Der Erfolgsmanager geht: Markus Krösche hatte in den vergangenen beiden Jahren beim SC Paderborn reichlich Grund zur Freude. Nun zieht es den 38-Jährigen zu RB Leipzig. - © Ulrich Petzold
Der Erfolgsmanager geht: Markus Krösche hatte in den vergangenen beiden Jahren beim SC Paderborn reichlich Grund zur Freude. Nun zieht es den 38-Jährigen zu RB Leipzig. | © Ulrich Petzold

SC Paderborn SCP-Ikone Markus Krösche im Abschiedsinterview

Was Krösche in Leipzig erwartet und wie er die Zukunft des SC Paderborn sieht.

Uwe Müller
15.06.2019 | Stand 15.06.2019, 18:51 Uhr
Frank Beineke

Paderborn. Abgesehen von einem Intermezzo bei Bayer 04 Leverkusen (2015 bis 2017) zählte Markus Krösche in den vergangenen 18 Jahren zu den großen Identifikationsfiguren des SC Paderborn. In den vergangenen zwei Jahren trug er als Sport-Geschäftsführer zusammen mit Cheftrainer Steffen Baumgart dabei maßgeblich zu einem unfassbaren Comeback eines am Boden liegenden Vereins bei. Doch am Samstag, 15. Juni, hat Krösche seinen letzten Arbeitstag beim SCP. Der 38-Jährige heuert als Sportdirektor beim Erstliga-Konkurrenten RB Leipzig an. Die NW-Redakteure Uwe Müller und Frank Beineke sprachen mit Markus Krösche über seine Zeit beim SCP, den Abschied von der Pader und die neue Aufgabe in Sachsen. Herr Krösche, es ist ihr vorletzter Arbeitstag beim SC Paderborn. Kommt schon ein bisschen Wehmut auf? Markus Krösche: Es ist schon komisch, keine Frage. Ich habe ja in den vergangenen zwei Jahren unheimlich viel Zeit hier im Büro verbracht. Und ich bin seit mehr als 18 Jahren im Klub. Es fällt mir nicht leicht. Ich bin sehr eng verbunden mit dem Verein und werde auch immer mit dem SCP verbunden bleiben. Aber ich freue mich auch auf meine neue Aufgabe. Zuletzt haben Sie noch einmal richtig Gas gegeben und unter anderem acht Neuzugänge verpflichtet. Man hatte das Gefühl, Sie wollten Ihrem Nachfolger ein sehr gut bestelltes Feld überlassen. Krösche: Die letzte Wochen waren sehr intensiv. Ich wollte ja eine vernünftige Übergabe machen. Das ist sportlich sehr gelungen und auch finanziell gab es noch einmal einen Schub durch die Verkäufe von Bernard Tekpetey und Philipp Klement. Was die Neuzugänge angeht: Die haben viel Potenzial, so dass sie sich weiterentwickeln können. Zudem haben wir mit Pröger und Schonlau verlängert, so dass die Kaderstruktur sehr nachhaltig aufgebaut ist. Fast alle Leistungsträger sind bis 2021 unter Vertrag. Beim ersten Erstliga-Aufstieg des SCP sagte Sportdirektor Michael Born, dass der SCP finanziell nun auch mal in andere Regale greifen kann. Sie haben bisher darauf verzichtet. Oder gibt es eventuell noch einen Königstransfer? Krösche: Das liegt nicht mehr bei mir. Das ist Aufgabe der neuen sportlichen Leitung. So lange ich hier war, haben wir den Pfad nicht verlassen, junge, entwicklungsfähige Spieler, die wir für wenig Geld oder ablösefrei bekommen können, zu verpflichten. Das ist für den SC Paderborn auch die richtige Strategie. Wenn es doch mal eine höhere Ablösesumme gibt, ist das als Einzelfall zu bewerten. Man hat aber in den letzten Jahren gesehen, dass es unheimlich viele gute ablösefreie Spieler gibt, die sich weiterentwickeln. Wenn du viel Geld ausgibst, ist die Wahrscheinlichkeit nicht immer höher, dass du erfolgreich bist. Die Kaderplanung ist schon weit fortgeschritten, aber noch nicht am Ende. Krösche: Nein, die Transferperiode geht ja noch bis zum 2. September. Bis dahin wird naturgemäß noch Bewegung reinkommen. Die Basis des Kaders steht aber. Ich