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Auch in Polen ist Rosi Saaksmeier schon gewesen, wie hier im Sommer 2008. „In Polen sind wir immer sehr herzlich aufgenommen worden", betont die begeisterte Wohnmobilistin. - © Sonja Töbing
Auch in Polen ist Rosi Saaksmeier schon gewesen, wie hier im Sommer 2008. „In Polen sind wir immer sehr herzlich aufgenommen worden", betont die begeisterte Wohnmobilistin. | © Sonja Töbing

Löhne Reisen mit dem Wohnmobil: Corona verstärkt den Trend

2006 haben Wohnmobil-Liebhaber einen Stammtisch gegründet. Der Erfahrungsaustausch findet weiterhin statt. Jüngere entdecken immer mehr die Vorteile des Reisens auf den eigenen vier Rädern.

Sonja Töbing
30.10.2020 | Stand 29.10.2020, 17:57 Uhr

Löhne. Reisen auf vier Rädern, rollend quer durch Deutschland und Europa, immer frei und unabhängig sein – Wohnmobilisten können sich nichts Besseres vorstellen. Auch in Löhne gibt es eine große Fangemeinde der fahrbaren Urlaubsunterkünfte – und seit 15 Jahren sogar einen festen Stammtisch.

Die Löhner Wohnmobilisten treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch, Klönen und Schnacken. Dabei war die Zielsetzung bei der offiziellen Gründung am 30. Januar 2006 eine ganz andere.

Mitglieder der ersten Stunde sind Rosi Saaksmeier und Wilfried Flottmann. „Wir wollten damals gerne einen Wohnmobil-Stellplatz auf dem Löhner Festplatz etablieren, aber seitens der Stadtverwaltung gab es Einwände", erzählt Saaksmeier. Aufgeben sei jedoch keine Option gewesen. Beim Stammtisch wollten sich die begeisterten Wohnmobil-Fahrer austauschen und überlegen, welche Alternativen es geben könnte.

„Man hat unser Anliegen damals falsch aufgefasst. Wir wollten keinen Ort, um unsere Fahrzeuge abzustellen, sondern einen Stellplatz für Touristen, die in Löhne Station machen möchten", betont Wilfried Flottmann. Der damalige Bürgermeister Kurt Quernheim habe schließlich den Weg für den auch heute noch bestehenden Platz hinter der Minigolf-Anlage neben dem Hallenbad geebnet.

30.000 Euro und viele Arbeitsstunden investiert

„Sieben private Investoren hatten sich zusammengefunden, um die rund 2.000 Quadratmeter große Fläche instand zu setzen", betont Flottmann. Rund 30.000 Euro habe man investieren müssen. „Und hätten wir nicht so viel in Eigenleistung gemacht, wäre es noch deutlich teurer geworden."

Zehn Jahre lang kümmerten sich die Löhner Wohnmobilisten um ihren Platz, dann entschieden sie sich dafür, ihn abzugeben. „Die Stadt hat ihn aufgekauft und an einen neuen Pächter übergeben", erklärt Hans Ruschmeier, der mit seiner Frau Marion ebenfalls zu den ersten Mitgliedern gehört.

Waren Wohnmobilisten vor 15 Jahren noch relativ rar gesät, beobachten die Löhner seit etwa fünf Jahren einen wahren Boom der Branche. „In der Anfangszeit waren es hauptsächlich ältere Menschen, die losgefahren sind, jetzt kommen immer mehr sogenannte ,Van-Lifer‘ hinzu, junge Familien oder Paare, die ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit verwirklichen möchten", sagt Rosi Saaksmeier. Auf Instagram und Youtube gebe es tausende Fotos und Videos von dem neuen Trend.

Früher vor Kirchen und Friedhöfen übernachtet

Diese Form der Selbstinszenierung ist den Löhner Wohnmobilisten fremd. „Für uns ist es einfach das schönste Hobby, das es gibt", betont Hans Ruschmeier. Auch wenn es relativ kostenintensiv sei: „Für ein neues und gut ausgestattetes Fahrzeug legt man schonmal bis zu 100.000 Euro hin." Doch gehe nichts über die Unabhängigkeit, die das Wohnmobil als fahrbare Unterkunft biete.

Rosi Saaksmeier (von links), Wilfried Flottmann sowie Marion und Hans Ruschmeier gehören zu den Gründungsmitgliedern des Stammtisches der Löhner Wohnmobilisten. Hier schauen sie sich Zeitungsartikel aus den vergangenen 15 Jahren an. Offiziell gegründet wurde der Stammtisch am 30. Januar 2006. - © Sonja Töbing
Rosi Saaksmeier (von links), Wilfried Flottmann sowie Marion und Hans Ruschmeier gehören zu den Gründungsmitgliedern des Stammtisches der Löhner Wohnmobilisten. Hier schauen sie sich Zeitungsartikel aus den vergangenen 15 Jahren an. Offiziell gegründet wurde der Stammtisch am 30. Januar 2006. | © Sonja Töbing

„Wir haben schon ganz Europa bereist, von Griechenland und Schottland über Spanien und Sizilien bis hin zum Baltikum. Auch in Deutschland gibt es so viele wunderschöne Ecken, die viele Menschen noch überhaupt nicht kennen", betont Ruschmeier. Wenn das Wetter schlecht sei, setze man sich einfach hinters Steuer und fahre ein paar Ortschaften weiter.

„Regentage sind Fahrtage", weiß auch Rosi Saaksmeier aus eigener Erfahrung zu berichten. Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre habe es noch keine Stellplätze für Wohnmobilisten gegeben. „Da hat man dann auf Parkplätzen von Kirchen oder Friedhöfen übernachtet", erzählt Wilfried Flottmann.

Mittlerweile habe sich das Angebot jedoch stark verbessert – sehr zur Freude aller Wohnmobil-Fans. „Die Corona-Krise hat den Trend nochmal verstärkt. Und in diesen Zeiten ist Reisen im Wohnmobil vermutlich die sicherste Möglichkeit, unterwegs zu sein", betont Flottmann. Man habe sein Zuhause immer dabei und müsse sich nicht zwangsläufig in große Menschenmassen stürzen.

Mit dem Wohnmobil durch Kanada

„Wir nehmen immer unsere Fahrräder oder den Roller mit und sind dann damit unterwegs. Frische Luft und Bewegung – besser geht es nicht", sagt Marion Ruschmeier. Und ihr Mann betont: „Ich werde so lange Wohnmobil fahren, bis ich nicht mehr hinters Lenkrad passe."

So manche Reiseträume schlummern noch in den Löhner Wohnmobilisten. Rosi Saaksmeier beispielsweise würde gerne „Insel-Hopping auf den Kanaren" ausprobieren. Ruschmeiers denken über einen Trip nach Korsika nach. Und Wilfried Flottmann wollte immer schon einmal mit dem Wohnmobil durch Kanada reisen. „Aber das wird wohl ein Traum bleiben. Denn wenn ich mein eigenes Fahrzeug mitnehmen möchte, lohnt sich nur ein längerer Aufenthalt, denn das Verschiffen alleine ist schon sehr kostspielig", erklärt der Rentner. Ein gemietetes Wohnmobil hingegen biete nicht den gewohnten Komfort: „Und alle Extras müssten dazu gebucht werden."

Also geht es erst einmal weiter quer durch Deutschland und Europa – das Hotel auf vier Rädern ist schließlich immer dabei.

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