Unzähligen Kindern hat Dr. Emma mit seinen Gratis-Operationen das Leben gerettet. Geht’s nach dem nunmehr 80-Jährigen, werden noch viele weitere Kinder hinzukommen. - © Hammer Forum, Klaudia Nussbaumer, Privatarchiv Emmanouilidis
Unzähligen Kindern hat Dr. Emma mit seinen Gratis-Operationen das Leben gerettet. Geht’s nach dem nunmehr 80-Jährigen, werden noch viele weitere Kinder hinzukommen. | © Hammer Forum, Klaudia Nussbaumer, Privatarchiv Emmanouilidis

Bünde Dr. Emma wird 80 Jahre alt - ans Aufhören denkt er noch lange nicht

Der Bundesverdienstkreuzträger und Bünder Ehrenbürger wird 80 Jahre alt. Das hindert ihn nicht, weiter Kindern das Leben zu retten. Eine Weggefährtin erzählt.

Klaudia Nussbaumer
12.05.2019 | Stand 10.05.2019, 12:42 Uhr

Bünde. Kaum zu glauben – aber Theophylaktos Emmanouilidis wird am 12. Mai 80 Jahre alt. Und noch immer hilft er in vorwiegend afrikanischen Ländern Kindern in Not – im Namen der Ärzteorganisation Hammer Forum. Ein Ende ist nicht abzusehen. Solange er bei guter Gesundheit sei, so sagt er selbst, werde er weitermachen. Klaudia Nussbaumer, OP-Schwester und langjährige Wegbegleiterin beim Forum, hat eine Laudatio geschrieben. Woher kommt dieser energiegeladene Mann? Geboren wurde er in Ilioluston, einem kleinen nordgriechischem Dorf nördlich von Thessaloniki. Seine Eltern waren Flüchtlinge aus dem Kaukasus. Die Eltern waren Bauern, und so mussten die Kinder schon früh in der Landwirtschaft mithelfen. Obwohl selbst nicht gebildet, war den Eltern die Bildung ihrer Kinder sehr wichtig. Und so wurde ihnen der Besuch eines Gymnasiums ermöglicht. Das hieß: Das Elternhaus in der Woche verlassen und in einer Art Pension auf sich gestellt leben, wohnen und lernen. Und das schon mit zwölf Jahren. So wurde Dr. Emma früh selbstständig und erwachsen. Er enttäuschte seine Eltern nicht und glänzte mit hervorragenden Leistungen, aber nicht nur in der Schule, sondern auch im Sport. Mehrmals nahm er erfolgreich an nationalen Wettbewerben teil. Ein Abitur mit Bestnoten Nach einem Abitur mit Bestnoten stellte sich nun die Frage nach der Zukunft. Im damals diktatorischen Griechenland gab es Studienplätze nur mit Beziehungen und Geld. Geprägt durch seine als Heilerin im Dorf tätige Großmutter, entschloss sich der damals 20-jährige Theophylaktos, Medizin zu studieren – eine wahrhaft gute Entscheidung. Nur mit einem kleinen Koffer und etwas Geld für die erste Zeit kam Dr. Emma am 26. August 1959 in München an. Ohne Deutsch-Kenntnisse landete er in einem Heim für griechische Studenten. In kurzer Zeit lernte er die deutsche Sprache so gut, dass er den Vorlesungen an der Universität leicht folgen konnte. Bald verließ er München, die Stadt war zu teuer, da halfen auch die Jobs nicht weiter. Er wechselte den Studienort und zog nach Marburg. Eine schicksalhafte Entscheidung – schon bald lernte er seine spätere Frau Ulrike kennen. Um es abzukürzen: Dr. Emma schloss alle Examen hervorragend ab. Es folgte der damals noch obligatorische Militärdienst in Griechenland, den er als Arzt nur antrat, um seine Mutter nach Jahren wieder besuchen zu dürfen. Nach der Ausbildung wurde er schnell Oberarzt Zurück in Deutschland – inzwischen war er verheiratet und hatte zwei Söhne – machte Dr. Emma seinen Facharzt für Chirurgie. In den 70er Jahren wechselte er nach Bielefeld-Bethel in das Krankenhaus Gilead, wo er schnell zum ersten Oberarzt aufstieg. In dieser Zeit bildete er unzählige Studenten und Assistenzärzte aus. Die