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Großes Interesse: Bürgermeister Burkhard Schwuchow erläutert mit Blick auf eine Leinwand die Abläufe der kommunalen Bauleitplanung für das Vorhaben von Chefs Culinar. Die Besucher der Ahdener Bürgerversammlung und Chefs-Culinar-Geschäftsführer Christian Moll (l.) hören zu. - © Jens Reddeker
Großes Interesse: Bürgermeister Burkhard Schwuchow erläutert mit Blick auf eine Leinwand die Abläufe der kommunalen Bauleitplanung für das Vorhaben von Chefs Culinar. Die Besucher der Ahdener Bürgerversammlung und Chefs-Culinar-Geschäftsführer Christian Moll (l.) hören zu. | © Jens Reddeker

Büren Chefs Culinar: In Ahden regiert der Lager-Koller

Investment: Der Gastro-Zulieferer will im Flughafendorf ein riesiges Logistikgebäude bauen, doch bei der Bürgerversammlung äußern viele Anwohner ihren Unmut. Das Unternehmen macht Versprechungen

Jens Reddeker
11.07.2019 | Stand 11.07.2019, 16:06 Uhr

Büren-Ahden. Den Menschen in Ahden geht es hauptsächlich um den Lärm. Sie haben Sorge vor lauten Kühlanlagen und dem unaufhörlichen Rangieren von Lastwagen. In Ahden will sich der Gastronomiezulieferer Chefs Culinar mit einem mächtigen Großhandelslager ansiedeln. Der Firmen-Geschäftsführer hat bei einer Bürgerversammlung in Ahden nun erfahren, dass das Flughafendorf an der A 44 in Sachen Lärmbelästigung ziemlich sensibel reagiert. Wie berichtet, plant das niederrheinische Unternehmen in der ersten Ausbaustufe ein Gebäude von 240 Mal 144 Metern südlich des Airports, um von dort aus Großkunden zu beliefern. Die Aussicht auf das Gebäude stößt im Ort aber weiter auf Gegenwind. "Wir sind nicht gegen das Unternehmen, aber der ausgesuchte Standort ist falsch. Wenn dort gebaut wird, will doch niemand mehr in der Nähe wohnen", sagt Rainer Fischer, Ortsvorsteher in Ahden und SPD-Ratsherr. Fischer weiß, dass Chefs Culinar (5.000 Mitarbeiter) mit 200 Jobs am Standort plant - bei einem Ausbau könnten es mal 500 werden. "Das begrüßen wir hier ausdrücklich, aber wir müssen auch über unser Wohngefühl sprechen", spricht er aus, was all diejenigen der 250 Anwesenden denken, die ihm laut zujubeln. Über Gefühle redet Christian Moll, Geschäftsführer West bei Chefs Culinar, in Ahden nicht. Er erklärt: "Man muss sich an Fakten ausrichten und nicht am Bauchgefühl." Und die puren Fakten sprechen für die Pläne des Familienunternehmens, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1923 reichen. Der eingeladene Schallschutzgutachter erklärt, dass vom errechneten Lärm des Lagers 28 Dezibel bei den Nachbarn ankommen. In der angrenzenden Bebauung seien 40 und zum Teil 45 Dezibel zulässig. Von Zahlen allein lassen sich die Ahdener aber nicht beruhigen. "Ich höre vom Flughafen die Ansagen, dass ich auf meinen Koffer aufpassen soll und ich höre jeden Lkw, der dort nachts piept", sagt eine Anwohnerin. Das soll bei Chefs Culinar nicht passieren. Moll und seine Planer sagen dem Publikum zu, dass die Lkw-Pieptöne beim Anfahren an die Laderampen abgeschaltet werden. Überhaupt finde die Verladung der rund 50 eigenen Laster auf der vom Dorf abgewandten Seite des Gebäudes am Kleinen Hellweg statt. Moll verspricht: Wir werden nicht unsichtbar und unhörbar sein, doch wir wollen für das Umfeld verträglich sein." Schwuchow: "Daran arbeiten wir gerade" Mit der Forderung, den Standort nach Osten in Richtung Wewelsburger Kreisverkehr zu verschieben, beißt Ortsvorsteher Fischer bei Bürgermeister Burkhard Schwuchow (CDU) auf Granit. Dort sei weder im Regional- noch im Landesentwicklungsplan Gewerbefläche vorgesehen. Im Vorjahr hatten Stadt und Unternehmen zunächst eine Gewerbefläche am Kapellenberg entwickeln wollen. Weil das Gebäude aber den Ertrag eines benachbarten Windrades hätte einschränken können, scheiterte das Vorhaben - als Alternative wurde Ahden ausgeguckt. Dort sieht der Bürgermeister auch nach einer Ansiedlung von Chefs Culinar noch Möglichkeiten für Bauplätze im Norden des Dorfes: "Daran arbeiten wir auch gerade." Die Abwasserkanäle im Areal seien groß genug, allerdings gebe es im Rathaus Überlegungen, ein Regenrückhaltebecken anzulegen. 2007 und 2009 hatte es Überschwemmungen in der Ahdener Tallage gegeben. Richtig zufrieden ging am späten Abend wohl niemand aus der Bürgerversammlung in der Ahdener Hellweghalle. Doch der vom Bürgermeister zu Beginn ausgerufene Dialog ist nun in Gang gekommen. Gespannt warten Stadtverwaltung und Unternehmen auf mögliche Einwände während der Bauleitplanung. Doch sie sind - das wurde nochmals deutlich - klar gewillt, das Projekt in Ahden gemeinsam umzusetzen. Für den 25. September ist eine zweite Bürgerversammlung geplant.

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