Schweine in einem Schweinezuchtbetrieb in Niedersachsen. - © picture alliance / Holger Hollemann/dpa
Schweine in einem Schweinezuchtbetrieb in Niedersachsen. | © picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Meinung Klimawandel: Wir müssen dringend aufhören, so viel Fleisch zu essen

Beim Fleischkonsum ist der Verbraucher gefragt

Angela Wiese

Deutschland stöhnt unter der Hitzewelle, die Felder sind ausgetrocknet, in vielen Regionen wird das Futter für das Vieh knapp, weshalb verstärkt Tiere notgeschlachtet werden. Die Dürre dieses Sommers ist wahrlich nicht das erste Wetterextrem, das wir erleben. Dennoch essen wir Fleisch, als wäre nichts gewesen. Häufig auch noch sehr billiges. Das ist ein Problem, denn Fleischkonsum und Klimawandel hängen zusammen. Wenn die Deutschen, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) errechnet hat, rund 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf essen, ist das zwar etwas weniger als Anfang der 1990er-Jahre. Es ist aber trotzdem zu viel. Nicht nur wegen der Massentierhaltung, die wir für billiges Fleisch hinnehmen und dabei ignorieren, dass es dabei um Lebewesen geht. Sondern eben auch fürs Klima. Es sind nicht nur die rülpsenden Rinder Wenn wir also über Wetterextreme im Zusammenhang mit Klimawandel sprechen, dann doch bitte auch über unseren Fleischkonsum. Am liebsten, das sagen die aktuellen Zahlen des BLE zum Thema, mögen wir Deutschen Schweinefleisch. Es macht 60 Prozent des Fleischverzehrs in Deutschland aus. Laut Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace und selbst gelernter Landwirt, können bei der Produktion von Schweinefleisch bis zu 8 Kilogramm des gefährlichen Kohlendioxids pro Kilogramm Fleisch entstehen. Noch schlechter fällt die Bilanz bei Rindern aus. Da sind es bis zu 18 Kilogramm. Zur Produktion gehört eben auch der Anbau und die Ernte des Futtermittels für die Tiere. Dafür muss Landfläche bewirtschaftet werden und dabei entstehen Treibhausgase. Es sind also nicht nur die Rinder, die beim Verdauen das gefährliche Treibhausgas Methan ausrülpsen. Der Fleischatlas 2018 beschreibt es so: "Die Bedeutung der Fleischproduktion ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie spielt auch bei den politischen Bemühungen um die Einhaltung des Klimaabkommens kaum eine Rolle. Dabei emittieren die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne mehr klimaschädliche Gase als der Ölriese Exxon." Fleisch müsste teurer sein Nun könnte man sich fragen, warum Fleisch nicht wenigstens teurer ist. Es ist längst überfällig, die oben beschriebenen externen Kosten in den Fleischpreis zu integrieren. Vielleicht ist die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von derzeit 7 auf 19 Prozent, wie es das Umweltbundesamt Anfang 2017 vorgeschlagen hat, ein Anfang. Dann können wir nicht mehr so viel Fleisch kaufen und essen, weil wir es uns nicht leisten können und wollen. Aber wir brauchen auch nicht so viel Fleisch, denn wir haben regionales Obst, Gemüse und Getreide zur Auswahl. Das reicht, das schmeckt und das funktioniert auch. Das Problem ist aber, dass bei so einer Preispolitik die Politik mitmischen müsste. Sie tut es aber nicht, obwohl sie das Problem kennt. Sie versagt an dieser Stelle ebenso wie bei anderen Umweltfragen. Wäre es anders, würde die Bundesrepublik ihre selbstgesetzten Klimaziele für 2020 nicht verfehlen. Das ist die Entscheidung des Einzelnen Es sind also auch wir Verbraucher gefragt. Denn jeder Einzelne ist verantwortlich für das, was da draußen passiert. Wir können nicht alle aufs Auto verzichten, dafür sind die nötigen Verkehrsstrukturen, hier ist wieder die Politik am Zuge, nicht vorhanden. Wir können auch nicht auf Strom verzichten, die Politik muss sich um saubere Stromquellen kümmern. Aber das Fleisch gehört zu den Dingen, die wir bewusst einschränken können. Statt sich also über die Idee zu empören, einen Veggi-Day in Kantinen einzuführen, sollten wir wüten, wenn das 600-Gramm-Steak mal wieder unter 3 Euro kostet, das Wintergrillen zum Volkssport wird oder die nächste Trend-Diät auf Eiweiß aus Fleisch setzt. Wir müssen nicht alle Veganer werden. Aus Umweltschutzgründen wäre das möglicherweise sogar kontraproduktiv. Aber wir müssen als Verbraucher beim Einkaufen kluge Entscheidungen treffen. Ein wesentliches Kriterium für diese Entscheidung ist der Klimaschutz.

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