Die Bundeswehr mit einem Stand auf der Gamescom 2015. - © picture alliance (Archiv)
Die Bundeswehr mit einem Stand auf der Gamescom 2015. | © picture alliance (Archiv)

Köln Bundeswehr sorgt mit Plakaten nahe der Gamescom für Fassungslosigkeit

"Multiplayer at its best" steht auf einem Werbeplakat. Darauf zu sehen: Soldaten in Computerspiel-Optik. Twitter-Nutzer finden: "Die Bundeswehr stellt den Krieg so dar, als sei das ein Spiel."

Matthias Schwarzer

Köln. Die Bundeswehr ist in der Vergangenheit immer wieder mit ihren Werbekampagnen in die Kritik geraten. Nun sorgen zwei Plakate für Fassungslosigkeit in den sozialen Netzwerken. Im Rahmen der Spielemesse "Gamescom" in Köln wirbt die Bundeswehr mit umstrittenen Motiven. Was ist das Problem? "Multiplayer at its best" ist auf einem Plakat zu lesen, das nahe der Messe in Köln aufgehängt wurde. Das Plakat zeigt bewaffnete Kämpfer in Computerspiel-Optik. Auf einem anderen steht "Mehr 'Open World' geht nicht" - in Anlehnung an eine bestimmte Gattung von Videospielen. Auf beiden Plakaten wird zudem auf den Bundeswehrstand in Halle 5 der Gamescom verwiesen. Auf Twitter hagelt es Kritik: "Die Bundeswehr lässt den Krieg so darstellen, als sei es ein Spiel", schreibt Nutzer @MOKoffiziell. die Bundeswehr lässt den Krieg so darstellen als sei es ein Spiel... #Gamescom2018 armes deutschland pic.twitter.com/JKbHpxWjv9 — MOK (@MOKoffiziell) 21. August 2018 "Das ist echt widerlich", kommentiert ein anderer. Der Blogger Mario Sixtus schreibt: "War das nicht immer der Vorwurf gegen Gamer? Sie könnten angeblich virtuelles Töten von echtem nicht unterscheiden? Die Bundeswehr kann das ganz offensichtlich wirklich nicht." Weitere Reaktionen: Ich verachte Gamescom und Bundeswehr dafür. Von ganzem Herzen. pic.twitter.com/K9sT560R5e — Franz van Aken (@1aFranz) 21. August 2018 Was die Bundeswehr verschweigt: - Es gibt nur ein Leben - Respawn höchstens vor dem jüngsten Gericht - Med Packs? *rofl* - Save Games oder Restart unmöglich - Es gibt keinen Beginner’s Mode - Es gibt keinen Cheat Mode - Die wenigsten Gegner schießen wie Stormtroopers - etc — サイラスマックデュガン (@Cyrus_McDugan) 22. August 2018 Die @bundeswehrInfo wirbt auf der #gamescom mit echtem Krieg als ultimativem Spiele-Erlebnis. Das ist nicht dumm oder naiv, das ist schlicht menschenverachtend. Leider fürchte ich, sie werden damit genau ihre Zielgruppe erreichen. https://t.co/iURJj8mvUh — Paul David Lüschen (@verluescht) 22. August 2018 Zum Soldaten ausgebildet werden, ein Spiel. Menschen töten, ein Spiel. Dabei zusehen, wie Zivilisten sterben, ein Spiel. Kamerad*innen schwer verletzt oder sterben sehen, ein Spiel. Eine Kugel in den Kopf bekommen, game over. Im Krieg gibt es keinen re-spawn point. https://t.co/SWjEf3hAiU — Martin Gommel (@martingommel) 22. August 2018 So reagiert die Bundeswehr Ein Sprecher der Bundeswehr erklärt auf Anfrage von nw.de, man habe mit der Kampagne die Werte der Bundeswehr darstellen wollen: "Kameradschaft und der Einsatz für eine freie Welt." Das gelte auch für den Spruch "Multiplayer at its best". Die Kampagne habe man bewusst im Stile einer Videospiel-Werbung gestaltet, um die Gamescom-Zielgruppe zu erreichen. Mit der Plakatierung habe man junge Erwachsene zum Nachdenken bewegen wollen, wofür sie ihre Zeit einsetzen wollen. "Krieg spielen oder für den Frieden kämpfen?" Werbekampagnen immer wieder in der Kritik Es ist nicht die erste Kampagne der Bundeswehr, die auf Kritik stößt. Im Jahr 2016 warb die Bundeswehr gezielt auf der Plattform YouTube um Nachwuchs. Das Format "Die Rekruten" war aufgebaut wie eine Reality-Show und ein riesiger Erfolg. Politiker hatten die Darstellungsform damals als unangemessen kritisiert: "Soldat ist kein Beruf wie jeder anderer und schon gar kein Abenteuer. Werbevideos dürfen nicht wie Actionfilme wirken", sagte seinerzeit der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner. Zwei Jahre zuvor hatte die Bundeswehr in der Jugendzeitschrift "Bravo" mit einem "Sommercamp" geworben. Ein Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten sagte damals: "Militärwerbung bei Minderjährigen, vor allem wenn sie so einseitig und realitätsfern ist wie die der Bundeswehr in der Bravo, ist nicht nur ethisch fragwürdig - sie ist auch nicht mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Uno-Kinderrechtskonvention vereinbar."

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