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Auch diejenigen sollten versorgt werden, die nicht vom Breitband-Masterplan profitierten, sagte Ausschuss-Vorsitzender Wilfried Windhorst (CDU). - © Joern Spreen-Ledebur
Auch diejenigen sollten versorgt werden, die nicht vom Breitband-Masterplan profitierten, sagte Ausschuss-Vorsitzender Wilfried Windhorst (CDU). | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp So könnte Espelkamp für schnelles Internet sorgen

In Minden-Lübbecke läuft der Ausbau des Glasfasernetzes. Nicht jeder profitiert. Die Stadt Espelkamp soll deshalb nach dem Willen der Politik aktiv werden, sich aber nicht auf den Kreis verlassen.

Joern Spreen-Ledebur
04.12.2019 | Stand 03.12.2019, 20:16 Uhr

Espelkamp. Im Lübbecker Land hat der Breitband-Ausbau begonnen. Das Projekt hatte sich wegen Problemen bei der Ausschreibung verzögert, die Kosten haben sich von zunächst berechneten 60 Millionen Euro auf 122 Millionen Euro verdoppelt. Mit der Umsetzung des Breitband-Masterplans des Landkreises sollen unterversorgte Bereiche ans schnelle Internet angeschlossen werden. Es gibt allerdings Kritik – sowohl in Stemwede als auch in Espelkamp. In beiden Kommunen fordert die Politik, dass die Kommune tätig werden muss, denn vom Breitband-Ausbau profitiert nicht jeder. Vom Masterplan des Kreises Minden-Lübbecke werden Haushalte und Firmen erfasst, die derzeit Übertragungsraten von weniger als 30 Mbits je Sekunde haben. Das sind die laut Masterplan unterversorgten Gebiete, die so genannten weißen Flecken. Nach den weißen werden die grauen Flecken bearbeitet Da diese Übertragungsraten um 30 Mbits aus Sicht der Politik nicht zukunftsträchtig sind, soll in Stemwede die Gemeinde im Zweifelsfall selbst Geld in die Hand nehmen, um denen zum schnellen Internet zu verhelfen, die keinen Nutzen vom Masterplan haben – das sind dann die so genannten grauen Flecken mit Raten von vielleicht knapp mehr als 30 Mbits. Stemwede soll sich um Fördergeld kümmern und auch mit den Nachbarkommunen zusammenarbeiten. So hatte es vorige Woche der Ausschuss für Gemeindeentwicklung einstimmig beschlossen. "Bedenken, dass wir das mit dem Kreis zusammen hinkriegen" Einen ähnlichen Antrag wie die Stemweder CDU haben auch die Espelkamper Christdemokraten im Rathaus eingereicht und mit dem befasste sich gestern der Ausschuss für Stadtentwicklung. Auch die CDU Espelkamp will, dass alle Haushalte einen Glasfaseranschluss erhalten. Die Stadtverwaltung solle prüfen, ob das in Eigenregie der Stadt oder in Zusammenarbeit mit den benachbarten Städten und Gemeinden zu erreichen sei. Bund und Land wendeten sich ab von der 30 Megabit/Sekunde-Grenze und betrachteten nicht mehr nur die weißen Flecken, sondern auch die grauen, sagte Bürgermeister Heinrich Vieker. Vieker hofft auf neue Förderprogramme. „Wir müssen dann sofort Gewehr bei Fuß stehen und sofort rangehen.“ Stadt will schon jetzt Geld in die Hand nehmen Dem Vorschlag der CDU stimmte der Ausschuss einmütig zu – und auch dem Vorschlag des Bürgermeisters, im kommenden Jahr 20.000 Euro für Planungskosten in den Haushalt einzustellen. Ob man sich dann auf den Kreis verlassen sollte, das wisse er nicht, sagte der Bürgermeister. Er wolle gern auch mit den anderen Städten und Gemeinden sprechen, vor allem aber mit den Nachbarn in Rahden und Stemwede. Gemeinsam könne man von einem Planungsbüro Preise ermitteln lassen, meinte Vieker. Auch brauche man eine Markterkundung, um Fördergeld zu bekommen. „Und dabei wird es von jedem einzelnen die genauen Ist-Werte geben“, sagte er mit Blick auf die jetzigen Übertragungsraten im Netz. Internexio kommt schneller beim Ausbau voran als geplant Beim Fördergeld sei einiges im Gange, meinte Reinhard Bösch (SPD). „Das sollten wir anzapfen“. Die zügigste Ausbau-Variante solle gewählt werden, sagte Florian Craig (Grüne). Ohne Glasfaser seien alle abgehängt. Deutschland sei derzeit hier ganz weit abgehängt. Daher plädierte auch Craig für einen Einstieg in weitere Ausbau-Planungen für das Glasfasernetz. Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) möchte dreigleisig fahren. Wegen der bisherigen Erfahrungen habe er „Bedenken, dass wir das mit dem Kreis zusammen hinkriegen“. Gut sei es, den Ausbau mit den Nachbarn zusammen anzustreben. Notfalls müsse Espelkamp aber auch allein tätig werden, forderte Seidel. „Den politischen Ärger, dass ein Haus angeschlossen wird, das nächste 20 Meter weiter aber nicht, möchte ich mir gern ersparen.“ In Stemwede beginnen Glasfaser-Arbeiten Gute Nachrichten hatte Uwe Krabbe von der Internexio-Geschäftsführung parat. Internexio setzt den Breitband-Masterplan des Landkreises um und baut das Glasfasernetz aus. In Stemwede werde man ein halbes Jahr eher mit dem Tiefbau fertig als geplant Ende 2020. Noch im Dezember würden hier die Glasfaserarbeiten beginnen. Hüllhorst sei vorgezogen worden und fast komplett fertig und in Espelkamp sollen die Bauarbeiten nicht erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres beginnen, sondern möglicherweise sogar noch vor Weihnachten, sagte Krabbe. Die Bauarbeiten beginnen dann in der Altgemeinde und in Schmalge. Neue Nutzung für alte Oldendorfer Sparkasse Internexio will laut Krabbe direkte Glasfaserkabel zu den großen internationalen Knotenpunkten Hamburg und Frankfurt bauen. Die technischen Anlagen im Landkreis sollen dauerhaft in einem früheren Mindener Bankgebäude und im früheren Sparkassen-Gebäude an der Rathausstraße in Pr. Oldendorf untergebracht werden.

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