Bei den Ermittlungen zum Missbrauchsskandal in Lügde hat es eine Vielzahl von Pannen gegeben. - © picture alliance/dpa
Bei den Ermittlungen zum Missbrauchsskandal in Lügde hat es eine Vielzahl von Pannen gegeben. | © picture alliance/dpa

Kommentar Missbrauchsfall in Lügde: Ohne Rückhalt kein Vertrauen

Um Kreisverwaltung und Polizei in dieser schwierigen Zeit zu leiten, benötigt Lehmann Sicherheit, Selbstbewusstsein und Führungsstärke

Schwerwiegende Fehler im eigenen Jugendamt, unfassbares Versagen in der Kreispolizeibehörde: Lippes Landrat Axel Lehmann muss sich als Behördenleiter weiterhin die Frage gefallen lassen, ob er die politische Verantwortung im Lügder Missbrauchsfall übernimmt. Um Kreisverwaltung und Polizei in dieser schwierigen Zeit zu leiten, benötigt Lehmann Sicherheit, Selbstbewusstsein und Führungsstärke. Dem entgegen steht der schwindende Rückhalt. Innenminister Reul rasiert ihm – offiziell in Absprache – die Polizeispitze weg. Die Aufarbeitung der Polizeifehler übernehmen Spezialisten des Landeskriminalamtes. Als oberster Dienstherr den Kopf hinhalten Und zu allem Überfluss schwindet die Unterstützung aus der lippischen Politik. Selbst seine Genossen mosern hinter vorgehaltener Hand über seine Kommunikationsfehler. Ja, der Landrat hat sich im Windschatten Reuls in Düsseldorf geäußert. Und ja: Er bekam per E-Mail die Empfehlung, im Polizeibeirat nichts zu den verschwundenen Asservaten zu sagen. Aber warum hat er nicht zumindest seine Fraktionsvorsitzenden umgehend und vertraulich mit ins Boot geholt? Lehmanns bittere Realität: Auch wenn er keine der grausamen Taten persönlich hätte verhindern können, hält er als oberster Dienstherr für das Handeln seiner Mitarbeiter den Kopf hin.

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