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Auch der Lorbeerkranz gehört zum Kult: Christian Dopheide empfängt den Sieger, in diesem Fall Elias Sansar, im Ziel. - © FOTO: DIECKMANN
Auch der Lorbeerkranz gehört zum Kult: Christian Dopheide empfängt den Sieger, in diesem Fall Elias Sansar, im Ziel. | © FOTO: DIECKMANN

Bielefeld "Wir verkaufen unseren Hermann nicht"

INTERVIEW: Organisationschef Christian Dopheide ist stolz auf die wachsende Beliebtheit des Hermannslaufes

Arne Bensiek
09.01.2015 | Stand 28.01.2015, 11:34 Uhr

Bielefeld. Jedes Jahr ein neuer Rekord: Nach gerade einmal acht Stunden waren diesmal alle Startnummern für den Hermannslauf vergeben. Wohin soll das langfristig führen? Arne Bensiek sprach mit Organisationschef Christian Dopheide vom Veranstalter TSVE Bielefeld über die Beliebtheit des Laufes, die Unverkäuflichkeit des "Hermanns" und die letzten Chancen auf einen Startplatz.

Herr Dopheide, macht Sie der Ausverkauf des Hermannslaufs in neuerlicher Rekordzeit einfach nur glücklich, oder ist Ihnen das mittlerweile auch ein bisschen unheimlich?
CHRISTIAN DOPHEIDE:
Natürlich macht uns das glücklich, weil es eine Bestätigung für die Arbeit unseres ganzen Teams ist. Der Hermann ist für sehr viele Menschen attraktiv, offenbar für weit mehr als die begrenzte Zahl von 7.000, die wir aus Platzgründen maximal auf die Strecke schicken können.

Einige Läufer werden sich am Montagabend gedacht haben: Ich gehe vor Mitternacht ins Bett, es reicht noch, wenn ich mich morgen früh vom Büro aus anmelde. Genau die haben diesmal in die Röhre geschaut. Was raten Sie denen?
DOPHEIDE:
Wir haben im Internet eine offizielle Ummeldebörse, bei der viele sicher noch eine Startnummer bekommen können. Und erfahrungsgemäß stehen am Tag vor dem Hermannslauf bei der Startnummernausgabe im Gymnasium am Waldhof immer noch ein paar traurige, verletzte Läufer, die gerne ihren Startplatz loswerden wollen. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 700 solcher Ummeldungen.

Sie befürchten also nicht, dass Hermannslauf-Startnummern bald wie Bundesliga-Tickets oder Konzertkarten auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden?
DOPHEIDE:
Das könnten wir im Zweifelsfall nicht vermeiden. Grundsätzlich sind wir aber Sportler und appellieren daher auch an alle angemeldeten Läufer, sportlich fair zu sein und kein Geschäft aus den Startnummern zu machen. Wenn sich bei Ebay ein Angebot zu einem deutlich höheren Preis als die 42 Euro Startgebühr findet, dann liegt es einzig in der Verantwortung der Interessenten, den Verkäufer darauf sitzen zu lassen.

Im nächsten Jahr werden sich bestimmt noch mehr Läufer direkt um Mitternacht anmelden. Wohin soll das langfristig führen?
DOPHEIDE:
Wir machen uns im TSVE darüber natürlich auch Gedanken. Eine wirklich gerechte Alternative zum Windhundprinzip gibt es aus unserer Sicht aber nicht. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Alles andere wäre nicht fair.

Wie verführerisch ist der Gedanke, ein höheres Startgeld zu nehmen?
DOPHEIDE:
Das kommt für uns überhaupt nicht in Frage. So begehrt wie die Startplätze des Hermannslaufs sind, könnten wir zwar gut und gerne 80 Euro nehmen, wie das die großen City-Marathons machen. Unser Ziel ist es aber, den Breitensport zu fördern und einer möglichst breiten Masse einen attraktiven Lauf anzubieten. Mit der Startgebühr decken wir unsere Kosten.

Mit Ausnahme von Berlin haben fast alle Marathon-Veranstaltungen hierzulande in den vergangenen zehn Jahren Tausende Teilnehmer verloren. Der Hermannslauf ist in seiner Schwierigkeit mit einem Marathon vergleichbar. Warum ist er von diesem Abwärtstrend nicht betroffen?
DOPHEIDE:
Der Hermannslauf ist schon allein durch seine abwechslungsreiche Strecke ein aufregendes Abenteuer. Die viele Steigungen, die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten und zum Beispiel die Lämmershagener Treppen haben ihm über Ostwestfalen-Lippe hinaus einen Mythos eingebracht. Der Lauf sticht heraus und ist zudem noch gut organisiert. Die meisten City-Marathons ähneln einander dagegen sehr. Vielleicht gibt es heute einfach zu viele solcher austauschbaren Laufveranstaltungen. Daher sinken wohl auch die einzelnen Teilnehmerzahlen.

Wie viele profitorientierte Sportevent-Agenturen wollten Ihnen den Hermannslauf schon abkaufen?
DOPHEIDE:
Ein ernsthaftes Angebot haben wir bis heute noch nicht bekommen. Aber die Mühe sollte sich auch niemand machen. Wir beim TSVE sind sehr stolz, den Hermannslauf dahin gebracht zu haben, wo er heute ist: ein angesehenes gesellschaftliches Sportereignis und für viele Sportler ein einmaliges oder sogar ein jährliches Muss. Wir denken nicht daran, unseren Hermann zu verkaufen.

Information
Startplatzbörse ab Anfang Februar

Alle Lauffreunde, die sich nicht mehr rechtzeitig einen Startplatz sichern konnten, bleibt noch die Möglichkeit, sich über die offizielle Hermannslauf-Startplatzbörse im Internet eine der begehrten Startnummern zu sichern. Teilnehmer, die am 26. April nicht an den Start gehen können, haben dort Gelegenheit, ihren Startplatz zur Übernahme anzubieten. Die Startplatzbörse ist ab Anfang Februar verfügbar. Weitere Infos dazu gibt es auf der Hermannslauf-Homepage www.hermannslauf.de

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