicht missen wollen. Wer abends länger unterwegs ist, kommt allerdings auch später ins Bett. Berufstätige und Schüler, die am nächsten Morgen früh aufstehen müssen, leiden darunter. Ein Vorteil ist jedoch, dass es in der Früh nicht nur eine Stunde später hell, sondern auch warm ist. Die angenehm kühlen Temperaturen kommen vor allem Sportlern entgegen, denn ohne die pralle Sonne trainiert und läuft es sich gleich viel besser. Gerade der diesjährige Hitze-Sommer hat gezeigt, wie wohltuend ein erfrischender Morgen sein kann. Sommerzeit ist nicht die Normalzeit Vertreter der Winterzeit argumentieren, dass die Sommerzeit künstlich herbeigeführt wurde. Das stimmt: 1980 führten die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) die Sommerzeit ein. Ziel war es damals, Energie zu sparen. Studien haben jedoch gezeigt, dass das nicht der Fall ist. Das Umweltbundesamt sagt dazu: „Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst – im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf. Die Zeitumstellung spart im Saldo daher keine Energie." Nicht nur wir Menschen haben Probleme mit der Sommerzeit, auch die Tiere sind darauf nicht eingestellt. „Tiere kennen weder Zeitumstellung noch Verkehrsregeln", sagt Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. Wird es später hell, falle der morgendliche Berufsverkehr wieder in die Dämmerung. Das sei genau die Zeit, in der Wildtiere aktiv werden. Damit steige auch das Risiko für Wildunfälle. Wenn immer Winterzeit wäre: Bevor es die Zeitumstellung gab, galt das ganze Jahr über Winterzeit. An die ist unser biologischer Tagesrhythmus natürlicherweise gewohnt. „Der Körper lebt nach seiner eigenen Uhr – und die stellt sich eben nicht von einem Tag auf den anderen Tag um", erklärt DAK-Ärztin Dr. Susanne Bleich. Laut einer Umfrage der Krankenkasse leiden 63 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer während der Sommerzeit an Einschlafproblemen und Schlafstörungen. Für die Winterzeit spricht, dass der produktive Start am Morgen mit Tageslicht leichter fällt als ohne. Ein Beispiel: In Bielefeld geht die Sonne mit der Winterzeit Anfang Dezember etwa um 8.15 Uhr auf. Wäre es allerdings immer Sommerzeit, verschiebt sich der Sonnenaufgang um eine Stunde nach hinten, also 9.15 Uhr. Bleibt wiederum die Winterzeit auch im Sommer erhalten, geht auch dann die Sonne eine Stunde eher auf. Für Bielefeld hieße das: Sonnenaufgang um 4.30 Uhr Mitte Juli. Wie lang sind die Tage in OWL? Unsere folgende Grafik zeigt die Uhrzeiten von Sonnenaufgang und -untergang in Bielefeld im Verlauf des Jahres 2018. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Grafik, um die Uhrzeiten für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang für jeden einzelnen Tag des Jahres zu erfahren. Wird die Zeitumstellung jetzt abgeschafft? Gut möglich, aber nicht sofort. Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen. Realistischer ist, dass es etwas länger dauert: Die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc sagte am Freitag, wenn alles glatt laufe, könnte die Entscheidung im kommenden Jahr fallen - und die Zeitumstellung 2020 oder 2021 passé sein. Das sagt das Netz: Für die "Geil, immer #Sommerzeit!"-Trottel meiner Timeline: Damit verschiebt sich der Sonnenaufgang im Dezember etwa von 08:30 auf 09:30 Uhr. Ein ganzer KON-TI-NENT wechselt die Zeitzone. (Und hier nochmal eine Grafik, wo ihr seht, daß diese Winter-#Zeitzonen ihren Sinn haben...) pic.twitter.com/txv1I7x5w6 — Danke, aber nein. (@Piratenlily) 31. August 2018 Ich hoffe auf eine anhaltende Sommerzeit. Was bringt Nörgelei, die Sonne würde im Winter erst gegen 09:00 Uhr aufgehen, wenn wir sowieso auf der Arbeit, in der Uni oder Schule sind. Dazu Sonnenaufgang im Sommer um 03:30 Uhr - wer braucht das? #Zeitumstellung#ProSommerzeit! — Joel Kraus 🇪🇺|🏳‍🌈 (@joelkraus_) 31. August 2018 Wie wäre es mit einer Verhandlungslösung? Meine Prognose: Gegner und Befürworter einigen sich bei 37 Minuten. Aber nur jedes 2. Jahr - und mit Prüfung 2023. 😎 #Zeitumstellung — Felix Reitz (@f_rtz) 31. August 2018 (Mit Material von dpa)

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