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Georg Frank (75) im Schlafzimmer seines Wohnwagens. Er ist der Zirkusdirektor von "Paul Busch" und mit Leib und Seele Schausteller. - © Susanne Barth
Georg Frank (75) im Schlafzimmer seines Wohnwagens. Er ist der Zirkusdirektor von "Paul Busch" und mit Leib und Seele Schausteller. | © Susanne Barth

Löhne Zirkusdirektor von "Paul Busch" in Löhne: "Wir sind keine Tierquäler"

Fünf Vorstellungen geben die Artisten auf dem Festplatz am Freibad. Zirkusdirektor Georg Busch, der den Betrieb in achter Generation führt, hat nw.de einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Susanne Barth
11.08.2019 | Stand 11.08.2019, 13:56 Uhr |

Löhne. Gemütlich ist es im Wohnwagen von Georg Frank und erstaunlich groß. Der 75-Jährige ist für ein paar Tage in Löhne und campiert auf dem Festplatz am Freibad. Sein Drei-Raum-Domizil hat nicht nur ein großes Bett, sondern auch eine Badewanne. Georg Frank macht in Löhne aber nicht etwa Urlaub, er ist zum Arbeiten hier. Der Ort des Geschehens liegt nur einen Steinwurf vom Wohnwagen entfernt: das Zirkuszelt. Georg Frank stammt aus einer alten Zirkusdynastie. "Mein Vater, mein Großvater, mein Urgroßvater waren schon beim Zirkus", zählt er auf. "250 Jahre liegen hinter uns, ich führe die Familiengeschichte in achter Generation." Er selbst hat sechs Kinder, 14 Geschwister, 68 Enkelkinder und 54 Urenkel - und alle sind mit Leib und Seele dabei. In all den Jahren habe nie jemand etwas anderes machen wollen. Frank: "Keiner ist ausgestiegen." Das Zirkusleben ist nicht nur rosarot Mit Frack und Zylinder steht er in der Manege unter der Zirkuskuppel, wo zum Start der Show Angelina eine Tuchseilartistik zeigt. Georg Frank führt durchs Programm und ist das Oberhaupt des Zirkus "Paul Busch": "Wenn ich hier drin bin, bin ich ein anderer Mensch." Auch wenn er das Leben als Schausteller nicht missen möchte - "ich bin im Wohnwagen geboren, hier möchte ich auch sterben" - ist das Zirkusleben nicht nur rosarot. Frank: "Es hat sich alles verändert." Früher gehörten Raubtiere und Elefanten ganz klar dazu. "Mein Vater besaß den größten, dressierten Elefantenbullen. Damit sind wir sogar in Asien aufgetreten." Sieben Wochen lang ging es von Rotterdam auf dem Schiff Richtung Korea. "Das war unglaublich", erinnert sich Frank. Auch in Marokko, Spanien, Italien, Dänemark und Frankreich war die Familie mit ihrer Show. "Wir haben die Welt bereist." In jeder Stadt werden die Betriebe kontrolliert Heute hat sie keine Raubtiere mehr. Die Häuser, die immer noch Löwen und Tiere im Programm haben, werden von Tierschützern der Tierquälerei bezichtigt, an den Auftrittsorten wird protestiert, einige Städte haben schon ein Wildtier-Auftrittsverbot ausgesprochen, dort dürfen die Zirkusse nicht spielen. Auch wenn der Zirkus "Paul Busch" keine Raubtiere im Programm hat, auf Tiere möchte die Familie nicht verzichten. Die Zuschauer bekommen Haus- und Nutztiere zu sehen: Kamele, Hunde, Ponys, aber auch Rinder und edle Pferde. Denen gehe es hier gut, sagt der Chef und zeigt auf dem Festplatz, was er meint. Die Kamele Soleika, Ivan, Samira und Tamara haben ein großes Gehege und kommen neugierig auf die Reporterin zu. Unweit davon entfernt grasen Rinder und Ponys. Frank: "Die Tiere sind unser Brot. Warum sollte ich sie nicht gut behandeln?" Zudem seien Zirkusse einer der meist kontrollierten Betriebe mit Tieren. "In jeder Stadt kommt jemand vom Veterinäramt und schaut sich um." Auch sagt der Direktor offen: "Beschwerden kann ich mir nicht leisten." "Wenn 100 Leute zum Auftritt kommen, bin ich schon froh" Denn einfach sei es heutzutage nicht mehr, die Zuschauerreihen im Zirkuszelt zu füllen. "Wenn 100 Leute zum Auftritt kommen, bin ich schon froh." Dennoch könnte sich weder Vater Georg Frank, noch eines seiner sechs Kinder vorstellen, etwas anderes zu machen. "Zirkus ist unser Leben. Es ist ein Stück Kulturgut, das nicht unter gehen darf." Für zwei Stunden wollen die Artisten die Zuschauer in eine andere Welt entführen. Bei der Premiere am Freitagnachmittag merkt man die freudige Spannung kurz vor Beginn der Show vor allem bei den jüngsten Besuchern. Als dann die Musik ertönt - Emilio Frank spielt noch live - und ein Teil der Familie zur Begrüßung die Manege betritt, ist bei vielen Zuschauern der Funke übergesprungen. Und Georg Frank hat geschafft, was er sich Tag für Tag in jeder Stadt erneut vornimmt: "Ich möchte die Besucher verzaubern."

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