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Das kann doch nicht "VAR" sein: Philipp Max (r.) hat abgezogen, die Augsburger (v. l.) Alfred Finnbogason, der sich bereits gelöst hat, und Rani Khedira stehen in der Mauer. Eine klare Regelwidrigkeit. Doch der Video-Assistant-Referee greift nicht ein. Der Treffer zählt. - © Sven Simon
Das kann doch nicht "VAR" sein: Philipp Max (r.) hat abgezogen, die Augsburger (v. l.) Alfred Finnbogason, der sich bereits gelöst hat, und Rani Khedira stehen in der Mauer. Eine klare Regelwidrigkeit. Doch der Video-Assistant-Referee greift nicht ein. Der Treffer zählt. | © Sven Simon

SC Paderborn Paderborner Pleite mit bitterem Beigeschmack

Der SCP vergibt einen Elfmeter, kassiert einen irregulären Treffer und verliert 0:1 gegen Augsburg

Frank Beineke
09.11.2019 | Stand 10.11.2019, 10:24 Uhr |

Paderborn. Einen Elfmeter verschossen, weitere gute Chancen vergeben und am Ende wegen eines irregulären Treffers verloren. Der SC Paderborn kassierte am Samstag eine äußerst bittere 0:1 (0:1)-Heimpleite gegen den FC Augsburg, die die Hoffnungen auf den Klassenerhalt weiter schwinden lässt. Der Sprung auf Relegationsplatz 16 wurde verpasst. Stattdessen hat der SCP mit mageren vier Zählern auf der Habenseite nun schon sechs Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Steffen Baumgart war nach Spielschluss stinksauer. Allerdings nicht auf seine Mannschaft, die einmal mehr Moral gezeigt, unterm Strich aber zu viele Fehler gemacht hatte. Paderborns Chefcoach haderte vielmehr mit dem Video-Assistant-Referee. Denn der hatte in der spielentscheidenden Szene in der 41. Minute nicht eingegriffen. Da hatte der Augsburger Philipp Max einen Freistoß in sehenswerter Manier ins rechte Eck geschossen. SCP-Keeper Leopold Zingerle war machtlos. Der Treffer hätte allerdings nicht zählen dürfen, denn die FCA-Akteure Khedira und Finnbogason hatten in der Mauer gestanden. Und seit dieser Saison müssen Spieler der angreifenden Mannschaft bei Freistößen mindestens einen Meter von der Mauer entfernt stehen. Der Sportchef ist restlos bedient Trotz Paderborner Proteste gab Schiedsrichter Marco Fritz den Treffer. Und der berühmt-berüchtigte Kölner Keller meldete sich nicht. „Die Begründung war, dass es keine relevante Situation sei, die überprüft werden müsse. Dabei ist ein Tor gefallen. Das ist dann nur noch Verarschung", wetterte Baumgart. „Jedes Tor wird überprüft. Warum dies in diesem Fall nicht gemacht wurde, geht nicht in meinen Kopf", erklärte SCP-Innenverteidiger Sebastian Schonlau. Restlos bedient war auch Martin Przondziono. Paderborns Sportchef hatte sich in der Halbzeitpause beim vierten Offiziellen über die besagte Szene beschwert. "Und dann sagt der zu mir: Spielt ihr Blinden doch besser Fußball! Da ist das Maß für mich voll. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen", erklärte Przondziono nach Spielschluss und entschwand kopfschüttelnd Richtung Kabine. Dabei hatte das Spiel aus Paderborner Sicht so vielversprechend begonnen. So hatten sich die Gastgeber in den ersten 20 Minuten vor den nur 13.758 Zuschauern in der Benteler-Arena ausgesprochen spielfreudig und zweikampfstark präsentiert. Schon nach 16 Sekunden hatte Kai Pröger das 1:0 auf dem Fuß. Streli Mamba verpasste nach feiner Vorarbeit des starken Gerrit Holtmann ebenfalls die Führung (12.), ehe Holtmann selbst gefährlich zum Abschluss kam (17.). Gjasula vergibt den Elfmeter Die dickste Gelegenheit aber hatte Klaus Gjasula in Minute sieben. Nachdem Mamba vom Augsburger Raphael Framberger im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht worden war, trat der SCP-Kapitän zum Elfmeter an. Doch Gjasula lief sehr verhalten an und schoss dann ebenso. FCA-Torhüter Tomás Koubek parierte mühelos. Bereits bei der 1:2-Heimniederlage gegen den FSV Mainz 05 hatte der SCP in Person von Jamilu Collins einen Strafstoß versemmelt. „Ich hatte mich eigentlich sicher gefühlt", ärgerte sich der Fehlschütze und fügte an: „Augsburg hätte sich nicht beschweren können, wenn wir nach 20 Minuten 2:0 oder 3:0 geführt hätten." Stattdessen aber kamen die Gäste nach den besagten 20 Minuten immer besser ins Spiel, denn der SCP leistete sich nun Fehlpässe, Ballverluste und unnötige Fouls. Folge: Augsburg hatte durch Angreifer Florian Niederlechner (30./31.) und Ruben Vargas (38.) Topchancen, die aber kläglich vergeben wurden. Dann folgte das umstrittene 0:1. Und auch in der Szene, die zum letztlich entscheidenden Freistoß führte, hatte es zunächst einen Fehlpass von Gjasula und einen Sabiri-Ballverlust gegeben. Augsburg war nun überlegen, doch nach einer Stunde wendete sich erneut das Blatt. Sven Michel kam für Gjasula. Der SCP stellte auf ein 4-4-2 um, übernahm die Initiative, agierte in der Schlussphase mit Dreier-Abwehrkette, war aber nicht zwingend genug. Mehr als drei Sabiri-Freistöße (68./81./88.) und ein gefährlicher Michel-Schuss (71.) sprangen nicht heraus. Und so resümierte FCA-Coach Martin Schmidt die Partie mit dem schönen Satz: „Wir waren auf Standardebene das glücklichere Team." Und die Augsburger hatten vor allem Glück, dass der Video-Assistant-Referee bei einem Freistoß aus unerfindlichen Gründen untätig geblieben war.

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