Hochmotiviert: Stefan Schneidt, Sprecher der Gütersloher Fridays-for-Future-Bewegung, steht neben dem Mikrofon auf der Bühne am Berliner Platz. Das T-Shirt mit dem eigenen Namen, das jeder aus dem Orga-Team trägt, ist übrigens eine Spende vom BUND und CO2-neutral hergestellt. - © Andreas Frücht
Hochmotiviert: Stefan Schneidt, Sprecher der Gütersloher Fridays-for-Future-Bewegung, steht neben dem Mikrofon auf der Bühne am Berliner Platz. Das T-Shirt mit dem eigenen Namen, das jeder aus dem Orga-Team trägt, ist übrigens eine Spende vom BUND und CO2-neutral hergestellt. | © Andreas Frücht

Gütersloh Nur 150 Teilnehmer 
kommen zur dritten Fridays for Future-Demo in Gütersloh

Deutlich weniger Demonstranten, dafür aber eine klare „Wir machen weiter“-Botschaft bei der dritten Fridays-for-Future-Demo kurz nach Ferienbeginn

Oliver Herold
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 20:06 Uhr

Gütersloh. Natürlich sind sie enttäuscht. Und natürlich bringen sie an diesem Freitagmittag ihren Unmut auf dem Berliner Platz immer wieder lautstark durch Buh-Rufe und Pfiffe zu Gehör. Denn dass der Rat in seiner Sitzung am Donnerstag wie berichtet mit knapper Mehrheit gegen den Klimanotstand gestimmt hat, ist für die Fridays-for-Future-Aktivisten ein Schlag ins Gesicht. Dass die Klimaschutz-Demos spätestens nach den Ferien weitergehen werden, versteht sich damit von selbst. „Man kann nicht Wasser predigen und Wein trinken", sagt Stefan Schneidt, einer der Hauptorganisatoren der Gütersloher Bewegung. Gerichtet ist sein Vorwurf an CDU und BfGT, namentlich nennt er Bürgermeister Henning Schulz und Nobby Morkes. Beide würden öffentlich ihre Sympathien für Fridays for Future bekunden, doch bei wichtigen Entscheidungen kneifen. In anderen Städten sei die Ausrufung des Klimanotstandes quasi eine Formsache gewesen, zuletzt hatte der Rat in Bielefeld dafür gestimmt. „Wir verstehen nicht, dass das in Gütersloh nicht möglich ist", sagt der 19-Jährige. „Wir machen auf jeden Fall weiter." Musterbeispiel eines Aktivisten Dass sich zur dritten Klima-Demo am letzten Schultag nach Ausgabe der Zeugnisse lediglich etwas mehr als 150 Aktivisten – davon übrigens auffällig viele Erwachsene – auf dem Berliner Platz einfinden, wertet Schneidt nicht als Misserfolg. Das regnerische Wetter und der Ferienbeginn hätten wohl den Großteil der sonst stets mehr als 400 Teilnehmer abgehalten. Demomüdigkeit oder das von Gegnern der Bewegung oft ausgerufene Schulschwänzer-Argument, nein, das sehe er überhaupt nicht. Man ist geneigt, es ihm zu glauben. Denn Schneidt ist das Musterbeispiel eines Aktivisten, politisch interessiert, konsequent, ein Macher, der, wie er sagt, „einen kaputten Schlafrhythmus" hat. Er ist nicht nur Sprecher des 15-köpfigen Gütersloher Fridays-for-Future-Orga-Teams, sondern auch seit 2017 Mitglied der SPD, im Vorstand der Jusos und im SPD-Ortsverband aktiv sowie seit zwei Monaten Gast im Umweltausschuss. Nebenbei trainiert er beim SV Spexard zwei Handballmannschaften und mischt beim Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung mit. Als die Tierrechtsorganisation Peta jüngst in der Fußgängerzone symbolisch einen Hund „gegrillt" hatte, war er mit von der Partie und auch bei diversen anderen Aktionen in Stadt und Kreis. Bevor er dieses Jahr sein Abi an der Janusz-Korczak-Gesamtschule gemacht hat, hatte er sich in der Schülervertretung engagiert, war Stufensprecher sowie Mitglied der Schulkonferenz, wo er das Thema Nachhaltigkeit für das Schulprogramm mitverfasst und nebenbei den Abiball organisiert hat. Ein Unermüdlicher also, der nun ein Praktikum beim Fachbereich Umwelt anstrebt, in dessen Rahmen er in Schulen gehen und mit Schülern über soziales Engagement und Ehrenämter sprechen möchte. Später will er studieren, eventuell Politikwissenschaften oder Jura mit Schwerpunkt Umweltrecht. Zu erwähnen, dass sich Schneidt seit drei Jahren vegan ernährt, ist schon fast überflüssig. Demonstranten sind sauer auf die CDU Wäre da nicht die Fridays-for-Future-Bewegung. Viele der Aktivisten sind Vegetarier oder Veganer, wie die nach einer entsprechenden Frage am Freitag hoch gehaltenen Hände belegen. Neben dem Klimaschutz ist die Ernährung nämlich eines der Top-Themen, ein weiteres Schlachtfeld sozusagen, auf dem man angreift. So solle beispielsweise „die CDU aufhören, Fehlinformationen zu verbreiten, dass die vegane Ernährung eine Mangelernährung ist. Jede Ernährungsweise kann falsch ausgeübt werden, was zur Folge hat, dass immer mehr Menschen erkranken," so Schneidt. Sowieso schießt sich die Bewegung gerade auf die CDU ein: „Die hat doch in den letzten Jahren nichts als Schein- und Symbolpolitik gemacht", ruft einer von Schneidts Mitorganisatoren am Freitag von der Bühne. „Die CDU sollte in die vergangenen Jahre zurückschauen und mit Blick auf Dürre, Regen und kaputte Bäume endlich akzeptieren, dass der Klimawandel auch schon lange in Gütersloh wirkt." Es geht also weiter. Vielleicht schon während, spätestens aber nach den Ferien. Denn bei Schneidt und seinen Mitstreitern stehen noch viele Forderungen auf der Agenda. Neben der Ausrufung des Klimanotstandes sind das beispielsweise das 99-Cent-Clip-Ticket, mit dem der Nahverkehr attraktiver gemacht werden soll, ein funktionierendes Mehrwegbecher-System, um Plastik zu vermeiden, oder die verbindliche Einführung von Unverpackt-Abteilungen in Supermärkten. Und das alles zusätzlich zu den beiden großen Bundeszielen der Bewegung, dem Kohleausstieg bis 2030 und der CO2-Neutralität bis 2035.

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