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Ständig unterwegs: Dr. Theophylaktos Emmanouilidis ist gerade wieder von einer zweiwöchigen Reise zurückgekehrt. - © Foto: Privat||
Ständig unterwegs: Dr. Theophylaktos Emmanouilidis ist gerade wieder von einer zweiwöchigen Reise zurückgekehrt. | © Foto: Privat||

Bünde In neun Tagen 57 Kinder operiert

Zurück aus Guinea-Bissau: Dr. Emma hat in dem westafrikanischen Land mehrere 100 junge Patienten behandelt. Im Juni erhält er die Ehrenbürgerurkunde

Celina Allard
25.04.2019 | Stand 24.04.2019, 18:41 Uhr

Bünde. Müde und ausgelaugt ist der frischgebackene Ehrenbürger Bündes wieder in Deutschland angekommen. Vom 7. bis zum 20. April reisten Theophylaktos Emmanouilidis, auch bekannt als Dr. Emma, und sein sechsköpfiges Team im Namen des Hammer Forum nach Guinea-Bissau, um schwer kranke Kinder zu untersuchen. Besonders belastend seien die Flüge gewesen. Der Hinweg hat sie 20 Stunden gekostet und dann mussten sie weitere vier Stunden von der Hauptstadt nach Gabú fahren. Der Rückflug war sogar 30 Stunden lang. "Unsere Anästhesistin hat uns prophezeit, dass wir maximal 15 bis 20 Kinder operieren werden", sagt Dr. Emma. Sie habe nicht daran geglaubt, dass sich die Nachricht über die Ankunft des Arztes schnell verbreitet. Aber das war ein Irrtum. Als das Team eintraf, wurde es bereits von 36 Kindern erwartet. "Ich habe dann alle sofort untersucht und 26 auf die Operationsliste gesetzt", sagt er. Jeden Tag seien es mehr Kinder geworden. Seine Erwartungen wurden weit übertroffen: In neun Tagen hat Dr. Emma 277 Kinder untersucht und 57 davon operiert. Die restlichen Tage ist das Team gereist. "Ich hatte Glück, dass die Projektleiterin alles so gut organisiert hatte. So konnte ich mich nur auf die medizinischen Angelegenheiten konzentrieren", so der Doktor. Besonders die Armut sei ihm aufgefallen. Viele Kinder seien unterernährt zu ihm gekommen. Zwei hat er stationär aufgenommen. Ein zwölfjähriger Junge war das elfte Kind einer Familie und als einziger unterernährt. "Es stellte sich heraus, dass die Familie aus einem Topf isst und die Älteren schneller zugreifen, so dass für die Jüngeren nichts mehr übrig bleibt", sagt Dr. Emma. Die Unterernährung sei aber kein Wunder. Sämtliche Lebensmittel würden importiert, obwohl die Menschen selbst ausreichend Essen anbauen. Kinder spielen mit einer Pampelmuse Fußball, die Tiere essen die Sternfrüchte. Viele wüssten nicht, dass man die Früchte auch selbst essen kann. Am 7. Juni wird Dr. Emma offiziell Ehrenbürger Dr. Emma und sein Teamhaben viel geschafft, aber sie wären auch erfolgreich gewesen, wenn sie nur zwei Kindern geholfen hätten, sagt der Arzt. "Abends denke ich: Gott sei Dank, dass du das gemacht hast. Diese Kinder hätten sonst keine Chance." Das gebe ihm Mut, weiter zu machen. Am 18. Mai geht es in den Kongo. Vorher fliegt er aber noch für ein paar Tage nach Griechenland, um Flüchtlinge zu behandeln. Am 7. Juni bekommt Dr. Emma dann im Rathaus die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft. "Das hat mich angenehm überrascht und ich freue mich darüber", sagt der Arzt.

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