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Verpackungen im Supermarkt sind oft hilfreich, weil sie die Ware schützen und länger haltbar machen. Manchmal sind sie aber auch einfach überflüssig - besonders in der Obst- und Gemüseabteilung. - © istock
Verpackungen im Supermarkt sind oft hilfreich, weil sie die Ware schützen und länger haltbar machen. Manchmal sind sie aber auch einfach überflüssig - besonders in der Obst- und Gemüseabteilung. | © istock

Umwelt Wie Supermärkte gegen die Verpackungsflut kämpfen

Plastikverpackungen im Supermarkt sind oft ein Ärgernis – vor allem bei Obst und Gemüse. Die großen Handelsketten wie Edeka, Rewe und Aldi haben sich schon einiges überlegt, um vermehrt unverpackt verkaufen zu können. Doch Verbraucherschützern geht das nicht weit genug.

Julia Fahl
04.11.2019 | Stand 30.10.2019, 12:50 Uhr

Bielefeld/Minden. Gurken in enganliegende Folie gehüllt, Bananen, die eine robuste Schale haben, aber trotzdem verpackt sind, eingetütete Äpfel: In den Supermärkten der Region begegnen uns viele Waren, die einmal gekauft viel Verpackungsmüll – vor allem aus Plastik – verursachen. Das ist nicht gut für die Umwelt. Und ärgert immer mehr Verbraucher. Bei einer im März durchgeführten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov sagten 72 Prozent der Befragten, dass sie bevorzugt Produkte kaufen, die wenig Verpackungsmüll verursachen. Aber nicht einmal ein Drittel der Konsumenten war der Meinung, dass es bereits ausreichend umweltfreundliche Verpackungen gibt. „Deutsche Verbraucher sind für das Thema Verpackungsmüll sensibilisiert und versuchen bereits bei ihrem Einkauf aktiv Verpackungsabfälle zu vermeiden", entnimmt Daniela Loeck, Senior Consultant bei YouGov, den Befragungsergebnissen. Der Handel reagiert zunehmend auf die Kundenwünsche. Schon in den vergangenen Jahren hat sich einiges in den Lebensmittelmärkten verändert: Vielerorts kann Obst und Gemüse bereits in wiederverwendbaren Stoff- oder Kunststoffnetzen abgepackt werden, Gurken werden fast nur noch ohne Plastikhülle verkauft und an immer mehr Frischetheken können Kunden Ware in eigenen Mehrwegdosen verpacken lassen. Kritik von Verbraucherschützern Doch das ist längst nicht genug, finden Verbraucherschützer. Ein nicht-repräsentativer Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg und des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in 42 Filialen der wichtigsten acht Lebensmittelhändler hat gezeigt, dass Obst und Gemüse noch immer zu fast zwei Dritteln in Plastikverpackungen verkauft werden. „Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden", bemängelt vzbv-Vorstand Klaus Müller. „Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst und Gemüse zu vergrößern. Einige Läden zeigen bereits, dass das geht. Vor allem Discounter müssen ihre Hausaufgaben noch machen." Diese sind nach eigenen Angaben aber schon fleißig dabei. Aldi zum Beispiel verkündet: Der Discounter habe im vergangenen Jahr allein nur bei seinen Eigenmarken mehr als 15.000 Tonnen Verpackungsgewicht eingespart – Plastik, aber auch Metalle, Papier, Pappe und Glas. Insgesamt hätten Aldi Nord und Süd sogar 22.000 Tonnen Kunststoff eingespart – „so viel, wie in acht Millionen gelbe Säcke passt", so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Allein der Verzicht auf die Folie bei der Salatgurke käme einer Ersparnis von jährlich 120 Tonnen Kunststoff gleich. Die Handelskette Rewe und ihr Discounter Penny reduzierten ihren Kunststoffverbrauch um insgesamt mehr als 8.200 Tonnen pro Jahr, Kaufland konnte 2019 auf 2.000 Tonnen Plastik verzichten. Und auch Real, Lidl und Edeka setzen vermehrt auf Nachhaltigkeit bei ihren Eigenmarken