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Er hat sich inzwischen für seinen Spruch entschuldigt: Clemens Tönnies. - © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto
Er hat sich inzwischen für seinen Spruch entschuldigt: Clemens Tönnies. | © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Kommentar Stammtisch-Parole von Clemens Tönnies: Dafür hätte es Pfiffe geben müssen

In seiner Rede beim Tag des Handwerks hat der Unternehmer einen platten Vorschlag gemacht, der in üblem Rassismus gipfelt. Und die Zuschauer? Sie applaudierten.

Andrea Frühauf
02.08.2019 | Stand 02.08.2019, 13:12 Uhr

Paderborn. Wer mit solchen Stammtisch-Parolen öffentlich auftritt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. In seiner Rede beim Tag des Handwerks in Paderborn hat der Rheda-Wiedenbrücker Unternehmer Clemens Tönnies, Chef des zweitgrößten Schweine-Schlacht-Imperiums in Europa und Aufsichtratsvorsitzender des Erstligisten FC Schalke 04, einen platten Vorschlag gemacht, der in üblem Rassismus gipfelt. Im Gegensatz zu großen Wirtschaftsbossen wie Volkmar Denner, Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch, oder Frank Appel, Chef der deutschen Post, kritisiert Tönnies die politisch geforderte CO2-Steuer für mehr Klimaschutz. Und schlägt stattdessen vor, lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. Seine Begründung: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren." Und was machen die Zuhörer? Sie spenden Beifall Dies ist an Schlichtheit und Menschenverachtung kaum zu überbieten. Ein Unternehmer, der dies sagt, und an anderer Stelle behauptet, die Tönnies-Gruppe sehe sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und in der Tierwohl-Debatte, ist unglaubwürdig. Er schadet seinem Unternehmen und den Beschäftigten. Und was machen die Zuhörer? Sie sind nur kurz irritiert und spenden dann auch noch Beifall. Dafür hätte es Pfiffe geben müssen. Ein Unternehmen wirtschaftlich zum Erfolg zu bringen, ist eine Seite. Aber erfolgreiche Familienunternehmer zeichnet auch eine moralische Verpflichtung aus. Die scheint bei Clemens Tönnies in Wahrheit zu fehlen. Inzwischen hat sich Tönnies zwar für seinen Spruch auf Twitter entschuldigt. Aber trotzdem hat er moralische Verantwortung. Kontakt zur Autorin

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