Ausgetrocknete Landschaft im Harz, aufgenommen im Juli 2018. - © picture alliance / Frank May
Ausgetrocknete Landschaft im Harz, aufgenommen im Juli 2018. | © picture alliance / Frank May

Wetter Klimawandel: "In 20 Jahren ist das eher ein Durchschnittssommer"

Die extremen Wetterereignisse machen deutlich, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden. Für die Politik ist das offenbar kein Ansporn

Angela Wiese

Bielefeld. Dass sich Deutschland mitten im Klimawandel befindet, führt uns das Wetter hierzulande immer wieder eindrucksvoll vor Augen. Während sich jetzt noch viele Menschen über den gelungenen Sommer in Deutschland freuen, klagen Bauern über Ernteausfälle existenzbedrohenden Ausmaßes, brechen Platten auf Landebahnen auf, kommt es immer wieder zu erhöhten Ozon-Werten. Wir sollten uns schon mal daran gewöhnen. „Wir erleben die letzten Jahre eine Häufung klimatologischer Rekorde, die sich in der Summe nur mit dem Klimawandel erklären lassen", wird Dr. Paul Becker in einem Bericht des Deutschen Wetterdienstes über die Temperaturrekorde im April und Mai zitiert. "Mit diesen Rekorden nehmen aber auch Extremereignisse zu, welche direkt oder indirekt uns alle betreffen", erklärt der Vizepräsident des DWD darin. Die Extreme werden zunehmen Die Extremereignisse fallen durchaus unterschiedlich aus. In einigen Regionen Deutschlands gibt es nach lang anhaltender Trockenheit erhebliche Ernteausfälle und Ertragseinbrüche von bis zu 40 Prozent. In anderen Gegenden, auch in Nordrhein-Westfalen, wüteten von April bis Juni örtlich schwere Unwetter mit Sturm und Starkregen. Ob nun große Hitze oder starke Niederschläge: "Wir rechnen mit der Zunahme beider Extreme", sagt Fred F. Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Luft sei feuchter geworden in Mitteleuropa. Wenn es darin zu Niederschlägen komme, könnten diese heftiger ausfallen. Und die Hitze? „Bei einem Tag mit Temperaturen über 35 Grad sprechen die Meteorologen von extremer Hitze und neuerdings auch von Wüstentagen. An diesem Begriff merkt man, dass es früher für unsere Region ein eher seltenes Phänomen war", sagt Hattermann. So wird es nicht bleiben, sagt der Klimaexperte. "In 20 bis 30 Jahren wird dieser Sommer eher ein Durchschnittssommer sein, es wird also auch heißere geben." Dann wird es auch mehr Tropennächte geben. Diese werden vor allem Kindern, kranken und alten Menschen zusetzen. Aber auch die Arbeitsleistung gesunder Menschen könnte dann sinken. Deutschland verfehlt trotz allem die eigenen Klimaschutzziele Obwohl sich die Wetterextreme nicht mehr nur in anderen Ländern, sondern klar erkennbar auch in Deutschland häufen, ist Klimaschutz in der Politik offenbar immer noch kein Schwerpunktthema. Im Juni, als die Union, angetrieben von der CSU, im selbstgemachten Asylstreit feststeckte, räumte Umweltministerin Svenja Schulze ein, dass Deutschland die selbst gesteckten Klimaziele für 2020 verpassen werde. Statt den Ausstoß von Kohlendioxid um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu kürzen, werde dieser wohl nur um 32 Prozent zurückgehen. Dass die ernsthafte Umsetzung von Klimazielen tatsächlich etwas bewirken könnte, zeigt eine Studie, an der auch Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) beteiligt waren. Dürren könnten sich häufen Die Wissenschaftler beschreiben darin erstmals, wie sich ein globaler Temperaturanstieg von ein bis drei Grad Celsius auf Dürren in Europa auswirkt. „Sollte sich die Erde im Zuge des Klimawandels um 3 Grad erwärmen, werden extreme Dürren zunehmen. Eine schwere Dürre, wie sie Europa 2003 erlebt hat, würde in diesem Szenario gar nicht mehr als solche klassifiziert", sagt UFZ-Forscher Stephan Thober. Soweit müsse es aber nicht kommen, wenn die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens eingehalten werden können und sich die Erderwärmung zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius bewege, so Thober. Im Sommer vergangenen Jahres hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, aus dem Abkommen aussteigen zu wollen. Keine vielversprechende Wendung.

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