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Bei der Arbeit: Dr. Emma (mit Brille) und der Chefarzt des „Shifa“-Hospitals legen gemeinsam Hand an. Auf der OP-Haube von Dr. Emma: das Logo des „Palestine Children’s Relief Fund“ . Foto: HFO - © Meiko Haselhorst
Bei der Arbeit: Dr. Emma (mit Brille) und der Chefarzt des „Shifa“-Hospitals legen gemeinsam Hand an. Auf der OP-Haube von Dr. Emma: das Logo des „Palestine Children’s Relief Fund“ . Foto: HFO | © Meiko Haselhorst

Bünde Grenzerfahrungen im Gazastreifen

Unterwegs mit dem Hammer Forum: Soeben ist Theophylaktos Emmanouilidis von seiner zweiten Reise ins Palästinensergebiet zurückgekehrt. Das Programm: Sechs Tage operieren von morgens bis abends

Meiko Haselhorst
24.01.2018 | Stand 23.01.2018, 14:54 Uhr

Bünde. Nächtliche Temperaturen wie im Bünder Land, hervorragend ausgestattete Krankenhäuser und eine tadellose Organisation vor Ort – Reisen in den Gazastreifen sind immer etwas anders als das, was Theophylaktos Emmanouilidis während seiner Aufenthalte in Afrika erlebt. Abenteuerlich ist’s aber auch hier – was nicht zuletzt an Dr. Emmas angeblich „iranischem Aussehen“ liegt. An erster Stelle standen natürlich auch diesmal die Operationen. „Wir haben mit dem ,Palestine Children’s Relief Fund’ kooperiert und waren mit sieben Leuten vor Ort – vier Ärzte und drei Schwestern, eine davon Jana Gottschling aus Herford“, klärt Dr. Emma die Eckdaten. „Insgesamt haben wir an sechs Tagen 166 Kinder untersucht und 66 operiert – darunter viele angeborene Missbildungen.“ Für etwas anderes habe man auf diesem Kurztrip keine Zeit gehabt. Am Ende eines jeden Abends sei man „sehr kaputt, aber auch zufrieden mit dem Erreichten“ gewesen. „Das Shifa-Krankenhaus dort wurde mit Geld aus Katar finanziert" Muss der Bünder Mediziner in Afrika meist unter haarsträubenden Bedingungen Leben retten, kann er im Gazastreifen aus dem Vollen schöpfen. „Das Al-Shifa-Krankenhaus dort wurde mit Geld aus Katar finanziert, verschiedene Golfstaaten haben beim Bau geholfen – die sind hervorragend ausgestattet“, erzählt Emmanouilidis. Auch die einheimischen Ärzte würden dort sehr gut mitarbeiten – stießen durch ihre jahrelange Isolierung allerdings recht schnell an ihre fachlichen Grenzen. Abenteuerlich sei – wie auch schon auf seiner ersten Reise im Oktober 2017 – vor allem die Ein- und Ausreise gewesen. Jeweils drei Stunden habe man gewartet, um von Israel in den Gazastreifen zu gelangen – und wieder hinaus. Von Missachtung bis Schikane sei alles dabei gewesen. Das habe allerdings schon am Frankfurter Flughafen begonnen. „Ein Beamter meinte, ich sähe ,sehr iranisch’ aus“, sagt Emmanouilidis und lacht. Mehrfach habe er dem Mann gesagt, dass er gebürtiger Grieche und kein Perser sei. „Aber es hat ein wenig gedauert, bis er das dann irgendwann akzeptiert hat“, so Dr. Emma. "Man möchte immer etwas sagen, aber man muss sehr vorsichtig sein“ Die Lebensumstände der Palästinenser empfand er auch auf seiner zweiten Reise als erschütternd. Knapp zwei Millionen Menschen tummeln sich auf dem 40 Kilometer langen und sechs bis 14 Kilometer breiten Streifen, keiner dürfe raus. Über der Stadt schwebe permanent ein riesiger israelischer Heißluftballon – ein Beobachtungsposten. „Ich habe mit einheimischen Ärzten gesprochen, die seit 20 Jahren dort eingesperrt sind“, erzählt der Bünder. Die Lebenslage und die permanente Bedrohung von außen hätten auch Einfluss auf Körper und Seele der Menschen dort. Will heißen: Viele sind so kaputt wie die Gebäude im Außenbereich des Areals. „Darüber reden kann man dort nur schlecht. Man möchte immer etwas sagen, aber man muss sehr vorsichtig sein.“ Da konzentriert man sich halt lieber auf das, was man kann und darf: Kinder operieren.

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