glaube auch, dass der SCP mit den Rahmenbedingungen und der Liga alle Voraussetzungen hat, die Leistungsträger halten zu können. Ihr designierter Nachfolger ist Martin Przondziono, mit dem sie seit einem Jahr intensiv zusammengearbeitet haben. Ist es die richtige Lösung? Krösche: Martin war in Hannover und Nürnberg Chefscout. Er hat unheimlich viel Erfahrung – eigentlich sogar deutlich mehr als ich in dem Bereich. Wir haben auch sehr gut miteinander gearbeitet und er hat einen großen Anteil daran, wie der Kader zusammengestellt ist. Er kennt die Mitarbeiter, die kennen ihn. Ich bin immer ein Freund von Kontinuität und Stabilität. Das bringt Martin alles mit. Er ist die perfekte Lösung. Was für ein Typ ist Ihr Nachfolger? Krösche: Martin ist sehr kommunikativ, man kann auch viel Spaß mit ihm haben. Er ist dabei aber sehr professionell und akribisch. Zudem ist Martin sehr beliebt bei den Spielern und beim Trainerteam. Martin Przondziono war genau wie sie Profifußballer. Wie wichtig ist das als Sport-Geschäftsführer? Krösche: Das hilft Dir natürlich, weil du ein Gefühl hast für gewisse Situationen. Als Sie 2017 beim SC Paderborn als Geschäftsführer Sport verpflichtet wurden, lag der Verein am Boden. Nun ist er wieder in der 1. Bundesliga. Krösche: Diese Entwicklung war natürlich nicht absehbar. Die Art und Weise, wie wir beim SC Paderborn Fußball spielen wollen, hat schnell gegriffen – auch in Verbindung mit dem Trainerteam. Dass es funktionieren kann, hat mich nicht überrascht, dass es so schnell funktioniert und zu so einem extremen Erfolg führt, war natürlich nicht zu erwarten. Ich habe hier sehr viel lernen können in meiner Funktion als Sportdirektor. Ich konnte mich ausprobieren, habe vom Verein unheimlich viel Vertrauen bekommen. Zu Beginn natürlich von Wilfried Finke, dann vom Aufsichtsrat und auch die neuen Strukturen haben mir sehr viele Freiheiten gelassen. Sie waren nur zwei Jahre Sportdirektor beim SCP, aber sehr begehrt. Konnten Sie den Hype um Ihre Person nachvollziehen? Krösche: Die Dynamik und diese Omnipräsenz haben mich schon überrascht. Ich kann das aber schon sehr gut einordnen. Wenn im Sport der Erfolg da ist, werden schnell einzelne Personen in den Fokus gerückt. Ich weiß aber auch, dass es im negativen Fall genau so sein kann. Ich lebe nicht so gerne in Extremen. Über eine gewisse Wertschätzung von Dritten freut man sich natürlich. Aber ich bin bei dem ganzen Rummel ruhig geblieben und habe mich auf meine Arbeit konzentriert. Sie waren auch bei Schalke, Hannover oder Nürnberg im Gespräch. Wie heiß waren die Verhandlungen wirklich und was hat den Ausschlag für RB Leipzig gegeben? Krösche: Viele Dinge waren schon sehr konkret. Aber RB Leipzig ist mir mit der Art und Weise, wie sie Fußball spielen, wie sie gewisse Dinge angehen, sehr nahe. Die DNA des Klubs passt sehr gut zu mir. Jung, dynamisch, innovativ – das ist das, wofür ich auch stehe. Und dann wären da die vorhandenen Strukturen. Da sehe ich eine sehr gute Basis, um sehr erfolgreich zu sein. Mit Julian Nagelsmann haben wir einen der besten Trainer in Deutschland. Zudem wären da Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff. Zusammenfassend ist das ein Superverein, deshalb habe ich mich für Leipzig entschieden. Wie groß wird die Umstellung in Leipzig für Sie sein? Krösche: Jeder Verein hat seine Herausforderungen und seine Abläufe. RB hat deutlich mehr Mitarbeiter als der SCP. Anfang kommender Woche werde ich nach Leipzig fahren, das ist dann erst einmal die