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Essen & Trinken Kuchen kommt nach Hause

Auch das „Café im Circuswagen“ in Bielefeld-Babenhausen musste Mitte März erst einmal schließen. Auf Selbstgebackenes mussten Fans trotzdem nicht verzichten. Und bald kommen die Torten auch wieder auf der Café-Terrasse auf den Teller.

Julia Fahl
09.05.2020 | Stand 08.05.2020, 20:04 Uhr
Altes Schätzchen: Im alten Circuswagen stehen selbst gebackene Kuchen und hausgemachtes Herzhaftes auf der Speisekarte. Bei schönem Wetter bietet die Terrasse bald wieder bis zu 25 Gästen Platz – mit genug Abstand. - © Elisa Christen
Altes Schätzchen: Im alten Circuswagen stehen selbst gebackene Kuchen und hausgemachtes Herzhaftes auf der Speisekarte. Bei schönem Wetter bietet die Terrasse bald wieder bis zu 25 Gästen Platz – mit genug Abstand. | © Elisa Christen

Die Idylle ist noch idyllischer als sonst. Keine Teller, die klappern. Es duftet nicht nach frisch gebackenen belgischen Waffeln mit Pflaumenmus und Schmand. Auch nicht nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Und auf dem Hof fehlen die jauchzenden Kinder, die mit Trampeltreckern und Kettcars über die Wege schraddeln. Das „Café im Circuswagen" in Bielefeld-Babenhausen ist seit Wochen verwaist. Schuld ist – man kann es sich denken – das Corona-Virus. Das zwingt Cafébetreiberin Elisa Christen dazu, neue Wege zu gehen.

Angst vor der Ungewissheit

Am 17. März postete die 29-Jährige auf Facebook noch: „Wir haben geöffnet!" Mit genügend Abstand zwar, aber immerhin konnten einige Gäste an diesem Dienstag noch auf der Terrasse im Schatten des Walnussbaumes die Circuswagen-Spezialitäten genießen. Jetzt, mitten im Mai, scheint das schon eine Ewigkeit her zu sein. Denn nur zwei Tage später klappte Elisa Christen notgedrungen alle Stühle und Tische zusammen. Seitdem hat das Café im Circuswagen nicht mehr geöffnet. „Das ist kein gutes Gefühl", sagt die Restaurantfachfrau. „Da war auch Angst mit im Spiel." Angst vor der Ungewissheit, vor dem Umsatzeinbruch und davor, wie es weitergehen kann. „Als Selbstständige denke ich viel darüber nach, ob und wie ich das packe."

Es fehlt das Frühlingsgeschäft

Vor allem, weil der Café-Betrieb im März wieder so richtig losgehen sollte. „Wir haben es im Winter sowieso schwer und kamen gerade aus dem Winterloch." Endlich war das Wetter frühlingshaft sonnig und warm. Ideale Voraussetzungen dafür, dass viele Radfahrer und Spaziergänger eine erholsame Rast auf der sonnigen Terrasse des Cafés machen können. „Und dann mussten wir zumachen."

Circuswagenmit Geschichte

Schon seit 2013 arbeitet Elisa Christen in dem kleinen Café, 2016 übernahm sie es schließlich von ihrer Vorgängerin Eva Matthes. Diese hatte das Café im Circuswagen im Herbst 2009 auf dem Biolandhof Köckerhof eröffnet. Seitdem können Besucher nach ihrem Einkauf im Hofladen oder auf ihrer Radtour ein üppiges Frühstück, ein Stück Kuchen oder eine herzhafte Kleinigkeit in schnuckeliger Atmosphäre genießen. Den Circuswagen, Baujahr 1987, hatte Eva Matthes damals im Internet entdeckt. Eine Schaustellerfamilie aus Hoyerswerda wollte ihn aus Altersgründen verkaufen.

Liebevoller Umbau zum Café

Damit sich das ursprünglich als Wohnraum genutzte Schätzchen in ein Café auf Rädern verwandeln konnte, mussten Möbel, rosafarbene Polster und allerlei Krimskrams entfernt werden. Stattdessen zogen Holzvertäfelungen, kleine Holzbänke und -tische, dazu ein Tresen, eine Kühlvitrine, ein Waffeleisen und ein Kaffeevollautomat in den Holzschindelwagen ein. 20 Menschen haben seitdem gleichzeitig im nostalgischen Circuswagen Platz und genießen den Blick auf den Hof durch die Fenster mit Bleiverglasung. Zusätzlich können 40 Gäste im Außenbereich speisen. Normalerweise.