sowie ihren Obst- und Gemüseangeboten. Obst und Gemüse wird per Laser gekennzeichnet „Gemeinsam mit unserem Partner, dem WWF, arbeiten wir als Regionalgesellschaft daran, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren", sagt Julia Katharina Simon von Edeka Minden-Hannover. Ressourcen sollen vermehrt geschont und mehr umweltverträglich hergestellte Produkte angeboten werden. Schon seit 2015 beschäftige sich Edeka Minden-Hannover in diesem Zusammenhang auch mit Verpackungen. „Zuletzt haben wir die Umverpackung unserer Bio-Zucchini reduziert, und wir bieten unsere Bio-Gurken neuerdings ohne Folie an." Damit Edeka, Rewe und Real Obst und Gemüse unverpackt anbieten können, setzen die Handelsketten auch auf das sogenannte Smart Branding. „Dabei wird über einen Lichtstrahl die Oberflächenstruktur der äußersten Schalenschicht einer Frucht leicht verändert", erklärt Julia Katharina Simon. So prangen die gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichen als Laser-Label direkt auf der Oberfläche von Süßkartoffeln, Ingwer und Mango – und ein zusätzliches Etikett oder eine extra Verpackung sind nicht notwendig. Die Suche nach Verpackungsalternativen Nicht jede Verpackung kann laut Handelsketten alternativlos abgeschafft werden, weil sie oft sensible Ware vor Schäden bewahrt oder sie länger frischhält. Brokkoli sei ein Beispiel dafür, dass Verpackung das Gemüse schützt, sagt Julia Katharina Simon von Edeka Minden-Hannover. „Ohne Folie wäre der Brokkoli schnell nicht mehr verkaufsfähig." Darüber hinaus seien lose Tomaten, Beeren und Trauben empfindlich und anfällig für Druckstellen. Und insbesondere Trauben oder Rispentomaten blieben häufig lose in den Regalen zurück. „Da kann die Verpackung auch dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden." Deshalb sucht Edeka Minden-Hannover stets nach nachhaltigeren Verpackungsalternativen wie Verpackungen aus Graspapier und Zuckerrohr oder Netze aus Cellulose-Fasern, die zu 100 Prozent aus Holz hergestellt und biologisch abbaubar sind. „Kurzfristig werden so mehr als zehn Millionen Kunststoffnetze eingespart", sagt Simon. Oder bestehende Verpackungen werden optimiert. Lidl will den Plastikeinsatz bei Eigenmarkenverpackungen bis 2025 um 20 Prozent reduzieren. Dabei soll auch helfen, dass bei den Wiener Würstchen eine dünnere Unterfolie eingesetzt wird. Nach Angaben des Unternehmens spart das im Jahr rund 78 Tonnen Kunststoff. Und rund 200 Tonnen weniger Plastik pro Jahr benötigt der Discounter dank optimierter Schalen für Frischfleisch und Frischgeflügel. Unverpackte Ware oft teurer „Bei der Verpackungsmission geht es nicht um den kurzfristigen Effekt, sondern um nachhaltige Lösungen", betont auch Kristina Bell, Group Buying Director bei Aldi Süd, verantwortlich für Qualitätswesen und Corporate Responsibility. Bis 2025 möchte Aldi 30 Prozent Verpackungsgewicht im Vergleich zum Basisjahr 2015 reduzieren. Bis 2022 sollen alle Produktverpackungen recyclingfähig sein. Nachhaltige Lösungen dürfen nur nicht gleichzeitig auf Kosten des Kunden gehen, sagen die Verbraucherschützer. Dennoch fiel beim Marktcheck auf, dass bei 57 Prozent der durchgeführten Preisvergleiche zwischen verpackten und unverpackten Ernteprodukten die Plastik-Variante günstiger und nur in 35 Prozent der Fälle teurer war. „Händler, die mehr Geld für unverpacktes Obst und Gemüse verlangen, ohne dass dieses qualitativ besser ist, tun weder Verbrauchern noch der Umwelt einen Gefallen", sagt Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg. „Wer umweltfreundlich einkaufen will, darf dafür nicht zusätzlich zur Kasse gebeten werden."

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