Einarbeitungszeit. Man muss ein Gefühl für die Mitarbeiter bekommen, sich kennen lernen. Vorgestellt werde ich dann am 8. Juli. Urlaub werde ich irgendwann mal machen. Wird die Familie mit nach Sachsen kommen? Krösche: Anfangs werde ich im Hotel wohnen, aber ich werde schon bald eine Wohnung mieten. Ich bin jemand, der auch schnell ankommen möchte in seinen eigenen vier Wänden. Wie wir das mit der Familie machen, ist im Detail noch nicht besprochen. Wir haben zwei schulpflichtige Kinder, die ihre sozialen Kontakte in Paderborn haben und meine Frau natürlich auch. Das muss man erstmal abwarten. Es gab reichlich Rummel um die geplante Kooperation mit dem SCP und RB. Krösche: Grundsätzlich haben wir das in der Kommunikation mit unseren Fans in Paderborn nicht optimal gelöst. Dazu hat der eine oder andere das auch etwas falsch interpretiert. Es geht rein um eine sportliche Kooperation und Austausch von Expertise, überhaupt nicht um wirtschaftliche Aspekte. Zum Beispiel um Jugendspieler bei RB Leipzig, die für die sportliche Leitung des SC Paderborn interessant sind – wenn die Spieler auch interessiert sind, versuchen wir eine Lösung zu finden. Jeder Verein ist für sich natürlich völlig autark. Übrigens hat auch die DFL zu dieser Kooperation keine Anmerkungen. Die Integrität des Wettbewerbs steht über allem. Gibt es eventuell schon in diesem Sommer Leihgeschäfte untereinander? Krösche: Das hängt immer von der sportlichen Entscheidung des SCP ab. Momentan ist nichts geplant, die Kaderplanung in Paderborn ist ja schon weit fortgeschritten. Es werden Paderborn aber keine Spieler aufgedrängt, der Impuls muss immer vom SCP kommen. Und der Spieler muss natürlich auch wollen. Es gibt keinerlei Abhängigkeiten. Wo sehen Sie den SC Paderborn in der Zukunft? Krösche: Die Entwicklung der letzten zwei Jahre plus die Transfereinnahmen haben den Verein auf eine sehr gute Basis gestellt. Als ich vor zwei Jahren hier angefangen bin, habe ich Wilfried Finke versprochen, den Verein wieder in den Profifußball zuführen. Das ist ja in extrem kurzer Zeit gelungen, deswegen ist meine Mission erstmal beendet. Wichtig ist jetzt, die Klasse zu halten. Aber auch den Verein auf die nächsten zehn Jahre auszurichten, neue Ertragsströme zu generieren. Und auch Spieler aus den eigenen Reihen für den Profikader auszubilden. Die nächste Saison aber muss jeder, der dem SC Paderborn nahe steht, erst eimal genießen. Es wird eine super Zeit in der 1. Bundesliga mit einer spannenden Mannschaft. Irgendwann aber wird die nächste Krise beim SCP kommen. Für wie gefestigt sehen Sie den Verein schon? Krösche: Alle Weichen sind gestellt worden. Es gibt die Ausgliederung in die KGaA, es wurden neue Gremien gebildet. Wir haben den Profibereich nachhaltig abgedeckt, das Nachwuchsleistungszentrum, super Mitarbeiter. Alle Bereiche sind so aufgestellt, dass man auch sportlich schlechte Zeiten überstehen kann. Der SC Paderborn ist so gut aufgestellt wie noch nie. Wo sehen Sie sich selbst in vier, fünf Jahren? Krösche: Ich plane ja nicht. Ich freue mich jetzt auf Leipzig, auf meine Arbeit dort. Ich lebe immer im Hier und Jetzt. Ich habe keinen Karriereplan, da halte ich nichts von. Da verlierst du zu viel Energie. Ich versuche die Energie auf das zu lenken, was ich tagtäglich mache. Sie waren auch Spieler und Trainer. Haben Sie mit dem Managerposten Ihre Berufung gefunden? Krösche: Meine Zeit als Trainer war sehr lehrreich und auch sehr wichtig für mich, auch die Zeit als Spieler...

realisiert durch evolver group