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Die Demonstranten beenden ihre Fahrt wieder auf dem Rathausplatz. - © Lena Kley
Die Demonstranten beenden ihre Fahrt wieder auf dem Rathausplatz. | © Lena Kley

Herford Diese gefährlichen Stellen für Fahrradfahrer gibt es in Herford

Die Fahrrad-Demo hat wieder auf die schlechten Wege und Bedingungen in Herford aufmerksam gemacht. Einige Stellen sind echte Gefahrenzonen.

Lena Kley
02.07.2019 | Stand 01.07.2019, 19:02 Uhr

Herford. Sie ist eine der engsten Stellen für Fahrradfahrer in Herford: Der Weg unter der Unterführung an der Lübberstraße. Erst am Samstag gegen Mittag sind hier ein 29-jähriger Mindener und eine 42-jährige Herforderin aus entgegengesetzten Richtungen gekommen und zusammengestoßen. Während er sich nur leicht verletzte, erlitt die Frau dabei schwere Kopfverletzungen. Dieser Unfall ist nur ein Beispiel dafür, warum in Herford 200 Teilnehmer gegen die schlechten Fahrradwege in Herford demonstriert haben. "Die Stelle an der Lübberstraße hatte schon die vorvorletzte Radverkehrsbeauftragte kritisiert", erinnert sich Clemens Niemann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), der als Vertreter seiner Organisaionen bei der Fahrraddemo an vorderster Front fuhr. Eingeladen hatte ein Verbund mehrerer Herforder Umwelt- und Verkehrsvereine sowie Parteien unter dem Motto "#Mehrplatzfürsrad". Die zehn Kilometer lange Fahrt startete mit einer Kundgebung auf dem Rathausplatz und führte weiter über die Berliner Straße, auf die Mindener Straße, Hansastraße, Bünder Straße, Auf der Freiheit und Hermannstraße. "Das sind auch die Straßen, die problematisch sind", sagte Irmgard Pehle von den Naturfreunden Herford, die Mitorganisatorin war. Sie gab einen Überblick über die kritischen Stellen entlang der Route. Auf der Berliner Straße, Hansastraße und bei der Bahnunterführung haben es Radfahrer schwer Auf der Berliner Straße falle zunächst die Auffahrt auf, wo Fahrradfahrer in direkter Konkurrenz zu linksabbiegenden Autos stehen (Punkt 1 auf der Karte). "Zudem hat die Straße nur einen kleiner Radweg, der plötzlich endet", sagte Pehle (2). Wer dann von der Berliner auf die Mindener Straße abbiege, habe keinen Radweg, da der zur Zeit wegen der Absperrung am Brandhaus auf der rechten Seite bis zur Brücke wegfällt (3). Die Demo geht zwar aufgrund der Routenplanung nicht direkt an diesen Stellen vorbei, aber an der Berliner Straße. Auf der Mindener Straße geht es weiter: Ab der Kreuzung Hansastraße (4) ist ein durchwurzelter Radweg. "Wegen der Ausweisung dort hält sich die Auffassung, dass Radelnde die Straße nicht befahren dürfen", betonte Pehle. Auch in Richtung Stadt ist hier kein Radweg (5). Eng wird es auf der Kreuzung Hansastraße/Goebenstraße (6). Hier gäbe es kaum Aufstellfläche für Räder vor den Ampeln. Gleich dahinter, bei der Bahnunterführung Sophienstraße (7), ist zwar der Weg für Radfahrer frei, sei aber gefährlich bei Begegnung mit Fußgänger. An der Bünder Straße Richtung Enger Straße (8) endet der Radweg dann abrupt. Der Platz für Radfahrer fehlt Und das seien noch längst nicht alle Stellen. An unzähligen Wegen fehle darüber hinaus schlichtweg der Platz für Radfahrer. Irmgard Pehle forderte, dass die Politik für eine klimafreundliche Zukunft alle Verkehrsmittel miteinander vernetzt müsse. "Wenn wir mehr Pendler auf die Schiene locken wollen, dann müssen Busse angepasst fahren und Räder Abstellplätze finden", sagt Pehle. Gerade in den Ortsteilen, in denen Menschen auf das Auto kaum verzichten könnten, müssten integrierte Konzepte entstehen. Genau dieses Problem hat auch Phöbe Schröder: "Ich selbst komme aus Oetinghausen, und wenn man sich da denn öffentlichen Nahverkehr anschaut, bleibt meist nur das Rad." Die 19-Jährige ist Mitglied der Fridays for Future-Bewegung aus Herford. Von ihnen nahmen auch Vertreter an der Demo teil. "Unsere Forderungen stimmen mit den Forderungen der Veranstalter der Demo überein", erklärt Schröder. Für die 19-Jährige hinke Herford bei der Infrastruktur für Radfahrer im Vergleich zu anderen Städten hinterher. Mit der Anzahl der Teilnehmer, die trotz des heißen Wetters bei der Demonstration teilnahmen, ist Peter Dobrindt sehr zufrieden: "Es sind sogar 50 Menschen mehr als bei der Fahrrad-Demo im letzten Jahr."

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