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Angela Brüning - Mitglied im ADFC Enger-Spenge - radelt jeden Schultag von Bielefeld über Enger bis Bünde und zurück. Mit diesem Fahrrad hat sie schon weit mehr als 125.000 Kilometer zurück gelegt - © Karin Wessler
Angela Brüning - Mitglied im ADFC Enger-Spenge - radelt jeden Schultag von Bielefeld über Enger bis Bünde und zurück. Mit diesem Fahrrad hat sie schon weit mehr als 125.000 Kilometer zurück gelegt | © Karin Wessler

Enger/Spenge Warum eine Lehrerin pro Jahr 25.000 Kilometer mit Rad bis nach Enger fährt

Angela Brüning ist Radfahrerin aus Überzeugung. Jeden Tag fährt sie bei Wind und Wetter mit ihrem Bike die 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Und das aus Bielefeld.

Karin Wessler
10.08.2019 | Stand 09.08.2019, 20:11 Uhr

Enger. Angela Brüning ist überzeugte Radfahrerin. Von Kindheit an war sie immer mit dem Zweirad unterwegs - und das hat sie bis heute durchgezogen. Ihre Lust am Radfahren motiviert sie, täglich auch zum Arbeitsplatz zu fahren. Selbst Schnee, Sturm und Regen können sie nicht davon abhalten, von Bielefeld-Schildesche über Enger bis nach Bünde zu radeln, wo sie an einem Gymnasium Sprachen unterrichtet. Für die 25 Kilometer-Strecke benötigt sie rund eineinviertel Stunden - morgens hin, nach Unterrichtsende wieder eineinviertel Stunden zurück. Das ist sie alles andere als eine Belastung: "Radfahren bedeutet für mich Lebensqualität", betont die Lehrerin. Sie ist bestens ausgerüstet. Alles, was sie für den Schulunterricht benötigt, findet in den wasserdichten Radtaschen Platz - Bücher, Ordner, Arbeitshefte zum Korrigieren, aber auch die Box mit Essen und Kleidung zum Wechseln. "Da muss man sehr gut organisiert sein, damit nichts vergessen wird", sagt die 43-Jährige schmunzelnd. Und es ist einiges an Gewicht, was sie radelnd transportiert. "Das merkt man schon in den Beinen", gesteht sie. Auffällige Bekleidung Auf ihr geliebtes Rad setzt sich Angela Brüning ausschließlich in auffälliger Bekleidung: "Ich fahre immer in knallgelb", sagt sie lachend. "Damit mich die Autofahrer nicht übersehen." Zusätzlich zur gelben Wetterjacke schnürt sie sich einen Reflektor um. "Sicher ist sicher." Und immer trägt sie einen Helm. "Ich habe mich auf dem Fahrrad nirgends so unsicher gefühlt wie in Ostwestfalen", musste sie feststellen. "Es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen, denn es gibt nicht überall Radfahrwege und Autofahrer übersehen mich oder schneiden mich auch", so ihre Erfahrung. Ihr jetziges Rad hat sie sich vor fünf Jahren zugelegt. "Da stehen schon über 125.000 Kilometer auf dem Tacho", sagt sie lachend. "Das macht rund 25.00 Kilometer im Jahr." Denn sie fährt nicht nur jeden Schultag nach Bünde, sie ist auch privat oft mit dem Radl unterwegs, um ihre Heimat kennen zu lernen oder einfach schöne Touren zu unternehmen - auch mit anderen ADFC-Mitgliedern. Und: "Ich kaufe halt auch gerne in Unverpackt-Läden ein, denn ich möchte Plastikmüll vermeiden", berichtet sie. Als sie nach Bielefeld gezogen war, scheute sie nicht, die Anreise zum nächsten "Unverpackt"-Laden mit dem Rad anzutreten - der war damals in Münster und 100 Kilometer entfernt. "Da bin ich morgens früh gestartet, mit vier Satteltaschen voll leerer Tupper-Boxen." In dem Münsteraner Laden habe sie sich auf Vorrat eingedeckt. "Und da habe ich erst mal eine Stärkung bekommen für den Großeinkauf, damit ich auf dem Heimweg nicht schlapp mache." Sie habe auch die Rücktour gut bewältigt, auch wenn die Taschen nun recht schwer waren. Mittlerweile gebe es in Osnabrück, Bad Oeynhausen und in Bielefeld solche Läden. "Aber ich fahre einfach nicht gerne in die City hinein." Die Radwege seien eher schlecht, die Straßen eng. "Die Stadt ist voll mit Autos." Erste Tour führt zur Lutternschen Egge An ihre erste Fahrt mit einer Truppe des ADFC in Enger kann sich Angela Bruning noch gut erinnern. "Ziel war die Lutternsche Egge. Da waren mit dem Rad einige Steigungen zu bewältigen", weiß sie noch. Ihre Mitfahrer hätten sie genau beobachtet, das sei ihr aufgefallen. "Aber aus meiner Heimat, dem Bergischen Land, bin ich es von Kindheit an gewohnt, auch Hügel hinauf zu fahren. Und ich bin gut hinauf gekommen." Seither sei sie "akzeptiert" im Kreise der hiesigen Radfahrer. Mittlerweile leitet sie selbst Touren für den ADFC Enger-Spenge, sie kennt die schönsten Strecken in der ganzen Region und im Land. Denn auch im Urlaub unternimmt Angela Brüning gern längere Mehrtagestouren. Verzicht auf Autofahrten Sich selbst ans Lenkrad eines Autos zu setzen, kann sie sich derzeit nicht vorstellen. "Bei einem längeren Aufenthalt in England habe ich zwar den Führerschein gemacht", sagt sie lachend. "Aber gefahren bin ich nicht oft. Ich habe nie wirklich Fahrpraxis erlangt." Sie möchte Fahrrad fahren, solange es gesundheitlich geht und sie dazu in der Lage ist. Der Wunsch von Angela Brüning, die eine durchaus positive CO2-Bilanz vorweisen kann, ist: "Es sollten mehr Fahrradwege gebaut werden, die ganze Thematik muss höher angesiedelt werden, und es für eine bessere Akzeptanz von Fahrradfahrern gesorgt werden", sagt sie, und sie ist überzeugt: "Viele Menschen nutzen das Auto aus Bequemlichkeit, es ist etwas Gewohntes. In den Köpfen der Menschen muss sich endlich was tun."

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