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Yavuz Melek von der Firma Eikin Professional Surface Protection Systems reinigt zunächst die oberen Messingflächen, um sie dann zu versiegeln. - © Andreas Zobe
Yavuz Melek von der Firma Eikin Professional Surface Protection Systems reinigt zunächst die oberen Messingflächen, um sie dann zu versiegeln. | © Andreas Zobe

Paderborn Versiegelung soll Bänke am Königsplatz vor heißem Messing schützen

Kleiner Königsplatz: Arbeiten blockieren ausgerechnet zu Libori die beliebte Sitzgelegenheit

Hans-Hermann Igges
30.07.2019 | Stand 30.07.2019, 20:22 Uhr

Paderborn. Was genau vor einem Jahr im Hochsommer Schlagzeilen machte, sorgt auch jetzt wieder für erhöhte Aufmerksamkeit: Die von der Stadt "Hochbeetsitzelement" getaufte und im Volksmund als "Hitzebank" abqualifizierte Sitzgelegenheit auf dem Kleinen Königsplatz. Die inzwischen von vielen Paderborner gern genutzte Ruhemöglichkeit präsentiert sich nämlich abgesperrt - ausgerechnet zu Libori, wenn besonders viele Menschen in der Stadt sind. Grund dafür sind nach Angaben von Stadt-Pressesprecher Jens Reinhardt Arbeiten, um die Hitzeentwicklung der Messingauflagen zu dämpfen. Reinhardt: "Der Bauausschuss hatte ja im letzten Jahr beschlossen, nach solchen Möglichkeiten zu suchen. Und nun greifen wir auf ein auch andernorts wohl schon bewährtes Mittel zurück: Nämlich die Oberfläche der Auflagen zwischen Beeten und Bänken mit einem Kunststoff zu versiegeln." Dazu würden zunächst die Flächen gereinigt, so dass die Arbeiten insgesamt zwei bis drei Tage in Anspruch nähmen und wohl schon im Laufe des Mittwoch beendet würden. Dass das nun ausgerechnet zu Libori geschehe, wenn die Sitzplätze eigentlich dringend gebraucht werden, sei keine Absicht gewesen, so Reinhardt. Der Zeitplan der Firma sei ins Rutschen geraten, aber die Arbeiten dauerten ja auch nicht sehr lange. Im übrigen werde man nun testen, ob auch die vertikalen Messingflächen mit dem Material versiegelt werden. Heiße Diskussionen um Planungsfehler und Geldverschwendung Weil Messing sich unter Sonneneinstrahlung stark erhitzen kann, hatte es im letzten Sommer in Paderborn eine ebenso heiße Diskussion gegeben. Von Planungsfehlern und Steuerverschwendung war die Rede. Die "Hitzebank" lieferte sogar Stoff für die bundesweite Satire-Sendung des NDR-Fernsehens "Extra 3". Daraufhin schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. Letztlich mochte er der Stadt Paderborn aber keine belastbaren Vorwürfe machen, die mit exotischen Gold-Gleditschien garnierte Anlage für 178.000 Euro sei womöglich Steuerverschwendung. Angesichts der handwerklichen Fertigung der Elemente, die immerhin auf einem Flachdach mehr als drei Dutzend Tonnen Pflanzsubstrat, Stahl und Messing umfassen, halte man den Preis für angemessen, hatte die Stadt argumentiert. Von Anfertigungsmängeln könne keine Rede sein; der Gemeindeversicherungsverband habe den vollen Versicherungsschutz bestätigt. Provisorisch mit Gummimatten abgedeckt Weil allgemein bekannt sei, dass Metall unter der Sonne heiß werde, sei weiterer Hitzeschutz "nicht verkehrswichtig". Das Rechtsamt der Stadt attestierte ebenfalls, dass kein Planungsfehler vorliege, da die Elemente ihrer Bestimmung gemäß zu nutzen seien. Nachdem zu Beginn der Hochsommer-Hitzeperiode im letzten Jahr Klagen über Verbrennungsgefahren an der neuen Königsplatz-Möblierung laut geworden waren, hatte die Stadt zunächst selbst Warnschilder aufgestellt, die auf die Gefahr hinwiesen. Zuvor waren die Messingflächen provisorisch mit Gummimatten abgedeckt worden - was wiederum den ästhetischen Ansprüchen überhaupt nicht genügte.

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