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Bereut ihre Entscheidung nicht: Für Christiane Balwanz ist ihre eigene Agentur eine „echte Herzensangelegenheit".  - © Foto: Nadja Jacke
Bereut ihre Entscheidung nicht: Für Christiane Balwanz ist ihre eigene Agentur eine „echte Herzensangelegenheit".  | © Foto: Nadja Jacke

Unternehmensgründung Mutig in die Selbstständigkeit

Mitten in der Corona-Pandemie hat Christiane Balwanz bei ihrem Arbeitgeber gekündigt und ein eigenes Unternehmen gegründet. Mit ihrer Agentur „Haushaltshilfe mit Herz“ helfen sie und ihre Mitgründerinnen Menschen in gesundheitlichen Ausnahmesituationen.

Julia Fahl
16.06.2021 | Stand 15.06.2021, 16:15 Uhr

Manchmal geht es schnell: Ein falscher Schritt, ein Sturz, und das Bein ist gebrochen. Manchmal kommt es auch einfach anders als geplant. Wenn in der Schwangerschaft Komplikationen auftreten und eine Frühgeburt droht. Oder wenn der Arzt die folgenschwere Diagnose Krebs stellt. Dann stehen Betroffene plötzlich vor einem Berg an Problemen und Herausforderungen – und der eigene Haushalt sollte wirklich die kleinste Sorge sein. Ist er aber oft nicht.

In diesen Situationen steht die frisch gegründete Agentur „Haushaltshilfe mit Herz" ihren Kunden zur Seite. Denn was viele nicht wissen: Anspruch auf Haushaltshilfe haben gesetzlich Versicherte, wenn sie es aufgrund einer Behandlung im Krankenhaus, einer schweren Erkrankung, einer Operation oder einer problematischen Schwangerschaft und Entbindung nicht schaffen, ihren Haushalt zu führen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen für einen bestimmten Zeitraum übernommen.

„Haushaltshilfe mit Herz" entlastet Patienten in gesundheitlichen Ausnahmesituationen und unterstützt bei allen anfallenden Hausarbeiten, der Kinderbetreuung, den Einkäufen und bei Bedarf sogar beim Gassigehen. „Sie kümmern sich um Ihre Gesundheit – Wir kümmern uns um den Rest", lautet das Motto. „Damit unsere Patienten in Ruhe gesund werden und sich erholen können", ergänzt Mitgründerin Christiane Balwanz.

Die Bielefelderin hat erst vor einem Monat – mitten in der Corona-Pandemie – den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt „und ich bereue ihn überhaupt nicht". Die 55-Jährige blickt auf mehr als 15 Jahre Berufserfahrung als Assistentin der Geschäftsleitung im Einzelhandel zurück. Seit 2018 arbeitete sie als Regionalleiterin in OWL für einen Dienstleister für Haushaltshilfen aus Dortmund. Letztendlich deckten sich die Wertevorstellungen ihres Arbeitgebers nicht mehr mit ihren, berichtet sie. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Corinna Helmrich und Anja Bathe entstand deshalb die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Zum 1. April 2021 kündigte Christiane Balwanz bei ihrem Arbeitgeber, nur einen Monat später war sie schon ihre eigene Chefin. „Das ist gerade eine sehr aufregende Zeit."

Jede der drei Frauen ist eigenständig selbstständig, erklärt Balwanz. „Wir haben nur eine Art Dachverband gebildet und teilen uns die Idee, den Namen und die Webseite." Während sie sich um Kunden in Ostwestfalen-Lippe kümmert, betreut Corinna Helmrich Patienten im Münsterland und Anja Bathe deckt das Rheinland ab. Dabei profitierten sie alle von ihren bereits gesammelten Berufserfahrungen und Kontakten.

Trotz der guten Startbedingungen habe Balwanz die Pandemie bei der Gründung im Hinterkopf gehabt und überlegt, ob der Zeitpunkt wirklich der richtige sei. „Und ich habe auch hin und her überlegt, ob ich mir das alles in meinem Alter noch ans Bein hängen will", gesteht die 55-Jährige. Ja, wollte sie. „Ich liebe das, was ich tue. Das ist eine echte Herzensangelegenheit für mich. Es macht mich glücklich, Menschen in Not zu helfen."

Und der Bedarf an Haushaltshilfen sei enorm. Das merke sie schon nach nur nach einem Monat Selbstständigkeit. „Ich erhalte sehr viele Anfragen. Mit dem Erfolg habe ich nicht gerechnet und er freut mich riesig." Die Nachrichten und Anrufe vor allem aus Bielefeld sowie den Kreisen Herford und Gütersloh trudelten nur so ein, mittlerweile hat Christiane Balwanz ihr „Herzchen"-Team, wie sie es liebevoll nennt, auf zehn Mitarbeiterinnen aufgestockt. „Sie sind ein riesengroßes Geschenk." Und das Team soll weiterwachsen (siehe Kasten).

Bevor es tatkräftige Hilfe im Haushalt gibt, geht Christiane Balwanz mit ihren Patienten die nötigen Formulare zur Beantragung durch, da diese „oftmals eine riesige Hürde darstellen". Dann reicht sie die Anträge bei der jeweiligen Krankenkasse ein und kümmert sich um die Bewilligungen.

Vor allem Frauen falle es schwer, Hilfe zuzulassen. „Immer noch denken viele, dass sie immer funktionieren müssen. Alleinerziehende Mütter versuchen auch im Krankheitsfall, alles alleine zu stemmen. Aber jede und jeder hat in solchen Situationen Hilfe verdient", betont Balwanz.

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie mit ihren Mitstreiterinnen „ein richtig großes Netzwerk aufbauen kann. Und dass auf unserer Homepage alles von A bis Z zu finden ist". Damit zum Beispiel Krebspatienten nicht lange nach Selbsthilfegruppen oder Perückenmachern und Zwillingsmütter nicht lange nach Gruppen für Mehrlingsgebärende suchen müssen. „Daran arbeiten wir."

Für Christiane Balwanz war der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige. „Ich kann nur jedem Mut machen, das zu tun. An jedem Anfang steht der Mut. Aber wenn man sich erst einmal mit Liebe und Herzblut auf den Weg macht und davon überzeugt ist – dann kann es doch nur gut werden." Eine Garantie gebe es nie. „Aber nur wenn ich es versuche, kann ich auch wissen, ob es funktioniert."

Information

Neue Mitarbeiterinnen gesucht

Das „Herzchen"-Team von Christiane Balwanz soll wachsen. Wichtig: „Wir suchen keine Putzfrauen, sondern Familienmanagerinnen." Frauen, die verantwortungsbewusst, pünktlich, zuverlässig, flexibel, selbstständig, herzlich und empathisch sind. Zu ihren Aufgaben gehört, den Patienten im Haushalt, beim Einkauf und bei der Kinderbetreuung zu helfen und sie zum Arzt zu begleiten. Interesse? Informationen gibt es bei Christiane Balwanz, Tel. (01 78) 8 36 74 29, oder unter www.haushaltshilfe-mit-herz.de/karriere

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