Vor allem Autofahrer? Auch, aber eine CO2-Steuer trifft noch andere. - © picture alliance / Robert Schlesinger
Vor allem Autofahrer? Auch, aber eine CO2-Steuer trifft noch andere. | © picture alliance / Robert Schlesinger

Klimapolitik CO2-Steuer: Wer profitiert, wer verliert? Eine Analyse

Um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen, will die Bundesregierung dann eine CO2-Steuer einführen. Wem nützt das und wer muss mit Mehrbelastung rechnen?

Christian Burmeister
13.07.2019 | Stand 14.07.2019, 08:34 Uhr

Die Grundsatzentscheidung soll im Herbst fallen. Um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen, will die Bundesregierung dann eine CO2-Steuer einführen. Wer könnten dabei Gewinner und Verlierer sein? Die Grundidee steht: CO2-Ausstoß wird künftig besteuert. Die „Wirtschaftsweisen" rechnen in einem Gutachten mit 30 Euro pro Tonne Kohlendioxid, „Fridays for Future" fordert 160 Euro. In Schweden liegt die Steuer aktuell bei 115 Euro. In Deutschland könnte das Geld, das der Staat auf diese Weise einnimmt, an die Bürger als einheitliche Pauschale zurückfließen (das Regierungsgremium rechnet mit etwa 150 Euro/Jahr) oder nur an untere Einkommensschichten. Wer also wenig Kohlendioxid ausstößt, kann am Ende sogar profitieren. Wer viel ausstößt, verliert. Noch ist die Entscheidung über die Details – wie eine Rückzahlung erfolgt, welche Ausnahmen es gibt, ob und welche Steuern sinken – nicht gefallen. Trotzdem lässt sich schon erkennen, wer auf welcher Seite stehen wird: Verlierer Vielfahrer/Landbevölkerung „Es wird teurer an der Zapfsäule", sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld ganz offen. Benzin und Diesel könnten pro Liter durch die Steuer bis 2030 um bis zu 37 Cent steigen, ein Schritt, den das Umweltbundesamt begrüßt. Das ist vor allem für diejenigen ein Problem, die auf dem Land leben und auf ihr Auto angewiesen sind. Oder für Besitzer von „Spritsäufern". Und für Pendler, wie der ADAC warnt. Mieter alter Wohnungen Bewohner schlecht gedämmter Wohnungen müssten mit Mehrkosten rechnen, da Öl und Gas höher besteuert werden sollen. Lukas Siebenkotten, Präsident des Mieterbundes, sagte der Funke-Gruppe: „Es kann nicht sein, dass die dadurch entstehenden Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Diese haben keinen Einfluss darauf, wie ihre Wohnung geheizt wird." Die Vermieter müssten die zusätzlichen Kosten zahlen. Allerdings: Sanieren Besitzer Häuser energetisch, steigt die Miete in der Regel auch. Hausbesitzer haben dennoch bereits angekündigt, Mieter an den Kosten beteiligen zu wollen. Singles, Alleinerziehende Diese Gruppe droht überproportional belastet zu werden, weil sie in der Regel (pro Kopf gerechnet) größere Flächen bewohnt und deshalb im Verhältnis zu Mehrpersonenhaushalten relativ mehr Kohlendioxid produzieren. Singles würden nur eine Rückzahlung („Kopfpauschale") erhalten, Eltern mit drei Kindern aber beispielsweise fünf. Gewinner Städter (ohne Auto) Häuser sind in den Städten häufig besser isoliert als auf dem Land. Zudem haben Stadt-Bewohner den besseren Nahverkehr, können also das Auto sparsam einsetzen, oder ganz verzichten. Wohlhabende Wer ein hohes Einkommen hat, gibt in der Regel nur einen geringen Anteil davon für den Energieverbrauch aus. Besonders profitieren diejenigen, die bereits in (bisher recht teure) Technologien investiert haben, wie ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe. Und auch die unteren Einkommensschichten zu entlasten ist eine Senkung der Mehrwertsteuer oder der Stromsteuer im Gespräch. Die Wirtschaft Gewerbe, Dienstleistungen und Handel sollten von der CO2-Steuer ausgeschlossen werden, empfehlen die Wirtschaftsweisen. Begründung: Diese könnten die Mehrkosten einfach auf Haushalte abwälzen. Kein Wunder, dass erste Manager sich für eine CO2-Steuer aussprechen.

realisiert durch evolver group