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In Alexandra Achenbachs Brust schlägt ein grünes Herz. "Zero Waste Weihnachten" ist das erste Buch der Bloggerin, Biologin und Autorin. - © privat
In Alexandra Achenbachs Brust schlägt ein grünes Herz. "Zero Waste Weihnachten" ist das erste Buch der Bloggerin, Biologin und Autorin. | © privat

Umwelt Interview: So feiern wir nachhaltig Weihnachten

Autorin Alexandra Achenbach hat ein Buch über Zero-Waste-Weihnachten geschrieben. Im Gespräch gibt sie Tipps, wie es geht - und warum wir bewusster feiern sollten.

Julia Fahl
01.12.2019 | Stand 25.11.2019, 12:12 Uhr

Frau Achenbach, was meinen Sie: Ist Weihnachten mittlerweile eher ein Fest des Konsums statt ein Fest der Liebe? Alexandra Achenbach: Hm . . . schwierige Frage. Ich befürchte, dass Weihnachten mittlerweile eher ein Konsumfest geworden ist, denn das Kaufen steht dank Werbung und Unmengen an speziellen Produkten rund um das Fest einfach sehr im Vordergrund. Aber das Schöne ist, dass wir alle ja jederzeit umsteuern können. Was können wir denn tun? Achenbach: Nachhaltigkeit ist für uns immer und jeden Tag aktuell und wichtig und wir versuchen unseren Alltag klima- und umweltschonender zu leben. Ich glaube aber, dass gerade unser Konsumweihnachtsfest einen wunderbaren Anlass für Veränderung bietet. Wie kann so eine Veränderung aussehen? Wie feiern Sie Weihnachten? Achenbach: Unser Weihnachtsfest ist sehr klassisch – und das war tatsächlich auch schon immer so. Verändert hat sich unser Baum, der ist mittlerweile selbstgebaut. Wir wählen außerdem bewusster aus, was auf den Tisch kommt und unter den Baum, und wir versuchen, überall zu reduzieren. Bei Deko, bei Kerzen und auch bei den Geschenken. Ein selbstgebauter Baum? Sind Nordmanntanne und Co. im Wohnzimmer nicht mit einem nachhaltigen Weihnachtsfest vereinbar? Achenbach: Für uns ganz persönlich hat sich der echte Baum irgendwann einfach nicht mehr stimmig angefühlt. Und wie sieht Ihre Baum-Alternative aus? Achenbach: Wir haben unseren Baum aus Ästen selbstgebaut und freuen uns jedes Jahr wieder auf den gemeinsamen Aufbau und das Schmücken. Auf der Suche nach den richtigen Geschenken: Welche Tipps haben Sie? Achenbach: Bei Geschenken ist natürlich erstmal alles erlaubt. Trotzdem ist es immer nachhaltiger, Ressourcen, also Rohstoffe und Energie für die Herstellung von Produkten, zu schonen. Ein Weg könnte sein, schlicht weniger oder nichts Materielles mehr zu schenken. Ein anderer Weg ist, Dinge neu zu nutzen, die schon da sind. Stichwort Secondhand-und Upcycling-Geschenke. Gab es einen Aha-Moment, in dem Sie sich dazu entschieden haben, auch beim Weihnachtsfest mehr auf Nachhaltigkeit zu achten? Achenbach: Das Aha-Erlebnis war bei uns unabhängig vom Weihnachtsfest. Vor allem die Geburt unserer Kinder hat uns klar gemacht, wie groß und schwer unsere Verantwortung für die Zukunft wiegt. Unser tägliches Handeln und die täglichen Kaufentscheidungen werden das Leben unserer Kinder und Enkel ganz unmittelbar beeinflussen. Wenn wir wirklich das Beste für unsere Kinder wollen, dann geht das nur mit mehr Nachhaltigkeit. Im Alltag und eben auch an Weihnachten. Weihnachten ist für viele Menschen aber ja schon ein Fest der Geschenke, der Schlemmerei und des Genusses – wie einfach ist es, dieses Fest nachhaltig zu feiern? Achenbach: Es ist viel einfacher, als viele vielleicht denken, denn überspitzt gesagt müssen wir nicht auf Genuss verzichten, sondern auf die selbstverständlich gewordene Verschwendung. Weniger ist mehr, und es öffnet unseren Geist wieder für das Wesentliche an Weihnachten: Zeit mit unseren Liebsten und ungeteilte Aufmerksamkeit. Was würden Sie sich im Sinne der Nachhaltigkeit zu Weihnachten wünschen? Achenbach: Ich persönlich brauche tatsächlich nichts Materielles. Freuen tue ich mich aber sehr über Zeitgeschenke, denn gemeinsame Zeit ist für mich am kostbarsten.

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