Ebenfalls Teil der Gutscheinaktion

Doch seit fast zwei Monaten ist eben nichts mehr normal. Wie soll es mit dem Café im Circuswagen weitergehen? Die junge Mutter musste sich erst einmal sortieren. „Ideen und Pläne entstanden nach und nach." Unterstützung erfährt sie zunächst durch die Hilfsaktion „From OWL with LOVE" für Gastronomen, die zwei Bielefelder Start-ups auf die Beine gestellt haben. Restaurant- und Caféliebhaber können für die Nach-Corona-Zeit Gutscheine für ihr Lieblingslokal kaufen. „Ich bin positiv überrascht, wie gut das angenommen wurde", sagt Christen. Doch darauf warten, dass sie irgendwann wieder öffnen kann und ihre Gäste die Gutscheine einlösen – das kommt nicht infrage. „Es war klar, dass wir irgendwie die Zeit überbrücken müssen. Nach ein bis zwei Wochen ohne weitere Einnahmen musste ich mir etwas überlegen."

Jetzt gibt's einen Kuchenlieferdienst

Alle, die Elisa Christens selbst gebackenen Kuchen vermissen, haben nun die Möglichkeit, sich diesen sonntags von ihr liefern zu lassen. „Am Osterwochenende habe ich mit dem Kuchenlieferdienst angefangen und das lief sehr gut." Freundinnen und ihre Schwester haben sie beim Ausliefern unterstützt. „Für diesen Rückhalt bin ich sehr dankbar." Und weil der süße Lieferdienst so erfolgreich war, bietet ihn Christen erst einmal weiter an. Bei Facebook und Instagram erfahren ihre Kunden, welcher Kuchen vorbestellt werden kann und von ihr dann ausgeliefert wird. „Ich versuche, jede Woche etwas Abwechslung reinzubringen." Aber die Himbeer-Schmand-Torte, die muss einfach immer auf der digitalen Kuchenkarte stehen. „Da komme ich gar nicht drumherum", sagt sie und ein leises Lachen erklingt durch den Telefonhörer. „Sie ist sehr beliebt."

Süßes gibt's auch im Hofladen

Zusätzlich backt Christen mal Rharbarber-Tartes, Käse-Mandel-Torten oder Kirschkuchen Florentiner Art. Für die kleinen Circuswagen-Momente zu Hause müssen minimum vier Kuchenstücke per Mail (info@cafe-im-circuswagen.
de) bestellt werden, damit sich für Christen die Lieferung rechnet. Wer noch größeren Hunger hat oder eine nachmittägliche Kaffeerunde für die ganze Kernfamilie plant, bestellt einfach einen halben bzw. einen ganzen Kuchen. Geliefert wird im Umkreis von zehn Kilometern. Außerdem gibt es das Naschwerk auch freitags und samstags im Hofladen auf dem Köckerhof zu kaufen.

Besondere Aktion zum Muttertag

Nun steht der Muttertag vor der Tür. „Und es wird Zeit, Danke zu sagen." Nicht nur ihrer eigenen Mutter, die einen Großteil von Elisa Christens Aufgaben in deren Elternzeit gerade übernimmt. Sondern allen Müttern. Dafür hat sich die 29-Jährige etwas Besonderes überlegt: Sie liefert selbst gebackene Herztorten zusammen mit einer persönlichen Grußkarte direkt an die Haustür. Dafür kooperiert sie mit dem kleinen Unternehmen „Miss Kinkerlitz", zu dem auch die Bielefelderin Jennifer Siegenbrink gehört. Sie hat die Grußkarten liebevoll illustriert. Über die Woche konnten die Muttertags-Pakete per Mail vorbestellt werden, am heutigen Samstag steht Elisa Christen in der Küche und backt, was die Herzformen hergeben.

Ab Montag dürfen alle wieder öffnen

Gleichzeitig denkt sie schon an die Zukunft. Und da gibt es eine gute Nachricht: Ab Montag dürfen Speisegaststätten in NRW wieder Gäste empfangen – allerdings unter Auflagen. So muss unter anderem der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Gästen gewährleistet sein, so Ministerpräsident Armin Laschet. Dies gelte sowohl für Innen-, als auch für Außenbereiche. „Wir haben das Problem, dass wir im Wagen gar nicht mit ausreichend Abstand servieren können." Also ist Elisa Christen auf gutes Wetter angewiesen. „Dann können wir im Außenbereich maximal 25 Gäste unter Einhaltung der Abstandsregeln bewirten." Sie hofft, dass das gut angenommen wird. „Trotzdem werde ich Einbußen haben, keine Frage. Aber diese werden nicht mehr so dramatisch sein."

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Mit langsamen und vorsichtigen Schritten nimmt das öffentliche Leben wieder Fahrt auf. Damit das so weitergeht, ist es weiterhin geboten, auf sich und andere aufzupassen – durch Distanzhalten, Händewaschen und das Tragen von Masken. Genauso wichtig sind aber Einfallsreichtum, Optimismus, Solidarität und Treue. Wie Ideen in die Tat umgesetzt werden und wie man mit positiven Gedanken an neue Projekte herangeht, zeigen wir in unseren Erfolgsgeschichten aus der Region. Beschrieben werden Menschen, Unternehmen und Institutionen, die trotz Krisenzeiten den Mut nicht verloren haben und die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln um eine gute Zukunft kämpfen. Hier geht es zu den weiteren Artikeln.

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