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Clemens Tönnies steht nach einer rassistischen Äußerung im Kreuzfeuer der Kritik. - © augenklick/firo Sportphoto
Clemens Tönnies steht nach einer rassistischen Äußerung im Kreuzfeuer der Kritik. | © augenklick/firo Sportphoto

Paderborn Empörung über Tönnies rassistischen Spruch - Schalke-Ehrenrat prüft Aussagen

Über einen Unternehmens-Account entschuldigt sich Clemens Tönnies für seine Aussage, die von vielen Seiten heftig kritisiert wird. Der Schalke-Sportvorstand nimmt Tönnies derweil in Schutz

Viktoria Bartsch
03.08.2019 | Stand 03.08.2019, 15:19 Uhr
Marc Schröder

Paderborn. Unternehmer und Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies ist wegen seiner rassistischen Äußerungen während eines Vortrags beim traditionellen Tag des Handwerks in Paderborn unter Druck geraten. Die Empörung ist groß, heftige Kritik schlägt dem 63-Jährigen entgegen. Über sein Unternehmen hat Tönnies mittlerweile eine Entschuldigung veröffentlicht, seine Aussage sei "in Form und Inhalt unangebracht" gewesen. In seiner Festrede hatte der 63-jährige Unternehmer vor 1.600 Gästen Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Das nahm er nun zurück. „Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen. Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im Inhalt und Form unangebracht und falsch", ließ der 63-Jährige per Twitter und über einen Unternehmenssprecher mitteilen. In einem Interview der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zeigt er sich reumütig. "Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte", sagt er. "Da hilft kein Drum herum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht." Er werde es wieder gutmachen. C. Tönnies: Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen. Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im Inhalt und Form unangebracht — Tönnies Dialog (@ToenniesDialog) 2. August 2019 Einen Imageschaden sieht die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe nach dem Vortrag Tönnies für sich nicht. Als Veranstalter sei es nicht üblich, die Äußerungen des Festredners im Nachgang zu kommentieren, sagte Hauptgeschäftsführer Peter Gödde auf NW-Anfrage. Nur so viel: "Über das Argument, dass die rund 27 Milliarden Euro anderweitig einsetzbar wären, kann man diskutieren. Das benutzte Bild als Zuspitzung ist jedoch unglücklich." Tönnies ist Mitgesellschafter beim größten deutschen Schlachtbetrieb gleichen Namens und Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Im Leitbild des Vereins heißt es unter anderem: "Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein." Schalke-Vorstand nimmt Tönnies in Schutz Auch der Verein hat eine Entschuldigung des Aufsichtsratvorsitzenden herausgegeben. Darin heißt es: Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04, für meine Aussage beim Tag des Handwerks entschuldigen. Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid. - Clemens Tönnies" Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider nahm Tönnies in Schutz. "Ich kenne Clemens Tönnies seit zehn Jahren. Er ist ein Mensch, der zu hundert Prozent die Werte von Schalke 04 vertritt", sagte Schneider am Freitag. Laut Schneider habe Tönnies eine „unbedachte Äußerung getätigt und sich heute Morgen prompt entschuldigt. Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weiter geht." In der kommenden Woche soll sich Tönnies nach Vereins-Angaben vor dem Ehrenrat des FC Schalke 04 erklären. Demnach habe der Ehrenrat Kontakt zu dem 63-Jährigen aufgenommen. Dieser habe sich unverzüglich bereit erklärt, sich in der Sitzung zu dem Vorgang zu äußern. Hans Sarpei: "Ein Weltbild aus der Kolonialzeit" Bei Twitter sorgten die Äußerungen über „die Afrikaner" für heftige Reaktionen. Der Hashtag #Tönnies avancierte innerhalb kurzer Zeit auf Platz eins der Twitter-Trends. Der in Bielefeld geborene Cartoonist und Zeichner Ralph Ruthe nannte die Äußerung „rassistische Kackscheiße". Mit Hinblick auf die Vereinskultur zeigen sich auch Anhänger des Gelsenkirchener Bundesligisten zutiefst erschrocken über die Äußerungen des Aufsichtsratschefs. Sollte man wissen: Clemens Tönnies, Schweinebaron und Miteigentümer von @ToenniesDialog labert rassistische Kackscheiße.https://t.co/NSC7HdZSN6https://t.co/L1VI3OdZhO — Ralph Ruthe (@ralphruthe) 2. August 2019 Als #S04 Fan und Mitglied finde ich die Aussagen von #Tönnies unerträglich. Rassismus hat im Fußball und erst recht in diesem Verein nichts zu suchen. Schnellstmöglich raus mit ihm! — Fero (@Fero47582134) 2. August 2019 Ex-Fußballprofi Hans Sarpei kritisierte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies wegen dessen Äußerung über den angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika. „Die Aussagen von Tönnies zeigen ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert", twitterte Sarpei zu seinen fast 500.000 Followern: „Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des S04 vereinbar sind. Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät." Die Aussagen von #Toennies zeigen ein Weltbild, dass an die Kolonialzeit erinnert. Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des @s04 vereinbar sind. Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät. — Hans Sarpei (@HansSarpei) August 2, 2019 Neben der Erschütterung ließ auch der Spott nicht lange auf sich warten, verschiedene Posts bezogen sich auf die Größe der Familie Tönnies, Clemens Tönnies hat fünf Schwestern und einen Bruder. Andere Kommentatoren stellen Vergleiche zu einem anderen Fleischwarenfabrikanten mit Bundesligaverbindung, Uli Hoeneß, an. Dazu gehört die Fußball-Satire-Seite Fums: Das hätte sich Uli Hoeneß auch nicht erträumt, dass er dieses Jahr nicht der peinlichste Wurstfabrikant der Bundesliga ist.#Tönnies#AUFEIGENEGEFAHR — FUMS (@fums_magazin) August 2, 2019 Auch das Verhalten des Publikums fällt einigen Kommentatoren in den sozialen Netzwerken negativ auf. Zeigten sich die Gäste beim Tag des Handwerks zunächst irritiert, gab es dann doch Beifall für Tönnies. Erstellt mit Informationen der dpa.

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