Erinnerung an einen besonderen Augenblick: Ernst Albien (l.) überreichte Gastredner Clemens Tönnies als Dankeschön ein Foto von der Grundsteinlegung des Rhedaer Fleischwerkes. - © Wilhelm Dick
Erinnerung an einen besonderen Augenblick: Ernst Albien (l.) überreichte Gastredner Clemens Tönnies als Dankeschön ein Foto von der Grundsteinlegung des Rhedaer Fleischwerkes. | © Wilhelm Dick

Rheda-Wiedenbrück Clemens Tönnies blickt in Rheda-Wiedenbrück auf seine Anfänge zurück

Während vor dem Domhof demonstriert wird, erzählt Clemens Tönnies von der Erfolgsgeschichte des Tönnies Fleischwerks.

Wilhelm Dick
08.07.2019 | Stand 08.07.2019, 13:52 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Die Aussicht, die Erfolgsgeschichte des Tönnies Fleischwerks aus erster Hand zu hören, sorgte für ein rappelvolles Haus. Wohl noch nie ist der Heimatverein Rheda mit einem Vortrag zum Auftakt des jährlichen Geschichtsfestes auf ein solch großes Interesse gestoßen. Der Domhof platzte beim Abend „Es geht um die Wurst" jedenfalls aus allen Nähten, als Clemens Tönnies, längst Global Player in Sachen Fleisch, auf seine Anfänge zurück blickte. Da war der bekennende „Rhedaer Junge" in seinem Element und nahm seine gebannt lauschenden Zuhörer mit in die Kleine Straße in Rhedas Altstadt, wo in der bescheidenen elterlichen Metzgerei seine Wurzeln, wie auch die des vier Jahre älteren Bruders Bernd, lagen. Wurzeln, aus denen schließlich ein weltweit agierendes Imperium wachsen sollte. Im Umgang mit seinen Zuhörern wohlwollend-freundlich In leutseligem Tonfall war „der Clemens" bei der Schilderung seiner „tollen Kindheit" ganz nahe bei „seinen Rhedaern", von denen er viele persönlich ansprach. Mit der Schilderung des stetigen Wachstums des, bis zu dessen Tod gemeinsam mit Bruder Bernd, aufgebauten Unternehmens stand da aber nicht mehr der Junge aus der ehemaligen Nachbarschaft. Da stand der inzwischen 63-jährige gestandene Mann, dem „die liebe Liz" (gemeint war Bertelsmann Patriarchin Mohn) mal schnell die Bertelsmann Repräsentanz unter den Berliner Linden überlässt, um mit Kapazitäten aus aller Welt etwa über das Thema „Tierwohl" zu konferieren. Längst lag der Focus nur noch auf dem zweiten Teil des Eingangs-Statements: „Tönnies _ lokal verwurzelt, weltweit aktiv". Und doch reicht die lokale Verwurzelung in die Gegenwart, so der Unternehmer. Denn die drei Grundprinzipien seines Vaters gelten auch noch für den Fleisch-Multi: Tiere, die man schlachtet, sollen so human wie möglich getötet werden. Wer gute Wurst machen will, muss selber schlachten. Ein Versprechen ist ein Vertrag. Und auch ein weiterer Grundsatz der Eltern gilt für den Filius noch heute: „Du sollst nur das verkaufen, was du mit Appetit selber isst". Eher „Nein danke", sagt Clemens Tönnies dennoch bei den Veggie-Produkten, die verstärkt in den Markt drängen, und bei denen sein Unternehmen, schon 40 Prozent des Marktes abdecke. 14.000 landwirtschaftliche Betriebe beliefern Tönnies mit Schweinen Weil es „beim Fleisch auch um den Genuss geht", greift er dann doch eher bei Mc Donalds zum Burger: Schließlich ist Tönnies längst Hauptlieferant der „Patties" genannten Fleischklopse zwischen den Brötchenhälften. Und so erfuhren die Zuhörer weiter, dass Tönnies auch in den Fleisch- und Wursttheken der Edeka- und der Rewe-Ketten längst tonangebend ist. Weiter ging die Faktenschau zu den 14.000 landwirtschaftlichen Betrieben, die Tönnies mit Schweinen beliefern. Wenn das Unternehmen heute bereits 52 Prozent seines Umsatzes mit dem Export tätigt, geschehe das nicht zuletzt auch mit dem Blick auf diese Zulieferer: „Wir brauchen den Export, um den Landwirten eine gleichmäßige Abnahme garantieren zu können". Bei einem kleinen Ausflug zum neuen „Tierwohl"-Label kam Tönnies schließlich auf den „tollen Landwirt" Christoph Bühlmeyer zu spechen, mit dem zusammen das Unternehmen Tönnies auf dessen Hof auf der Marburg eine neue, zukunftsweisende Form der Schweinehaltung entwickele. Das Unternehmen zählt 6.300 Mitarbeiter Lediglich ein Zuhörer wagte es, zaghaft nach dem Thema „Subunternehmer" zu fragen - die Tönnies braucht, wie er freimütig bekannte. „Und die in unserem System auch hervorragend funktionieren". Gut 6.300 Mitarbeiter zählt das Unternehmen derzeit am Stammsitz Rheda. der längst von anfangs 16.000 Quadratmetern auf heute 182.000 angewachsen ist. 3.300 davon sind fest angestellt, 3.000 sind Werkvertragsarbeiter. „Und wenn es diese 3.000 nicht gäbe", so Tönnies lapidar, „dann gäbe es die anderen 3.300 auch nicht". Vor dem Domhof wird demonstriert Mit dem Fahrrad war Clemens Tönnies zu seinem Vortrag im Domhof geradelt, wo er im schneidigen Tempo an der Kette der Demonstranten auf dem Vorplatz vorbei sauste. Einmal mehr demonstrierte dort das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung und nahm in vielen Spruchbändern die Massentierhaltung und deren Folgen für Tier und Natur in den Focus. „Tiere sind Lebewesen, keine Lebensmittel", hätte Tönnies etwa lesen können, so er denn angehalten hätte. Oder auch „Fleisch ist ein Klima-Killer" und „Tiere wollen leben, genau wie wir". So wie Tönnies hielten es auch die meisten Besucher: Wegschauen, allenfalls verständnislose Blicke. Kaum, dass jemand das Gespräch mit den Demonstranten suchte. Die dann vorrangig zu hören bekamen: „Was hat ihr Protest denn mit dem Heimatverein und unserem Thema zu tun?" Einige wenige ließen sich zumindest ein Flugblatt in die Hand drücken, aus dem sie dann entnehmen konnten, „dass die Nutztier-Industrie einer der größten Verursacher der Klimakatastrophe ist und zugleich wie kaum eine andere Branche für die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur steht".

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