Ausbildung von medizinischem Nachwuchs lag Dr. Emma immer sehr am Herzen. Auch später, als Chefarzt in Bünde, kamen die Studenten aus Bielefeld einmal wöchentlich zu ihm. Dr. Emma leitete den Nachmittag jeweils durch ein einstündiges Referat mit nachfolgenden Fragen an die Studenten ein. Anschließend ging es zu einer oft zweistündigen Visite auf die Chirurgische Station. Hier wurden chirurgische Krankheitsbilder direkt am Krankenbett diskutiert und die Studenten durften die Patienten unter den gestrengen Augen des Chefarztes untersuchen. Dieser sehr persönliche und intensive Unterricht hat eine ganze Generation von jungen Ärzten nachhaltig auf die späteren beruflichen Aufgaben vorbereitet. Dr. Emma entwickelte sich schon in Gilead zu einer Kapazität seines Fachs. Sein Ruf ging weit über die Grenzen Bielefelds hinaus. Viele prominente Bürger der Stadt ließen sich von ihm behandeln – bei der Aufnahme häufig schon die Frage: „Bei ihnen arbeitet doch dieser hervorragende Grieche..." Der Name Theophylaktos Emmanouilidis war und ist für die meisten westfälischen Zungen doch zu schwer und so wurde er schnell zu eben jenem „Dr. Emma", der er noch heute ist. Dr. Emma wird Chefarzt in Bünde Bei seinem beruflichen Erfolg war es nur logisch, dass er Bielefeld verließ und zum Chefarzt der Chirurgie im Lukas-Krankenhaus in Bünde aufstieg. In der Zeit wuchs die chirurgische Abteilung dort beträchtlich, zog es doch auch etliche Bielefelder zur Behandlung dorthin. Kontakte zu afrikanischen Ärzten und deren Heimatländern hatte Dr. Emma schon früh in Bielefeld geknüpft und in seinem Urlaub dort operiert und geholfen. Das Glück und die Hilfe, die er in seinem Leben erhalten hatte, wollte er an andere weitergeben. Schon Anfang der 90er bekam er daher Kontakt zum Hammer Forum und arbeitete immer mehr für diese Organisation. Auch im Lukas-Krankenhaus wurden Kinder aus Krisengebieten von ihm behandelt. Doch es sind nicht nur die Einsätze, die absolviert werden. Es geht um die Vorbereitungen der Fahrten, die Akquise von ehrenamtlichen Mitstreitern, die ihn auf diesen Einsätzen begleiten und ihm helfen. Es müssen unzählige Mails und Telefonate getätigt werden, um von den Regierungen Erlaubnis zur medizinischen Arbeit zu bekommen. "Seine Energie scheint unerschöpflich" Nie bekäme man von Dr. Emma eine unzureichende Antwort. Er nimmt sich für alle genügend Zeit. Der Tag dürfte für ihn mehr als 24 Stunden haben. Dr. Emmas Energie scheint unerschöpflich. Er kann unglaublich motivieren und zur Arbeit antreiben – was mitunter aber auch morgens um sechs Uhr durch energisches Klopfen an der Zimmertür geschehen kann. Die klimatisch oft ungünstigen Bedingungen in den Einsatzländern scheinen ihm nichts auszumachen. Selbst drei Malaria-Anfälle im Kongo beeinträchtigten ihn nur kurz. Danach stellte er einen persönlichen OP-Rekord auf. Vermutlich ist es die Arbeit selbst, die ihm bei den Einsätzen so viel Kraft gibt, dass er weitermachen kann. Gibt es über diesen Mann etwa nur Positives zu sagen? Nein, durchaus nicht – manchmal ist Dr. Emma ungeduldig mit seinen Mitarbeitern und Mitstreitern, wenn Prozesse nicht so voran gebracht werden können, wie er sich das vorstellt. Oder Kollegen sich seinem Tempo und Pensum nicht anpassen können. Dr. Emma wird noch dringend gebraucht. Und das wird nicht nur seine Familie so sehen, sondern vor allem auch die kranken Kinder in den ärmsten Gebieten der Welt.

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