0
Siegfried Gutsche, hier am Kreisel Niederwall/Niedertorstraße, tritt bei der Landratswahl 2020 für die Grünen an und bringt Ideen für Verkehrskonzepte mit. - © Frank Hartmann
Siegfried Gutsche, hier am Kreisel Niederwall/Niedertorstraße, tritt bei der Landratswahl 2020 für die Grünen an und bringt Ideen für Verkehrskonzepte mit. | © Frank Hartmann

Lübbecke Grüner Siegfried Gutsche will zum zweiten Mal Landrat werden

Vor fünf Jahren war er chancenlos. Jetzt, mit 66 Jahren, startet der Lübbecker Grünen-Vorsitzende einen neuen Versuch, Verwaltungs-Chef im Kreis zu werden. An Ideen mangelt es ihm nicht.

Frank Hartmann
10.10.2019 | Stand 11.10.2019, 10:35 Uhr

Lübbecke. „Mit 66 Jahren, ist noch lang noch nicht Schluss" – diese Textzeile aus einem Erfolgsschlager von Udo Jürgens trifft genau auf einen Mann zu, der Landrat des Kreises Minden-Lübbecke werden will: Siegfried Gutsche, Vorsitzender der Lübbecker Grünen, wird im April nächsten Jahres 67 Jahr alt. Beflügelt vom allgemeinen Aufwind seiner Partei greift Gutsche erneut nach dem höchsten Verwaltungsamt des Kreises. Beim ersten Mal, das war 2014, blieb er mit 8,8 Prozent der Wählerstimmen chancenlos gegenüber Hans-Joerg Deichholz (CDU), der im ersten Wahlgang 36,8 Prozent holte, und gegenüber Ralf Niermann (SPD), der 49,5 Prozent schaffte und sich schließlich in der Stichwahl gegen Deichholz durchsetzte. In seiner Heimatstadt Lübbecke kam Gutsche vor fünf Jahren auf 12,6 Prozent. Das sei für einen grünen Landratskandidaten ein „achtbares Ergebnis", sagte Gutsche damals. Das Ergebnis zeige, dass die grünen Themen bei den Menschen ankämen. "Ich könnte das Amt kurzfristig übernehmen" Davon geht Gutsche, der – anders als die nominierten Ingo Ellerkamp (SPD) und Anna Bölling (CDU) – als Kandidat schon sicher feststeht, auch dieses Mal aus: „Die Menschen wollen, dass die Grünen jetzt liefern", ist der gebürtige Hannoveraner überzeugt und verweist auf das gute Abschneiden seiner Partei zuletzt bei der Europawahl. Zudem stehe er für etwas, das die Bürger wollten: „Erfahrung und Kontinuität." Zur Vorstellung gegenüber der Presse erschien Siegfried Gutsche in der Grünen-Geschäftsstelle in Lübbecke in seriösem dunkelgrauen Anzug und weißem Hemd. Sein ruhiges Auftreten, seine sachliche Art und seine oft gefalteten Hände strahlen Selbstbewusstsein aus, das sich auch in seinen Äußerungen wiederfindet. Etwa wenn er sagt: „Ich bin in die wichtigsten aktuellen Themen eingearbeitet und könnte das Landratsamt kurzfristig übernehmen." "Nur über das offene Gespräch kommt man weiter" Ungefragt bildet sich während Gutsches Ausführungen aber doch ein Schwerpunkt heraus: die Mühlenkreiskliniken (MKK). Verwunderlich ist das nicht. Gutsche verweist auf insgesamt 45 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen, davon allein 23 Jahre im Klinikum Herford, wo er in einer Stabsstelle verantwortlich Personal entwickelt und sich auch mit zentralen Verwaltungsfragen beschäftigt hat: „Ich war direkt dem Vorstand zugeordnet." Dort hat er gelernt, erfolgreich zu führen. Seine Philosophie dabei: „Gegen einen Apparat können Sie nicht erfolgreich führen. Nur über das offene Gespräch kommt man weiter. " Im Verwaltungsrat der MKK etwa arbeite man „parteiübergreifend" zusammen. Und mit den Dezernenten des Kreises Minden-Lübbecke stehe er in gutem Kontakt – sei es über gemeinsame Interessen für Kunst oder auch für den Sport. "Wir können nicht über unsere Verhältnisse leben" Als Landrat würde er gern „grüne Ziele im Kreis voranbringen". Dazu gehört für ihn ein integriertes Klimaschutzkonzept genauso wie neue Wege bei Verkehrswegen, der Elektromobilität und dem Öffentlichen Personennahverkehr. Zugleich nennt er als „elementares Thema" die Finanzsituation des Mühlenkreises und seiner Kommunen: „Wir können nicht über unsere Verhältnisse leben", mahnt er angesichts immer höherer Sozialausgaben. Und auch die Kreisumlage, die alle Mitgliedskommunen zur Finanzierung des Kreises abzuführen haben, sieht er weiter steigen. Im Gegenzug will er sich verstärkt um Fördergelder auf allen Ebenen bemühen – bis hin nach Brüssel. Beispielsweise, um die Bahnstrecke von Rahden nach Bremen zu erhalten beziehungsweise wiederzubeleben. Leuchttürme für jede Stadt und Gemeinde „Der Kreis hat ein Riesen-Potenzial", findet Gutsche und will ihn mit „Leuchttürmen" für jede Stadt noch attraktiver machen. In Lübbecke wäre das beispielsweise die Anbindung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie an das Medizinische Zentrum für Seelische Gesundheit am Krankenhaus gewesen. Das Denken in Altkreisgrenzen hingegen geht ihm völlig ab, das ist überhaupt kein Thema für ihn. Voraussetzung für alle genannten und weitere Ideen, die Siegfried Gutsche im Kopf hat, ist, macht der Landratskandidat der Grünen klar: „Politik und Verwaltung müssen schneller werden, schneller zu Entscheidungen kommen."

realisiert durch evolver group