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Clemens Tönnies sprach in Paderborn zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung". - © Christian Weische (Archiv)
Clemens Tönnies sprach in Paderborn zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung". | © Christian Weische (Archiv)

Paderborn Clemens Tönnies sorgt beim Tag des Handwerks für Kopfschütteln

Der Groß-Schlachter ruft die Unternehmer dazu auf, für ihre Sache in die Offensive zu gehen.

Hans-Hermann Igges
01.08.2019 | Stand 04.08.2019, 11:03 Uhr

Paderborn. „Willkommen in der 1. Bundesliga!" Clemens Tönnies, Chef des zweitgrößten Schweine-Schlacht-Imperiums in Europa und Aufsichtratsvorsitzender des Erstligisten FC Schalke 04, hatte nach diesem Satz, gedacht als Antwort auf die Begrüßung durch Bürgermeister Michael Dreier in der „Bundesliga-Stadt Paderborn", die Sympathien von Beginn an auf seiner Seite. Der Beifall der knapp 1.600 Gäste beim traditionellen Tag des Handwerks auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe blieb ihm treu – auch wenn er bei seinem Festvortrag zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" einmal schwer für Kopfschütteln sorgen sollte. Nicht nur Erzbischof Hans-Josef Becker war gespannt auf Tönnies’ Festrede über die Verantwortung „in einer Branche, die mit vielen Herausforderungen und einer skeptischen Öffentlichkeit zu kämpfen hat." Die Antwort des erfolgreichen Groß-Schlachters: Tönnies verwies auf den Stellenwert des 16.500 Mitarbeiter zählenden Betriebes in der Gesamtwirtschaft und das Einkommen, das damit erzielt werde. Tönnies: „Geld ist das Schmiermittel für den sozialen Frieden." Irritation im Saal - und dann doch Beifall Die Forderungen aus Politik und Öffentlichkeit, bei der Antibiotika-Reduzierung in der Tierzucht und beim Umbau von Ställen zwecks Vermeidung von Nitrat und Phosphat im Grundwasser fortzuschreiten, seien angekommen. Aber, so Tönnies: „Wir Unternehmer müssen uns die Zeit nehmen, über die Zusammenhänge auch aufzuklären." So seien etwa Landwirte gefordert, ihre Höfe zu öffnen. Tönnies: „Wir haben doch nichts zu verbergen!" In der Diskussion um Wege, den Klimawandel zu bremsen, kritisierte Tönnies höhere Steuern. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Tönnies Begründung dafür: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren." Reaktion aus dem Saal: Irritation – und dann doch Beifall. Kritik an Wohnungsgesellschaft Apropos Fleisch: Es gibt wohl inzwischen kein Wirtschaftstreffen in Paderborn mehr, in dem speziell Vertreter der Bauwirtschaft nicht auf diesen Stachel in ihrem Fleisch zu sprechen kämen: Die vom Rat gegen die CDU beschlossene Wohnungsgesellschaft. So nutzten mit Kreishandwerksmeister Mickel Biere und Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, gleich zwei hochrangige Vertreter den Tag, um ihre Kritik zu wiederholen. Lesen Sie auch: Kommentar zur Stammtisch-Parole von Clemens Tönnies: Dafür hätte es Pfiffe geben müssen Eine städtische Gesellschaft könne allenfalls Regieaufgaben übernehmen, so Biere. Die Politik dürfe und solle nicht glauben, der bessere Unternehmer zu sein. Gödde wiederum äußerte die Hoffnung, der Rat könne seine Meinung ändern, man sei gesprächsbereit. Auch Bürgermeister Michael Dreier zeigte Sympathie für die Kritik. Aber, so Dreier: „Der Rat hat anders entschieden, das muss ich akzeptieren." Er werde alles dafür tun, dass heimische Betriebe bei den Ausschreibungen eine Chance hätten. Und tatsächlich gebe es laut Untersuchungen in Paderborn ja eine angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt, widersprach Dreier der oft geäußerten gegenteiligen Meinung.

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