Das Gefühl, den Gegner perfekt ausgespielt zu haben, ist eines der erfüllendsten am Spielerlebnis von Madden. Da kann man sich schon mal feiern lassen. - © EA
Das Gefühl, den Gegner perfekt ausgespielt zu haben, ist eines der erfüllendsten am Spielerlebnis von Madden. Da kann man sich schon mal feiern lassen. | © EA

Games Football-Simulation "Madden 19" im Test: Krieg mit Schulterpolstern

Der strategisch anspruchsvolle Sport ist nichts für Anfänger. Allerdings sorgt er auch für eine Befriedigung, wie sie wenige Spiele hinbekommen

Björn Vahle

Für die einen ist es gewalttätiges Kuddelmuddel mit Verletzten, für die anderen der Gipfel der strategischen Sportarten: American Football polarisiert, aber begeistert mittlerweile auch Deutschland hunderttausende Fans. Dennoch dürften viele mit "Madden 19" so ihre Probleme bekommen. Denn so viel vorweg: American Football und damit auch Madden ist nichts für Anfänger. Wer nicht weiß, worauf er beim Lauf- oder Passspiel achten muss, aus der Aufstellung der gegnerischen Defensive nicht lesen kann, was diese vorhat, der wird die Erfolgsmomente an einer Hand abzählen können. Mal eben das "lange Brot" über den halben Platz werfen und den spektakulären Catch bewundern, wird in den wenigsten Fällen funktionieren. Aber von vorn. Das Ziel beim Football ist es, vereinfacht gesagt, den eiförmigen Ball in die Endzone des Gegners zu befördern. Dafür gibt es Lauf- und Wurfspielzüge. Der Gegner versucht seinerseits, uns zu stoppen. Erzielen wir in vier Versuchen keine zehn Yards Raumgewinn, wechselt der Ballbesitz - und wir müssen verteidigen. Denn sie wissen nicht, was sie tun Wie gesagt, das ist die grobe Vereinfachung eines Spiels, das Millionen verschiedener Spielzüge kennt - und in Sekundenbruchteilen die Richtung ändern kann. Die meiste Zeit über spielen wir den Quarterback, also den Werfer, der entscheiden muss, ob er wirft oder laufen lässt. In kürzester Zeit müssen wir überblicken, welcher Spieler frei ist oder wird und wo wir besser nicht hinspielen sollten. Dabei muss man auch die Defensive des Gegners lesen können. Läuft die mit Allemann den Quarterback an, um den Pass zu unterbinden? Oder deckt sie doch den Raum? Wie setzen wir das erlaubte Spiel mit der Zeit zu unseren Gunsten ein? All das entscheidet, ob unser Spielzug gelingt. Und pro Spiel gibt es davon unzählige. Daran merkt man schon: Das Spiel ist hochkomplex. Zwar gibt es drei Schwierigkeitsgrade, die das Spielerlebnis auch vereinfachen können. Dennoch sollte man wissen, was man tut. Denn erklären tut Madden nichts. Auch die Tutorials sind eher vertiefende Übungen. Wer nicht versteht, warum er bestimmte Spielzüge trainiert, der wird ihre Stärken auch im Spiel nicht anwenden können. Viele, aber wenig neue Spielmodi Dafür bietet das Spiel Fans mit fortgeschrittenem Verständnis viele, aber kaum neue Möglichkeiten. Neben einem Karrieremodus, den wir entweder als Spieler, Trainer oder Manager angehen können, dem aus der Fifa-Serie bekannten Ultimate Team-Kartenspiel und einem Online-Modus gibt es auch wieder einen Storymodus, in dem wir die Geschichte zweier Jugendfreunde auf dem Weg in die NFL erleben. Die entwickelt aber zu wenig Tiefe, sowohl erzählerisch als auch spielerisch. Immerhin stellt "Longshot" noch am ehesten eine Möglichkeit dar, als Neuling den Einstieg ins Spiel zu schaffen, da sich hier in Grenzen hält und vergleichsweise gut erklärt wird, was wir tun müssen. "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" Schön: Erstmals seit 11 Jahren gibt es wieder eine PC-Version, die den Konsolen vor allem die nochmal schönere Grafik voraus hat. Doch auch so sieht das Spiel klasse aus, die Animationen sind meist butterweich, der Detailgrad enorm. Allerdings sollte man grundsätzlich der englischen Sprache mächtig sein. "Madden 19" verzichtet auf eine deutsche Sprachausgabe. Bei allem, was das Spiel für Neulinge schwer zugänglich macht, muss aber auch gesagt werden: Kaum ein Spiel lässt uns so zufrieden zurück wie Madden, wenn einmal alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Dann fühlt man sich wie ein siegreicher Stratege, im Krieg mit Schulterpolstern. Denn hat man einmal in letzter Sekunde einen Pass zwischen vier Verteidigerhänden hindurch dem eigenen Receiver in die Handschuhe geschweißt, mit ihm per Spin-Move einen weiteren Defender aussteigen lassen, um dann per Hechtsprung in die Endzone zu fliegen und den Rückstand in einen Sieg zu drehen, dann erreicht "Madden" den Höhepunkt seiner Faszination.

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