Am Inselspitzenweg: Die Fußgängerbrücke erhält eine neue Decke. Nach links hin wird das Gelände abgesenkt. - © Birger Berbüsse
Am Inselspitzenweg: Die Fußgängerbrücke erhält eine neue Decke. Nach links hin wird das Gelände abgesenkt. | © Birger Berbüsse

Paderborn Mittleres Paderquellgebiet soll naturnah umgestaltet werden

Die Bauarbeiten beginnen im Mai und werden bis 2019 dauern. Die Baukosten in Höhe von rund 735.000 Euro übernimmt zu 80 Prozent das Land NRW

Birger Berbüsse
16.01.2018 | Stand 16.01.2018, 12:21 Uhr

Paderborn. Fördermittelbescheide überreicht Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl des Öfteren. Diesmal war sie aber besonders neugierig, was mit dem Geld gemacht wird. "Meine Kinder sind schließlich mit dem Paderquellgebiet aufgewachsen", sagte die Politikerin, die in den 80er Jahren in Paderborn arbeitete. Im Gepäck hatte sie beim Pressetermin einen Förderbescheid für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie über 587.275 Euro - das sind 80 Prozent der Baukosten für die Renaturierung des mittleren Paderquellgebietes. Die Arbeiten sollen laut Stadt im Mai beginnen und voraussichtlich im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Die Maßnahme mit dem Titel "Ökologische Verbesserung und Herstellung der Durchgängigkeit der Pader im Bereich des mittleren Paderquellgebiets" ist Teil des Entwicklungskonzeptes "Flusslandschaft Pader", in dessen Zuge derzeit unter anderem auch die Maspernpader ein komplett neues, sprich: natürlicheres Aussehen erhält. Abriss des ehemaligen Kulturamtes im Februar Für insgesamt 734.094 Euro sollen nun ab Mai auch die Insel zwischen Reinecke Mühle und Stümpelscher Mühle, also das sogenannte ehemalige Kehl-Schwarze-Gelände, sowie der daneben liegende Inselspitzenweg renaturiert werden. Bereits im Februar wird das hinter der Reinecke-Mühle liegende bisherige Domizil des Kulturamtes abgerissen, kündigt Frank Becker an. Danach werde die gesamte Insel abgetragen, sagt der Leiter des Amtes für Umweltschutz und Grünflächen. "Wir wollen viel näher ans Grundwasser kommen." Außerdem sei unter der Oberfläche noch viel alter Bauschutt verborgen. Ebenfalls entfernt werden sämtliche Ufermauern. Das bedeutet allerdings gleichzeitig den Abschied von dort wachsenden Bäumen. "Die werden wir dann nicht halten können", so Becker. Dennoch soll das gesamte Gelände viel natürlicher werden, weil sich durch den künftig deutlich feuchteren Boden viele neue Pflanzenarten ansiedeln würden. Einzigartige Flora und Fauna "Flora und Fauna, die es sonst nirgends im Stadtgebiet gibt", freut sich die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Im Konzept ist deshalb auch von einem "Auenlebensraum" die Rede. Begehbar sein wird der Bereich allerdings auch nach seiner Umgestaltung nur eingeschränkt, damit sich die Natur dort frei entfalten kann. Die bisherigen kreuzenden Brücken bleiben erhalten und bekommen eine neue Decke, außerdem sind zwei Stege für die Fußgänger geplant. Die die Inseln umfließenden Paderläufe sollen laut Becker durchgängiger werden. Dies werde durch den Umbau der kleinen Wasserfälle zu einer Sohlrampe erreicht. Zukünftig könnten sich dann Wasserorganismen wieder flussaufwärts bis in die Oberläufe der Paderarme ausbreiten. Bürgermeister Michael Dreier sieht in der Renaturierung eine "unglaubliche Aufwertung dieses sehr stark frequentierten Bereichs". Regierungspräsidentin Thomann-Stahl (FDP) ging in ihrem Lob sogar noch weiter. Das Projekt werde auch überregional zeigen, wie man innerstädtische Ziele erreichen kann. "Da werden sich sicherlich einige Kommunen etwas von abgucken können."

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