Der Innenraum der Kirche im alten Zustand, mit den Priechen rechts. - © Heike von Schulz
Der Innenraum der Kirche im alten Zustand, mit den Priechen rechts. | © Heike von Schulz

Pr. Oldendorf Serie 1.025 Jahre Börninghausen: Seit fast 900 Jahren steht die Kirche im Dorf

4. Teil: St. Ulricus ist bis heute der Mittelpunkt im Ort geblieben. Sie ist die älteste Wehrkirche im Ravensberger Land

Sigrid Dittmann

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Inmitten des idyllischen Tales gelegen bildet die St.-Ulricus-Kirche das Herzstück des Dorfes. Erklingen die sechs melodischen Glocken, um die es so viel Wirbel gab, dann schlägt das Herz jedes Eggetalers höher. Die Gründung der Kirche liegt zwischen 1220 und 1237. Als Patronatskirche des Hochadels zu Minden gegründet, erhielt sie ihren Namen vom Heiligen Bischof Ulrich von Augsburg, Teile seiner Reliquien wurden zur Kirchengründung nach Börninghausen gebracht. Der heutige Chorraum bildet neben dem Wehrturm den ältesten Teil der Kirche. Der Chorraum, zunächst freistehende spätromanische Kapelle, wurde dann durch ein Mittelschiff mit dem romanischen Wehrturm verbunden. Nach einem Brand wurden sie 1463 im gotischen Stil wieder aufgebaut. In ihrer Abmessung ist die älteste Wehrkirche im Ravensberger Land eine typische Dorfkirche. Mehrfach wurde sie im Laufe der Zeit restauriert und renoviert. In den siebziger Jahren mussten die Gemeindemitglieder eine lange Zeit mit dem Gemeindehaus vorliebnehmen, da die Kirche einen neuen Innenausbau erhielt. Kirchbauverein gründet sich 2005 zum Erhalt des Gebäudes 2002 stand es dann sehr schlecht um das 800 Jahre alte Gotteshaus im Eggetal. Ohne grundlegende Sanierung hätte wohl der Einsturz gedroht. Die Gründung des Kirchbauvereines 2005, bei der 90 von 120 Besuchern sofort eintraten, und das Engagement des damaligen Pfarrers Friedrich Beckmann, der es verstand, aus verschiedenen Stiftungen Gelder für die Sanierung zu erlangen, machte es möglich, das Kleinod zu erhalten. Heute zählt der Kirchbauverein fast 300 Mitglieder. Neben der Übernahme der Kosten für die große Sanierung der Kirche sorgte der Verein auch für die Orgelsanierung, die Beleuchtung und die Außenanlage. Aktuell wird die Kirchenmauer renoviert. Zweimal jährlich organisiert der Verein Konzerte mit namhaften Musikern. Auch diese Einnahmen dienen zur Erhaltung und Pflege der Kirche. „Die Konzerte ergaben sich zufällig, sie werden auch als Bereicherung des Dorflebens wahrgenommen", erzählte Maritta von Haugwitz, Vorsitzende des Kirchbauvereins. Damals wie heute bildet St.-Ulricus den Mittelpunkt des Dorfes. Und dass, obwohl es keinen Schlachter, Lebensmittelhändler, Bäcker, die Post und die Schule mehr gibt. Dennoch sind die Menschen im Eggetal darauf bedacht, ihre Kirche zu erhalten. „Ich erfahre bei meinen Besuchen eine große Resonanz der Gemeindemitglieder, ihnen ist die Kirche überaus wichtig", sagt Pfarrerin Hilke Vollert. Die Gemeinde käme mit der 2013 geschaffenen Verbindungspfarrstelle der Kirchengemeinden Bad Holzhausen und Börninghausen sehr gut klar. „Bei unserem letzten Sommerfest, dass hier an dem neu entstandenen Gemeindehaus gefeiert wurde, konnte das jeder erleben, die Eggetaler sind mit der jetzigen Situation der pfarramtlichen Verbindung gut zufrieden", so Vollert. Auch das Gemeindehaus veränderte sich im Laufe der Zeit mehrmals. Viele Eggetaler erinnern sich noch heute gut an das alte Fachwerkhaus, in dem die Gemeindeschwester Margarethe lebte und hier gemeinsam mit den Pfarrern den Konfirmandenunterricht hielt und ebenso für die Kranken, Alten und Bedürftigen in der Gemeinde sorgte. So manch einer erinnert sich noch an die sechziger Jahre, als Pastor Botho Kurth, ein moderner aufgeschlossener Pfarrer, die Herzen der Jugend im Eggetal mit seiner Gitarre und modernen Lieder eroberte. Die erste Diskothek fand im Gemeindehaus statt. Dann kam die Abrissbirne, das alte Gebäude musste weichen und ein großes helles Gemeindehaus wurde gebaut. Pfarrer Friedrich Beckmann erfüllte dieses mit Leben. Für ihn stand die Ökumene an erster Stelle. Großartige Gottesdienste mit besonderen katholischen Ehrengästen wurden gefeiert und im Gemeindehaus gab es immer genug Platz für diese Events oder auch für die Auslagerung der Gottesdienste während der Kirchenrenovierung. Für Pfarrer Beckmann stand die Ökumene an erster Stelle Im Laufe der Zeit nahm die Zahl der Gemeindemitglieder ab. Die Erhaltung der Räume war zu teuer und ein Teil wurde abgerissen. Heute sind nur noch die früheren Jugendräume übrig, die Raum für Veranstaltungen bieten. Wie beispielsweise das Frauenfrühstück, das sich einiger Beliebtheit erfreut. Die Jugend ist weiterhin sehr aktiv. Auch der Posaunenchor übt in den Räumen. Seit vielen Jahren erhalten die jungen, musikbegeisterten Jugendlichen im Posaunenchor ihre musikalische Grundausbildung. Sechs Glocken ertönen vom Kirchturm, die Fahrt zum Glockenguss mit zwei großen Bussen voller Eggetaler wird wohl vielen noch in Erinnerung sein. Im Jahre 1994 wurde mit einer feierlichen Glockenweihe das neue Geläut eingeweiht. Seither erfreuen sich die Eggetaler über das herrliche Geläut, dass alle in dem friedlichen, wunderschönen Tal dann doch noch verbindet. 1. Teil: Was das Eggetal ausmacht 2. Teil: Einkaufen in der Nachbarschaft 3. Teil: Das Eggetal hat Charme

realisiert durch evolver group