Der letzte Handwerksbäcker: Das markante Eckhaus beherbergte bis vor wenigen Jahren die Bäckerei Kammann. - © Cornelia Müller
Der letzte Handwerksbäcker: Das markante Eckhaus beherbergte bis vor wenigen Jahren die Bäckerei Kammann. | © Cornelia Müller

Pr. Oldendorf Serie 1.025 Jahre Börninghausen: Einkaufen in der Nachbarschaft

Teil 2: Aufgeben gilt nicht. Wie ein Dorfladen der Konkurrenz trotzt

Cornelia Müller

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Als sich die Börninghauser vor fünf Jahren trafen, um ihre Wünsche und Ziele für die Dorfentwicklung zu formulieren, war eines der meistgenannten Dinge: ein Dorfladen. Wo man einkaufen kann, ohne auf ein Auto angewiesen zu sein. Damit man auch im Alter im Dorf wohnen bleiben kann. Vor 25 Jahren war das noch kein großes Thema. Damals gab es - über das ganze Tal verteilt - gleich mehrere Tante-Emma-Läden, in denen man alles bekommen konnte, was man so brauchte. Es gab eine Fleischerei. Einen Hausschlachter. Und einen Handwerksbäcker. Alles Familienbetriebe. Im Laufe der Jahre aber machte ein Laden nach dem anderen zu, meist, weil es keinen Nachfolger mehr gab, der das Geschäft weiterführen konnte oder wollte. Mit einer Ausnahme allerdings: Lebensmittel Weber. 1962 hatte sich Reinhold Weber mit einem Getränkehandel selbstständig gemacht, später entwickelten sich daraus die bekannten "rollenden Supermärkte", die nicht nur die Eggetaler belieferten, sondern auch weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu den Kunden nach Hause kamen. Im Jahr 2006 richtete Fredy Weber, der das Geschäft 1995 von seinem Vater übernommen hatte, im bisher als Warenlager genutzten Gebäude an der Straße "Zum Schürenbrink" dann einen eigenen Verkaufsraum ein. Damit war der entscheidende Schritt zum Dorfladen getan. "Von Beginn des Dorfentwicklungskonzeptes an war für uns klar, dass wir auf jeden Fall Lebensmittel Weber als Nahversorger in Börninghausen halten wollten", sagt Horst Kirchhoff, Vorsitzender des Vereins "Wir im Eggetal", der das Dorfentwicklungskonzept vorangetrieben hat. Mit dem Tod Fredy Webers 2016 standen alle Ideen, die die Dorfgemeinschaft gemeinsam mit ihm entwickelt hatte plötzlich auf der Kippe. Aber seine Witwe Karola führte den von außen eher unscheinbaren Dorfladen weiter, der bis heute all das zu bieten hat, was schon vor 25 Jahren die Tante-Emma-Läden ausgezeichnet hat: Das volle Sortiment, von frischen regionalen Produkten bis zur Konserve, vom Putzmittel bis zum Papiertaschentuch. Und darüber hinaus Kundennähe, Flexibilität und letztlich auch Lebensqualität. »Es läuft nur über den Service« "Gerade für viele Ältere, die nicht mehr selbst mobil sind, ist das Einkaufen ein Problem. Deshalb liefern wir hier in der näheren Umgebung bei Bedarf immer noch die Einkäufe nach Hause", sagt Karola Weber. Der kleine Plausch von Nachbar zu Nachbar darf dabei nicht fehlen: "Man kennt sich und redet auch mal ein bisschen. Auch deshalb mache ich meine Arbeit gern." Obwohl die Konkurrenz der großen Discounter fast übermächtig sei. Bestehen könne man gegen diese nur, wenn man sich einiges einfallen lasse. Deshalb gibt es zum Beispiel einen Brötchenlieferdienst am Wochenende, Schnittchen auf Bestellung oder einmal in der Woche einen Mittagstisch. Präsentkörbe werden je nach Wunsch bestückt und dank einer angestellten Bäckerin bekommen Kunden hier sogar Kuchen und Torten aus eigener Herstellung, "Es läuft nur über den Service", weiß Karola Weber, die ihren Dorfladen auf jeden Fall weiterführen will. 1. Teil:  Was das Eggetal ausmacht 3. Teil: Das Eggetal hat Charme 4. Teil: Die Kirche in Börninghausen 5. Teil: Schick machen für den Umzug

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