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Kunden wollen immer öfter Küchen, die zum sozialen Mittelpunkt der Familie werden - wohnlich müssen sie sein. - © VHK
Kunden wollen immer öfter Küchen, die zum sozialen Mittelpunkt der Familie werden - wohnlich müssen sie sein. | © VHK

Konjunktur Der Trend zur smarten Küche

Die Branche ist weiter auf Wachstumskurs – wenn auch gebremst. Zu viele Faktoren sorgen für rückläufige Aufträge.

Kristina Grube
16.09.2019 | Stand 16.09.2019, 19:29 Uhr

Löhne. Die Küche wird längst nicht mehr nur zum Kochen benutzt. „Küchen werden immer wohnlicher, weil sie einen immer größeren Anteil in der Wohnung einnehmen", sagt Lucas Heumann, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK). Die Küche wird zum Mittelpunkt Früher habe man vornehmlich in der Küche Essen zubereitet, heute sei sie häufig der Mittelpunkt der sozialen Kommunikation in einer Familie. Die Branche reagiert darauf: Gemütliches Licht, offene Elemente und eine Farb- und Materialvielfalt seien heute sehr wichtig, sagt der Küchen-Experte bei der Vorstellung der Jahresergebnisse der Branche. Heumann nennt weitere Trends, die die Küche von heute – und morgen – prägen: „Wer heute eine Küche kauft, will, dass sie auch in sechs Jahren noch modern ist." Küchentrends änderten sich deshalb nicht von Saison zu Saison, optische Anpassungen gebe es eher langsam. Weil die Küche ein langlebiges Produkt ist, darf sie für Verbraucher auch mal ein bisschen teurer sein: Die Küchen würden immer hochwertiger. Küchen werden "smart" Ist die optische Erneuerung also oft eher verhalten, gilt das nicht für die technische: Die Digitalisierung hält rasant Einzug in die Küchen. Sprachsteuerungen und mit dem Handy und Tablet verknüpfte Elektrogeräte machen die Küche „smart" – also klug. Darüber freuen sich Küchenhersteller. Doch über die Entwicklung der Absatzzahlen weniger. Die Branche rechnet in diesem Jahr mit einer schwächeren Konjunktur. Bereits voriges Jahr unterlag der Umsatz mit Küchenmöbeln starken Schwankungen: Wurde im ersten Halbjahr 2018 noch ein starkes Wachstum verzeichnet, gingen im zweiten Halbjahr deutlich weniger Aufträge ein. Starker Umsatz im Jahr 2018 „Weil es zuvor einen sehr hoher Auftragsbestand gab, hatte die folgende Abschwächung kaum Auswirkungen auf den Umsatz", erklärt Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender des VdDK. Und so konnte die Küchenmöbelindustrie das Geschäftsjahr 2018 noch immer mit einem satten Umsatzwachstum von 5,5 Prozent abschließen. Dass das auch in diesem Jahr klappt, damit rechnet der VdDK nicht. Im ersten Halbjahr verzeichnete die Branche nur ein leichtes Umsatz-Plus von gerade einmal 1,4 Prozent. Die Umsätze schwankten von Monat zu Monat stark – zwischen einem Plus von rund 17 Prozent (Stand Mai) und einem Minus von über 12 Prozent (Stand Juni). Insgesamt erwartet der Verband bis Ende 2019 ein Plus von rund zwei Prozent. Die Umsatz-Gewinner und -Verlierer Grund für das gebremste Wachstum sei die abflauende Konjunktur in den Exportregionen. Umsatzverluste mussten bei den Ausfuhren nach Belgien, in die Schweiz, nach Großbritannien und China hingenommen werden. Besser lief es dagegen in Frankreich (+7,5 Prozent), den Niederlanden (+4,7 Prozent), den USA (+2,5 Prozent) sowie Österreich (+1,3 Prozent). Das Auslandsgeschäft habe sich besser entwickelt als das Inlandsgeschäft. Bei den Exporten konnte im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatz-Zuwachs von fast 4 Prozent verbucht werden, wohingegen das Geschäft innerhalb Deutschlands ein Minus von 0,2 Prozent brachte. Besonders in Europa konnte die Küchenindustrie ihre führende Rolle also ausbauen. Keine neuen Häuser, keine neuen Küchen „Zudem müssen wir dabei auch immer die Wertigkeit der Aufträge im Blick behalten", sagt Waldenmaier. Denn die Absatzmenge alleine sei nicht entscheidend, es komme auch auf den Preis der bestellten Küchen an. Und da könne man erkennen: Kunden wollten immer öfter „hochwertige" Küchen kaufen und seien dafür auch bereit, mehr zu zahlen. Trotz rückläufigem Wachstum rechnet der VdDK nicht mit einer Rezession. Obwohl sich eine wichtige Rahmenbedingung verschlechtere: Menschen bauen aktuell weniger Häuser. „Nicht, weil der Bedarf nicht da ist, sondern wegen fehlender Baugenehmigungen", erklärt Waldenmaier. Keine neuen Häuser, kein Bedarf an neuen Küchen. Und auch eine schwächer werdende Konjunktur in Deutschland drückt auf die Konsumstimmung.

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