Selbsthilfe: Michaela Heinze (51) vernetzt Frauen in OWL. - © Miriam Scharlibbe
Selbsthilfe: Michaela Heinze (51) vernetzt Frauen in OWL. | © Miriam Scharlibbe

Bielefeld Expertin erklärt die Kunst des Netzwerkens für Frauen

Weg zur Lohngerechtigkeit (7): Michaela Heinze rät zu weniger Bescheidenheit, mehr Ellenbogenmentalität und zum Mut, sich Verbündete zu suchen

Miriam Scharlibbe

Frau Heinze, Sie bringen anderen Frauen das Netzwerken bei. Haben die das so nötig? Michaela Heinze: Teilweise. Im privaten Rahmen können Frauen sehr gut netzwerken. Wenn es darum geht, zu kommunizieren, sich auszutauschen oder mit Kontakten weiterzuhelfen sind sie spitze. Frauen wissen immer, wo der beste Arzt ist, das gute Restaurant oder der nette Friseur und teilen diese Ressourcen meistens gerne mit anderen. Aber wenn es darum geht, für sich selbst Kontakte zu schließen und für die Karriere zu nutzen, haben viele Nachholbedarf. Wie erklären Sie sich das? Heinze: Frauen sind fachlich oft sehr gut. Sie glauben, wenn sie gute Noten und Qualifikationen haben, bekommen sie gute Jobs. Statt für sich zu werben, glänzen sie mit Bescheidenheit. Netzwerken ist ja auch eine innere Haltung. Viele Frauen trauen sich das nicht zu. Dabei kann man und frau netzwerken lernen. Frauen sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in der Kommunikation? Heinze: Frauen ist es oft eher ein Anliegen, verstanden zu werden. Wenn sie wissen, dass ihr Gesprächspartner zum Beispiel weniger technischen Hintergrund hat, versuchen sie auf viele Fachbegriffe zu verzichten. Männern ist es wichtig zu zeigen, was sie können. Es heißt ja nicht umsonst: „Gib einem Mann Wissen und du hast einen wissenden Mann. Gib einer Frau Wissen und du hast eine wissende Familie." Trotzdem sind Männer noch immer in vielen Berufen erfolgreicher – auch, was die Bezahlung angeht... Heinze: Ja, leider. Das liegt zum Teil auch daran, dass Frauen angepasster sind. Sie kennen ihren eigenen Wert oft nicht, machen schlechtere Preise und geben sich mit geringen Gehältern zufrieden. Wie können Frauen selbst aktiv ihre Situation ändern? Heinze: Ich rate immer dazu Bewerbungsgespräche und Gehaltsverhandlungen zu üben. Dazu sollte man sich auch auf Jobs bewerben, die man nicht hundertprozentig will. In solchen Gesprächen reagiert man freier und ist dann gewappnet für die Verhandlung um den Traumjob. Männer machen das nicht anders. Manche gehen gar nicht zu einem Vorstellungsgespräch, wenn das Gehalt nicht passt. Klingt nach Ellenbogenmentalität... Heinze: Nicht unbedingt. In jedem Job gibt es auch mal Widerstände. Aber wenn ein Mann von der Seite gefoult wird, geht er trotzdem weiter nach vorne. Frauen sind harmoniebedürftiger. Sie machen sich schneller Gedanken darüber, was andere sagen. Aber ein Kollege, der die eigene Idee in großer Runde als seine ausgibt, darf zurechtgewiesen werden. Unternehmen suchen auch Persönlichkeiten. Wie kann ich das lernen? Heinze: Frauen sollten wissen, wer sie sind und was sie wollen. Dann können sie das besser einfordern. Außerdem hilft es, sich in einer Firma die Konstellationen der Kollegen anzugucken. Wer versteht sich mit wem? Wer kann gut mit dem Chef? Suchen Sie sich gezielt Förderer – Männer oder Frauen – die für Sie ein gutes Wort einlegen können. Das ist aber berechnend... Heinze: Nein, dass ist legitim und für Männer längst Normalität. Frauen sollten viel öfter formulieren, was sie gut können. Und wenn Sie von einer bestimmten Stelle träumen, sprechen Sie das früh genug laut aus, damit man an Sie denkt, wenn die Stelle frei wird. Und wie wichtig sind dafür nun Netzwerkveranstaltungen? Heinze: Sie können helfen, Verbündete zu finden, Kontakte zu knüpfen und sich einen Namen zu machen. Aus einem Small Talk kann schnell ein Big Talk werden. Wenn ich Männer gegenüber habe, die auf Machtsymbole Wert legen, lasse ich auch mal raushängen, dass ich mich mit Autos auskenne. Andere Frauen nutzen ihr Interesse an Fußball. Wenn Sie als Frau so ein Hobby haben, dürfen Sie das nutzen. Männer schaffen sich auch Verbündete. Einzelkämpfertum bringt nichts. Ihr Tipp, wenn ich alleine auf eine Netzwerkveranstaltung gehe und niemanden kenne? Heinze: Eine Kollegin von mir rät immer dazu, sich an einen Tisch mit einer ungeraden Anzahl von Personen zu stellen. Dann ist man selbst nicht in der Gefahr das fünfte Rad am Wagen zu werden und hat direkt mindestens einen Gesprächspartner.

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