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Machten Geschichte lebendig: Humorvoll setzten die Akteure des Heimatvereins in der Stiftskirche den Inhalt der Urkunde, in der Levern erstmals schriftlich erwähnt wird, in Szene. Geschrieben hat das Historienspiel der Leverner Thomas Horst, Pfarrer im Ruhestand. - © Sonja Rohlfing
Machten Geschichte lebendig: Humorvoll setzten die Akteure des Heimatvereins in der Stiftskirche den Inhalt der Urkunde, in der Levern erstmals schriftlich erwähnt wird, in Szene. Geschrieben hat das Historienspiel der Leverner Thomas Horst, Pfarrer im Ruhestand. | © Sonja Rohlfing

Stemwede Levern feiert Jubiläum mit Ritterschlag und humorvollem Historienspiel

Mit einer Reise in die Vergangenheit wird in der Stiftskirche der 1.050. Geburtstag des Ortes begangen. Für die Nachfahren wird eine Zeitkapsel hinterlassen. Der Inhalt war mit Bedacht ausgewählt worden.

Sonja Rohlfing
24.06.2019 | Stand 24.06.2019, 10:47 Uhr

Stemwede-Levern. Zwischen dem Wiehengebirge im Süden und dem Stemweder Berg im Norden erhebt sich Levern als ein sanft ansteigender Hügel, mit bebauten Hängen und einer von allen Seiten weithin sichtbaren Kirche auf der Kuppe. Zum 1.050. Mal jährt sich in diesem Jahr die erste schriftliche Erwähnung des Ortes. Das wurde jetzt auf dem Hügel gebührend gefeiert. Zum Jubiläum nahm der Leverner Heimatverein die Besucher mit auf eine Zeitreise, zurück ins Jahr 969 als Ritter Worad dem Bistum Minden seinen Besitz schenkte. Autor Thomas Horst hat dazu mit den Akteuren des Heimatvereins den Inhalt der Urkunde des Mindener Bischofs Milo humorvoll in Szene gesetzt. Musikalisch rahmten der Posaunenchor und der Stifts- und Kirchenchor das Historienspiel in der Stiftskirche ein. „Wir freuen uns, dass so viele Menschen aus Levern und umzu den Weg zu uns gefunden haben", erklärt Joern Spreen-Ledebur. „Dieser Hügel ist für Menschen zur Heimat geworden", unterstreicht der Vorsitzende des Heimatvereins. Für manche Familien sei Levern seit Jahrhunderten Heimat, für manche erst seit wenigen Jahren oder Monaten. „Dass wir hier an dieser Stelle sitzen und den 1.050. Geburtstag Leverns feiern dürfen, das haben wir engagierten Menschen zu verdanken", erinnert Joern Spreen-Ledebur. "Menschen waren von Launen der Natur abhängig" „Die Menschen, die vor mehr als 1.050 Jahren hier lebten, waren von den Launen der Natur abhängig. Not herrschte, wenn Dürren oder Regenfluten die Ernte vernichteten. Nicht umsonst emigrierten viele Menschen auch aus dem Kirchspiel Levern in die Vereinigten Staaten, um der Not hier zu entkommen. Heute würde man von Flüchtlingen sprechen." Franzosenkrieg, Erster und Zweiter Weltkrieg hätten die Menschen gezwungen Kirche und Gebäude immer wieder aufzubauen – oft unter schwierigen Bedingungen. Heute zeigten die Menschen in Levern und den anderen Stemweder Ortschaften, dass sie am europäischen Haus mitbauen wollten. „Wie schön ist es, dass es heute nach Jahrhunderten einer schwierigen deutsch-französischen Geschichte Partnerschaften gibt – wie die zwischen Stemwede und Lardy", unterstreicht der Heimatvereinsvorsitzende. „1.050 Jahre – das ist eine stolze Zahl", erklärt Bürgermeister Kai Abruszat, der auch seinen Amtskollegen Marko Steiner aus Pr. Oldendorf begrüßte. Dort wird in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum gefeiert. Schätzungsweise 50 Generationen hätten Levern geprägt, betont der Verwaltungschef. „Wir tun gut daran, an die zu erinnern, die diesen Ort zu dem gemacht haben, was er ist. Nämlich eine Perle im Mühlenkreis. Und zwar nicht nur wegen des historischen Ortskerns, sondern vor allem wegen der Menschen. Machen wir auf diesem Weg weiter. Dann hat Levern die beste Zukunft vor sich", ist Kai Abruszat überzeugt. "Gute Nachbarschaft ist wichtig" Mit dem zahlreichen Besuch dokumentierten die Menschen ihre Heimatverbundenheit, freute sich Friedrich Klanke. Wenn ein Ort eine 1.050-jährige Entwicklung habe, dann verpflichte das, unterstrich der Kreisheimatpfleger. Besonders hervor hob der Leverner das Engagement des ehemaligen Amtsdirektors Redecker. „Er hat schon in den 1960er Jahren erkannt, dass die historische Bausubstanz zu erhalten ist und er hat die Eigentümer ermuntert, dies freiwillig zu tun." Der Kreisheimatpfleger blickte jedoch nicht nur zurück, sondern betrachtete auch Gegenwart und Zukunft. „Ich finde es positiv, dass wir in Stemwede so aktive Ortsheimatpfleger haben, die über die Ortsgrenzen hinaus zusammenarbeiten." Eine gute Nachbarschaft hält er für wichtig, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Mit einer Zeitkapsel hinterlässt der Heimatverein ein Geschenk an die zukünftigen Bürger Leverns. Versenkt wurde sie nach einem musikalischen Auftakt durch den Leverner Spielmannszug zwischen Heimathaus und Friedhof. „Wir wollten etwas Positives hinterlassen", erklärt Kris Kallmeyer, der die Idee dazu hatte. Der Inhalt sei mit Bedacht ausgewählt worden. Verstaut wurden in dem von Heinrich Rohlfing aus Niedermehnen gefertigten Edelstahlbehälter Münzen, Zeitungen, Fotos, Beiträge örtlicher Vereine und Betriebe, aber auch Briefe. Geschrieben haben sie Leverner Grundschüler sowie Bürgermeister Kai Abruszat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. „Sie sollen als Anregung gesehen werden, für eine positive Gestaltung der Zukunft", sagt Kris Kallmeyer. Im Hier und Jetzt feierten die Menschen auf dem Stiftshügel zunächst erst einmal bis in die Nacht das 1.050-jährige Jubiläum.

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